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Interview mit unserem Alumnus Jona Stinner

Jona ist Doktorand und forscht zum Thema Kryptowährung und Blockchain-basierten Anwendungen.

Wo bin ich & was mache ich?
Seit Dezember 2019 bin ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaft der Universität Witten/Herdecke tätig. Die private Universität erlaubt das Studium in den Bereichen Wirtschaft, Politik, Philosophie, Psychologie, Human- und Zahnmedizin sowie Pflegewissenschaft. Ähnlich wie an der Alanus Hochschule, lernen die Studierenden im interdisziplinären Studium Fundamentale verschiedene Blickwinkel auf eine Problemstellung zu entwickeln und die eigene Disziplin methodisch zu verorten.
Meine Tätigkeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter liegt in der Vorbereitung und Durchführung von Lehrveranstaltung im Fachbereich Banking & Finance sowie in der Betreuung von Seminar- und Abschlussarbeiten. Als Doktorand liegt mein Forschungsschwerpunkt im Bereich der Kryptowährungen und Blockchain-basierten Anwendungen. Hier ergeben sich zahlreiche akademische Fragestellungen, denn der Grundstein der Technologie wurde mit der pseudonymisierten Veröffentlichung des Bitcoin-Protokolls erst vor rund einem Jahrzehnt gelegt und befindet sich seither in stetiger Entwicklung. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise versprach Bitcoin ein kryptographisch abgesichertes, anonymes und dezentrales Geldsystem, welches unabhängig von zentralen Entitäten, wie etwa Noten- und Geschäftsbanken, funktioniert. Die faszinierende Innovation liegt dabei in der Fähigkeit des Netzwerkes die substantiellen Funktionen einer zentralen Autorität – nämlich die Abwicklung von Transaktionen sowie die Herstellung eines Konsenses über die aktuellen Geldbestände jedes Teilnehmers – selbst auszuführen. Oder mit anderen Worten: Da es im dezentralen Bitcoin-Ökosystem keine zentrale Verwaltung gibt, welche Wertbestände administriert und Konflikte beilegt, muss das System aus sich heraus einen Konsens finden. Die Sicherheit des Netzwerkes basiert auf seiner Dezentralität: Jede teilnehmende Partei kann eine vollständige Kopie des Hauptbuches herunterladen, Transaktionen verifizieren und an die Historie anfügen. Mit Bitcoins fulminantem Wachstum offenbarten sich jedoch auch verschiedene Schwächen: Etwa ein begrenztes Maximum an Transaktionen sowie ein gigantischer Energiebedarf. Schätzungen zufolge übertrifft der kumulierte Stromverbrauch des Bitcoin-Ökosystems gegenwärtig zahlreiche Länder, wie etwa Österreich, Griechenland und Portugal. Um diesen Schwächen zu begegnen, findet seit einigen Jahren eine starke Entwicklung von besser skalierbaren, effizienteren und nachhaltigeren Konsensmodellen statt, in welche sich meine Forschung einordnet. Aktuell analysiere ich beispielsweise ob Preisschwankungen die Dezentralität beeinflussen und somit das Netzwerk gefährden können. Ähnlich wie seinerzeit das Internet, sehen viele Verfechter die Blockchain als Schlüsseltechnologie mit dem Potential, die Organisation von wirtschaftlichen Interaktionen fundamental zu verändern. Vor diesem Hintergrund ist es unglaublich spannend und macht mir großen Spaß, die neuesten Innovationen zu durchdenken und an der Entwicklung teilzuhaben.
 
Wie kam ich hierhin?
Nach meinem Bachelorabschluss an der Alanus Hochschule habe ich zunächst eine längere Reise in Süd-Ostasien unternommen und daraufhin ein Praktikum bei einem Hamburger Risikokapitalgeber absolviert. Ich war mir schnell sicher, dass ich noch weiter studieren möchte und habe deshalb ein Masterstudium in Corporate Management & Economics an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen begonnen. Während meines dritten Semesters hatte ich die Gelegenheit, an der Peking University in China zu studieren. Die Zeit dort war unvergleichlich – gerade der starke Kontrast zwischen der Kultur und Sprache des Landes zu Deutschland war eine wahnsinnig spannende Erfahrung. Der Aufenthalt inspirierte mich außerdem zu meiner Masterthesis, in welcher ich untersucht habe, wie sich die Verbreitung großer Sharing-Economy Plattformen auf die sektorspezifische Beschäftigung, die Mobilitätspreise und die Einkommensungleichheit in China auswirken (ein Einblick in meine Arbeit findet sich für Interessierte in folgendem Artikel). Auch nach dem Abschluss des Masterstudiums hatte ich noch nicht genug von der Wissenschaft und ich freue mich sehr, in den kommenden Jahren weitere Forschungsfragen verfolgen zu können und hoffentlich fundiert zu beantworten.

Inwiefern hat mich die Zeit an der Alanus Hochschule geprägt?
Mit Blick auf verschiedene Aspekte denke ich sehr gerne an meine Zeit an der Alanus Hochschule zurück. Aufbauend auf dem vermittelten Fachwissen habe ich gerade von der Verbindung aus Theorie und Praxis sehr profitiert. Diese bietet sich – meiner Erfahrung nach – in einem praxisorientierten Studium, wie der BWL, unglaublich gut an: Während meiner Praxisphasen bei dm-drogerie markt, SAP und der Postbank konnte ich die vermittelten Theorien selbst anwenden, kritisch reflektieren und eigene Erweiterungen für die jeweilige Herausforderung entwickeln.
Das Studium Generale habe ich als sehr bereichernde Bildung in Philosophie, Soziologie, Psychologie und Kunstgeschichte erlebt. Außerdem haben mir die Schauspielmodule einmal wieder verdeutlich, dass es sich nahezu immer lohnt, die Komfortzone zu verlassen und sich auf etwas (zunächst) Ungewöhnliches einzulassen.
Die umfassende wirtschaftliche Bildung sowie die multidisziplinären Studieninhalte fördern selbstständiges Denken, Selbstorganisation sowie die Entwicklung von Neugier und Offenheit gegenüber Neuem – Fähigkeiten, die bei meiner aktuellen Tätigkeit sehr wichtig sind. Außerdem erinnere ich mich häufig und gerne an das lebhafte Studentenleben in Alfter und Bonn, wobei ich bei zahlreichen gemeinsamen Lerngruppen in der Uni, Partys und Sportevents viele spannende Leute kennenlernen durfte.

Interview mit unserem Alumnus Jona Stinner