DIE GROSSE 2026: Alanus Hochschule zeigt erstmals einen eigenen Raum im NRW-Forum
03.07.2026
DIE GROSSE 2026: Alanus Hochschule zeigt erstmals einen eigenen Raum im NRW-Forum
Ein Raum komplett in Blau, dazu Vogelstimmen aus einem Naturschutzgebiet: Wer bei DIE GROSSE 2026 das NRW-Forum betritt, landet akustisch auf einem Hügel oberhalb von Bonn. Dort liegt die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, die in diesem Jahr erstmals mit einem eigenen Raum bei der traditionsreichen Düsseldorfer Kunstausstellung vertreten ist.
Ab dem 5. Juli 2026 zeigen elf Studierende rund 20 Arbeiten aus Malerei, Zeichnung, Collage und textiler Kunst. Betreut wird das Projekt von Professorin Frauke Dannert, die an der Alanus Hochschule Erweiterte Malerei lehrt. Für DIE GROSSE ist die Zusammenarbeit ein Novum. „Es ist unsere erste Kooperation mit einer privaten, staatlich anerkannten Kunsthochschule, und wir verlassen damit die klassische Rheinschiene“, sagt Ausstellungsleiter Emmanuel Mir. Im vergangenen Jahr war die Kunstakademie Münster eingeladen, nun richtet sich der Blick erstmals auf den Rhein-Sieg-Kreis.
Dannert wählte die Künstler:innen beim Rundgang durch die Ateliers der Hochschule aus. Entscheidend war die Frage, welche künstlerischen Positionen miteinander für ein gemeinsames Projekt funktionieren. Die Gruppe entwickelte anschließend eine gemeinsame Raumkonzeption, baute ein Modell im Maßstab 1 zu 20 und kümmerte sich auch um Transport, Verpackung und die Abstimmung mit dem Ausstellungshaus. „Eine perfekte Gelegenheit, Ausstellung zu üben“, findet Dannert. Denn zur künstlerischen Arbeit gehört am Ende eben auch die weniger romantische Realität aus Maßband, Transportkiste und Organisationsmail.
Eine Wiese im Kopf
Die Idee für den blauen Raum entstand aus der besonderen Lage der Alanus Hochschule. Sie befindet sich unmittelbar neben einem Naturschutzgebiet mit Pferdekoppeln. Dieses Umfeld wollte die Gruppe nach Düsseldorf holen, allerdings nicht als gemaltes Landschaftspanorama. Stattdessen greift die Gestaltung das Prinzip des Chroma Key-Verfahrens auf. In der Foto- und Filmproduktion werden blaue oder grüne Hintergründe für Aufnahmen verwendet, weil diese sich am besten freistellen lassen und ideal für verschiedene Hintergründe sind. Im NRW-Forum wird das Blau zur Projektionsfläche für die Vorstellungskraft der Besucher. „Gedanklich kann jeder einen anderen Hintergrund hinter die Arbeiten legen, zum Beispiel eine Wiese“, erklärt Dannert.
Vom Sperrmüll auf die Leinwand
So verschieden wie die Studienrichtungen sind auch die Arbeiten. Barlas Neumann (23) ist formal in der Bildhauerklasse eingeschrieben, versteht sich jedoch als Maler. Für seine großformatigen Arbeiten verwendet er Fundstücke von der Straße, darunter MDF-Platten, die er auf große Leinwände aufbringt, bemalt und mit reduzierten schwarzen Linien bearbeitet. „Meine Bilder sprechen sehr tief aus mir heraus“, erklärt Neumann, der Halbtürke und Halbdeutscher ist und sich mit Identität, Vergänglichkeit und der Banalität des Alltäglichen beschäftigt. Valérie Linkweiler (25) studiert bei Prof. Dannert Erweiterte Malerei. Sie zeigt Zeichnungen von Naturstrukturen, die sie durch extreme Nahsicht abstrahiert. Ihr Blick richtet sich auf Details der unmittelbaren Umgebung, die im Alltag leicht untergehen. Die Lage der Hochschule am Naturschutzgebiet wird so auch in ihren Arbeiten sichtbar.
Marwa Ben Aharon (28) kam von einem Kibbutz bei Haifa vor drei Jahren nach Deutschland. Nach einem Malereistudium an einer privaten Schule in Basel wechselte sie an die Alanus Hochschule. Seit einem Semester untersucht sie eine einzelne Pflanze aus immer neuen Perspektiven. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen naturalistischer Ölmalerei, Zeichnung, Muster und Abstraktion. Elisa Gabelli (30) arbeitet mit filigranen Papierschnitten. Ihre transparent wirkenden Collagen verbinden menschliche Formen mit Strukturen aus der Natur. Manuel Schlembach (29) näht gerne großformatige textile Bildobjekte. Im NRW-Forum ist unter anderem ein überdimensioniertes Bügeleisen zu sehen. In seinen Arbeiten treffen Handwerk und häuslicher Alltag auf Fragen nach sozialer Herkunft. Schlembach kam selbst über Umwege zur Kunst. Er absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Elektroniker und arbeitete im Handwerk, bevor eine Verletzung seine langjährige Leidenschaft für das Skateboardfahren beendete und ihn zur Kunst brachte.
Die Verbindung zwischen Düsseldorf und Alfter soll keine einmalige Angelegenheit bleiben. „Die Kooperation mit der Region funktioniert. DIE GROSSE zeigt auch Werke ehemaliger Alanus-Studierender, die die Jury in diesem Jahr überzeugten“, sagt Emmanuel Mir.
Für DIE GROSSE 2026 gingen rund 1.500 Bewerbungen ein. Insgesamt umfasst die Ausstellung 171 künstlerische Positionen. DIE GROSSE wurde 1902 gegründet und ist die älteste und größte von Künstlern organisierte Verkaufsausstellung im deutschsprachigen Raum. Im Jahr 2025 kamen mehr als 30.000 Besucher:innen.
Eröffnung: 4. Juli 2026, 18 bis 22 Uhr
Laufzeit: 5. Juli bis 9. August 2026
Ort: Kunstpalast, NRW-Forum und Ehrenhof, Düsseldorf
Beteiligte Künstler:innen der Alanus Hochschule:
Marva Ben-Aharon, Julian Braun, Louise Doyon, Elisa Gabelli, Valerie Linkweiler, Maiwenn Nelke, Barlas Neumann, Manuel Schlembach, Leonard Stascheit, Leon Steinbauer, Mila Wolkenaar
Dank an:Â Gerstaecker
Foto: M. Prinz
M. Prinz