Nach zwei Jahrzehnten als Professor für Architektur und Stadtraum an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn wird Prof. Benedikt Stahl zum 31. Oktober 2026 emeritiert. Mit ihm verabschiedet die Hochschule einen Architekten, Stadtplanungsexperten, Zeichner und Geschichtenerzähler, der Lehre, Praxis und gesellschaftliches Engagement auf besondere Weise miteinander verbunden hat. Sein Wirken war geprägt von der Überzeugung, dass Architektur und Städtebau weit über die Gestaltung einzelner Gebäude hinausgehen: Sie beeinflussen, wie Menschen zusammenleben und wie sich das Verhältnis zwischen Mensch und Natur gestaltet.

„Alles fließt, alles hängt miteinander zusammen“ – dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch seine Lehre. Stahl interessiert sich für das Zusammenspiel unterschiedlicher Maßstäbe: vom unmittelbaren räumlichen Erleben im Maßstab 1:1 bis zu den großen Zusammenhängen von Landschaft und Stadt. Jede planerische Entscheidung, so seine Überzeugung, wirkt sich auf den öffentlichen Raum und das gesellschaftliche Leben aus.

Impulse für Bonns Stadtentwicklung

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war die Frage, wie öffentliche Räume lebendiger, einladender und zukunftsfähiger werden können. Dabei ging es ihm nicht allein um neue Entwürfe, sondern ebenso um die behutsame Weiterentwicklung bestehender Strukturen. Architektur und Städtebau verstand er als offene Prozesse, die genaue Beobachtung, kritisches Denken und den Austausch mit der Gesellschaft erfordern.

Wie sich dieser Ansatz in der Lehre widerspiegelte, zeigen zahlreiche studentische Projekte für Bonn und die Region. Dazu gehörten Entwürfe für die Bonner Rheinuferpromenade, Ideen für Bad Godesberg und die Alte Stadtgärtnerei in Dransdorf sowie Überlegungen zu einer Beuys-Plattform für die Bundeskunsthalle und das Kunstmuseum Bonn. Auch die Weiterentwicklung des Frankenbads zu einem multifunktionalen Veranstaltungsort wurde gemeinsam mit den Studierenden planerisch untersucht. Ausgestellte Studienprojekte und öffentliche Ringvorlesungen, unter anderem in Kooperation mit der Montag Stiftung, regten zur Auseinandersetzung mit Bonner Städtebauthemen an und förderten das Gespräch zwischen Hochschule, Stadt und Bürgerschaft.

Lehre, Praxis und Verantwortung

Stahls akademisches Wirken war stets eng mit seiner planerischen Praxis verknüpft. Als Gründungspartner des Düsseldorfer Büros Atelier Fritschi, Stahl und Baum war er an zahlreichen bedeutenden Architektur- und Städtebauprojekten beteiligt. Zu den bekanntesten zählt die preisgekrönte Düsseldorfer Rheinuferpromenade, die den Stadtraum am Rhein grundlegend neu ordnete. Seine Erfahrungen aus der Praxis brachte er unmittelbar in die Lehre ein – als Grundlage für gemeinsames Entwerfen, eigenständiges Urteilen und die Entwicklung ungewöhnlicher Ideen.

An der Alanus Hochschule übernahm Stahl über viele Jahre hinweg Verantwortung für die Entwicklung des Fachbereichs Architektur. Fast zwei Jahrzehnte war er als Dekan oder Prodekan tätig, engagierte sich in zahlreichen Hochschulgremien und wirkte an der inhaltlichen Ausrichtung und Weiterentwicklung der Hochschule mit. Darüber hinaus ist seine Expertise in Wettbewerbsjurys sowie in Städtebau- und Gestaltungsbeiräten gefragt, unter anderem in Bonn und Wuppertal.

Ein Abschied – kein Rückzug

Mit einem fröhlichen und bewegenden Fest unter dem Motto „Tutto Bene“ verabschiedete der Fachbereich Architektur seinen geschätzten Kollegen. Gefeiert wurden zwei Jahrzehnte Lehre, zahlreiche gemeinsame Projekte und ein Engagement, das Generationen von Studierenden geprägt hat.

Auch nach seiner Emeritierung bleibt Benedikt Stahl der Alanus Hochschule und der Stadt Bonn verbunden. Als Mitglied des Bonner Städtebau- und Gestaltungsbeirats wird er sich weiterhin für eine qualitätsvolle und zukunftsorientierte Stadtentwicklung einsetzen. Zudem arbeitet er als freier Mitarbeiter mit dem Düsseldorfer Büro Küssdenfrosch zusammen, das unter anderem durch die Umnutzung des Bilker Bunkers bekannt ist und spannende Projekte in Architektur und Stadtplanung bearbeitet.

Seine Professur endet – die Auseinandersetzung mit Architektur, Stadtraum und gesellschaftlicher Verantwortung geht weiter. Denn für Benedikt Stahl bleibt die entscheidende Frage, wie wir unsere gebaute Umwelt so gestalten können, dass sie das Zusammenleben bereichert und eine lebenswerte Zukunft ermöglicht.

Foto: Hergen Deuter

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