Teilchen, Detektoren, Menschen in Bewegung und sogar Schrödingers Katze: Drei großformatige Wandmalereien von Studierenden der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft machen Teilchenphysik auf ungewöhnliche Weise sichtbar. Vom 18. bis 20. September 2026 gestalteten sie die Wände im neuen Rotationsgebäude der Universität Bonn auf dem Campus Poppelsdorf. Entstanden ist die Arbeit in Zusammenarbeit mit dem Physikalischen Institut der Universität Bonn und dem Exzellenzcluster „Color meets Flavor“.

Der Weg von der Forschung zur Wand begann für die Studierenden der Studiengänge Bildende Kunst und Kunst-Pädagogik-Therapie mit einer intensiven Auseinandersetzung mit der Teilchen- und Beschleunigerphysik. Mit riesigen Teilchenbeschleunigern erforschen die Physiker:innen der Universität Bonn, was die Welt im Innersten zusammenhält. Sie suchen nach bislang unbekannten Elementarteilchen und entwickeln unter anderem Detektoren, mit denen sich die Bahnen der Teilchen vermessen lassen. Das Physikalische Institut ist derzeit wegen der Sanierung seines Gebäudes an der Nussallee im neuen Rotationsgebäude untergebracht. „Wir wollten unserem Trakt im Rotationsgebäude eine persönliche Note geben“, sagt der Physiker Philip Bechtle. Die Zusammenarbeit mit der Alanus Hochschule habe sich dafür angeboten. „Wir wollten eine Wandgestaltung, die einen Bezug zu unserer Forschung herstellt und zugleich wie eine künstlerische Visitenkarte des Instituts wirkt.“

Die Studierenden setzten sich zunächst intensiv mit Teilchen- und Beschleunigerphysik auseinander und entwickelten daraus ein gemeinsames Bildkonzept. Der Entwurf von Tobias Nestle, Student der Kunst-Pädagogik-Therapie, wurde für die Umsetzung ausgewählt. An einem Wochenende übertrug die Gruppe die Motive auf die drei Wände des Treppenhauses und setzte sie mit kräftigen Farben und schwarzen Konturen um. Blau und Ocker greifen dabei die Farben der Universität Bonn auf. Die Wandbilder zeigen unter anderem Bestandteile von Detektoren, Menschen in Bewegung und Schrödingers Katze, die auf das berühmte Gedankenexperiment des Physikers Erwin Schrödinger aus dem Jahr 1935 verweist.

„Für die Studierenden ist es eine große Bereicherung, in die Welt der Teilchenbeschleunigung einzusteigen. Es geht auch um die wichtige Erfahrung, in einem großen Maßstab zu malen, den Respekt vor einer wirklich großen weißen Wand zu verlieren und sich zu trauen, öffentlichen Raum mitzugestalten“, sagt Fabienne Margue, künstlerische Mitarbeiterin am Fachbereich Bildende Kunst der Alanus Hochschule. Unterstützt wurde die Gruppe bei der Umsetzung von Oliver Hollatz, Lehrbeauftragter an der Alanus Hochschule. „Es ist wichtig, Techniken zu kennen, mit denen sich Proportionen gut auf die Wand übertragen lassen, und vor allem die Fähigkeit, die Farben sowohl auf den Entwurf als auch auf die Umgebung abzustimmen.“

Die Zusammenarbeit setzt eine Reihe gemeinsamer Projekte der Alanus Hochschule und der Universität Bonn fort. Bereits im Umfeld des Exzellenzclusters „Matter and Light for Quantum Computing“ (ML4Q) entstand ein Kunstprojekt zur Quantenphysik. Mit dem Exzellenzcluster „ImmunoSensation“ arbeiteten Studierende ebenfalls zu einem Forschungsthema aus der Biomedizin. Mit der aktuellen Wandgestaltung kommt nun die Teilchenphysik hinzu.

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Titelfoto, von Links: Tobias Nestle, Philip Bechtle, Oliver Hollatz, Caroline Ebert, Nelly Rakowitsch, Tino Brandt, Richard Ebel (Copyright: Alanus Hochschule)

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