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Waldorf als Mehrwert erkennbar machen

Adriana Stickel und Thilo Erythropel sprechen im Interview mit der Software AG - Stiftung über ihr Studium der Waldorfpädagogik

Viele angehende Pädagogen wünschen sich berufsbegleitende, praxisnahe Studiengänge. So auch Ariadne Stickel (31) und Thilo Erythropel (32), die sich bewusst für den Masterstudiengang „Pädagogik/Waldorfpädagogik“ in Alfter entschieden haben. Beide sind aktuell im sechsten Semester und wollen nach ihrem Abschluss als Klassenlehrer an einer Waldorfschule arbeiten. Parallel zum Studium ist Ariadne Stickel als Gruppenleiterin im Hortbereich der Waldorfschule in Köln-Chorweiler tätig. Thilo Erythropel leitet eine Hortgruppe der Rudolf-Steiner-Schule Hamburg-Wandsbek und engagiert sich epochenweise als Klassenhelfer in verschiedenen Jahrgangsstufen. Im Interview mit der Software AG – Stiftung , Hauptförderer der Alanus Hochschule, berichten beide, wie sie das Studium an der Alanus Hochschule erleben.

Warum haben Sie sich für die Alanus Hochschule und Alfter als Studienort entschieden?
Ariadne Stickel: Ich habe mir verschiedene Studienorte und -stätten angeschaut. Nach dem Tag der offenen Tür und einem Gespräch mit dem Studiengangsleiter Jost Schieren war ich so begeistert, dass ich auch noch hospitiert habe. Danach war klar: Ich möchte an der Alanus Hochschule studieren. Stärker als an anderen Orten hatte ich in Alfter den Eindruck: Hier erwarten mich Inhalte, mit denen ich etwas anfangen kann und die mich berühren. Gleichzeitig fühlte ich mich von Art und Weise der Lehre sofort angesprochen.

Thilo Erythropel: Ich bin von Hamburg aus zu einem Schnuppertag hierhergekommen und war auch direkt angetan. Ein ganz pragmatischer Grund bestand für mich außerdem darin, dass das Studium in Alfter das einzige Angebot ist in Deutschland, bei dem man den Master berufsbegleitend in Teilzeit machen kann.

„Mensch statt Matrikelnummer“: Mit diesem Motto wirbt Ihre Hochschule. Was unterscheidet sie von anderen universitären Einrichtungen?
Ariadne Stickel: Da gibt es einiges. Ich habe vorher an der Freien Universität in Berlin studiert, die natürlich deutlich größer ist. Das Studium an der Alanus Hochschule aber empfinde ich als viel persönlicher. Man hat keine Chance zu entkommen – im positiven Sinne. Der enge Draht zu den Dozierenden ermöglicht ein anderes Lernen. Ich erlebe echtes Interesse und viel Engagement vonseiten der Lehrpersonen.

Thilo Erythropel: Das stimmt. Es geht hier ziemlich familiär zu und auch der Aufbau des Studiums spielt dabei vermutlich eine Rolle.

Inwiefern?
Thilo Erythropel: Wir sitzen eben nicht nur im Seminar und bekommen theoretischen Input, sondern machen auch Eurythmie, malen oder haben Musik. All das fördert, glaube ich, das Gefühl, hier Mensch zu sein und nicht nur jemand, der Wissen aufnimmt.

Ariadne Stickel: Ganz genau. Ich erlebe das Studium an der Alauns Hochschule als sehr dichte Zeit. Es findet ganz viel Gemeinschaft statt und ich bin gedanklich so angeregt, wie ich es davor vielleicht noch nie gewesen bin. Es wird oft gelacht, aber trotzdem – und das widerspricht sich ja auch gar nicht – eine Menge gelernt.

Ein zentrales Anliegen der pädagogischen Studiengänge in Alfter ist die dialogische Verbindung von Reform- und Waldorfpädagogik auf der einen und allgemeiner Erziehungswissenschaft auf der anderen Seite. Wie nehmen Sie persönlich diesen Ansatz wahr?
Ariadne Stickel: Dadurch, dass wir auch Dozierende aus der Erziehungswissenschaft haben und nicht nur aus dem Bereich der Reformpädagogik, entsteht ein diskursiver, manchmal auch kontroverser Raum. Das ist sehr hilfreich, um die Waldorfpädagogik in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Ich fände es problematisch, Waldorfpädagogik isoliert zu studieren, ohne auch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse mit einzubeziehen.

Thilo Erythropel: Diese Auseinandersetzung ist nicht nur wichtig, um beispielsweise mit entsprechender Kritik gut umgehen zu können, sondern auch deutschlandweit etwas Besonderes. Es kommt nicht häufig vor, dass man sich in dieser Weise öffnet, auch Kritiker einlädt und versucht, in einen Dialog zu kommen. Es geht darum, Waldorf als Mehrwert erkennbar zu machen. Mit Erfolg: Viele waldorfpädagogische Elemente und Methoden sind ja heute auch im staatlichen Schulwesen anerkannt.

In Ihrem Studium dreht es sich nicht nur um wissenschaftliche Reflexion, sondern auch darum, pädagogische Handlungskompetenz zu erlangen. Wie zeigt sich das konkret?
Ariadne Stickel: Die Alanus Hochschule kooperiert dafür mit dem Waldorfseminar in Kassel. Zweimal im Jahr finden dort Studienblöcke von jeweils drei Wochen statt, in denen wir fast ausschließlich Handlungskompetenzen üben, die uns gut auf die spätere Schulpraxis vorbereiten. Aber auch im übrigen Studium gibt es viele praktische Elemente und Rollenspiele. Zum Beispiel üben wir, Elternabende zu halten. Oder wir stellen uns vor, in einer zweiten Klasse zu stehen und in ein bestimmtes Thema einzuführen. So etwas bereiten wir dann zu zweit vor.

Eine weitere Besonderheit ist das fach- und jahrgangsübergreifende Studium Generale als wesentlicher Bestandteil aller Studiengänge. Worum geht es dabei?
Ariadne Stickel: Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit philosophisch ausgerichteten Fragestellungen, die uns als Menschen eigentlich alle betreffen. Das wäre im Grunde an jeder Uni und für jeden Studiengang sinnvoll, weil ein solches Studium nicht fachspezifisch ist, sondern uns mit Fragen zu Philosophie und Bildung oder zu Kunst und Gesellschaft konfrontiert.

Thilo Erythropel: Es geht im Studium Generale nicht in erster Linie um pädagogische Themen. Wie der Name schon sagt, ist der Zugang ein ganzheitlicher. Wir malen zum Beispiel, um selbst den künstlerischen Prozess zu erfahren – für unsere eigene Entwicklung, nicht, um zu lernen, wie wir anderen Kunst vermitteln können.

Die Alanus Hochschule ist aus einer anthroposophisch ausgerichteten Kunststudienstätte hervorgegangen. Welche Rolle spielen das Künstlerische und die Anthroposophie in Ihrem Studium, aber auch für Sie persönlich?
Ariadne Stickel: Das Künstlerische spielt eine große und tragende Rolle. Anfangs hat mich das überrascht. Es hat sich dann aber als sehr positiv herausgestellt, weil die Kunst ganz schnell zu einer Gruppendynamik geführt hat, die sich auch in anderen Fächern positiv auswirkt. Die Anthroposophie ist natürlich ebenfalls von großer Bedeutung – die Waldorfpädagogik basiert ja auf ihr. Obwohl mir schon manches vertraut war, finde ich hier einen ganz anderen Zugang zur Anthroposophie. Ich erlebe einen lebendigen, zeitgemäßen und trotzdem keineswegs beliebigen Umgang damit, der mir auch bei der praktischen Arbeit mit den Kindern hilft. Das wird gerade in unserer Teilzeitvariante des Studiums deutlich, weil wir die anthroposophischen Anregungen etwa zu Menschenkunde direkt im Arbeitsalltag umsetzen können. Das empfinde ich als sehr bereichernd.

Thilo Erythropel: Das geht mir genauso. In der Arbeit mit den Kindern nehme ich dadurch als Pädagoge eine andere Geste ein. Wenn ich die Kinder betrachte, frage ich eher danach, was da eigentlich auf mich zukommt und weniger, was ich hineinstecken muss, damit das Kind irgendwelchen gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Anforderungen genügt. Ich schätze den undogmatischen Umgang mit der Anthroposophie und dass man auch probiert, sie ein Stück weit zu übersetzen. Was das Künstlerische angeht: Ich bin ausgesprochen dankbar, dass ich das hier ausleben kann. Und ich glaube, dass es mir auch im Beruf hilft, weil es Kreativität und Neugierde fördert. Dass die Kunst so einen hohen Stellenwert hat, war für mich ein wichtiger Grund dafür, warum ich überhaupt Waldorfpädagoge werden will.

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