Das Institut für Sozialorganik ist an den Fachbereich Wirtschaft der Alanus Hochschule in Alfter bei Bonn angegliedert. Es widmet sich der Erforschung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Phänomene unter besonderer Berücksichtigung der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners. Die „sozialorganische“ Methode, zu der Steiner wichtige Anregungen gegeben hat, ermöglicht es, die Resultate der etablierten Wirtschaftswissenschaften zu ergänzen und zu erweitern.
Die Sozialorganik betrachtet Wirtschaft als ein Organ des sozialen Organismus, wie ihn die Gesellschaft als Ganzes darstellt. Anders als ein natürlicher Organismus, der sich gemäß seinem Schöpfungsimpuls, dem ihm eingeprägten Urbild, stets typisch entwickelt, bedarf der soziale Organismus der immerwährenden bewussten Gestaltung durch die Ideen und Handlungen seiner Mitglieder, der handelnden Menschen.
Dabei wird ein Menschenbild zu Grunde gelegt, das den Menschen nicht als bloßes Eindrucks- oder Verhaltenswesen betrachtet, sondern als schöpferisches und freies Ausdruckswesen begreift, das aus Einsicht heraus sinnvoll handeln kann.
Wirtschaftlichen Phänomene werden in der Sozialorganik durch die sie bewirkenden Bildeprinzipien, d. h. dynamisch, auf den jeweiligen Entstehungsprozess bezogen, verstanden. Anders als in statischen oder mechanischen Modellen der von neoklassischen Annahmen geprägten Wirtschaftswissenschaften lassen sich die komplexen wirtschaftlichen Zusammenhänge so tatsächlich begreifen und daraus zielgerichtete Handlungsempfehlungen ableiten.
Forschungsschwerpunkte
Sozialorganische Grundlagenforschung
Die Grundlagenforschung umfasst die wissenschaftliche Aufarbeitung und Weiterentwicklung des sozialorganischen Ansatzes und seine Verortung im anthroposophischen sowie wirtschaftswissenschaftlichen Diskurs. Besondere Beachtung finden dabei die geistig-kulturellen Impulse im Wirtschaftsleben. Ein Ziel der sozialorganischen Forschung ist es, zu wirklichkeitsnahen und kontextabhängigen Begriffen und damit zu neuen Ansätzen zu kommen, die dem dynamischen Wirtschaftsleben gerecht werden und die Gestaltungsimpulse, die die Prozessen bewirken, besser zu fassen vermögen. Hierzu arbeitet das Institut für Sozialorganik mit Unternehmen zusammen, in denen sozialorganische Konzepte umgesetzt werden.
Führung
Die Sozialorganik erweitert den Begriff der Mitarbeiterführung um drei weitere Dimensionen von Führung: die „Führung durch den Kunden“, die „Selbstführung“ und die „Sinnführung“.
Mitarbeiterführung im Sinne der sozialorganischen Führungsidee versteht sich als Begleitung des Mitarbeiters in dessen Selbstführung und Freiheit. Grundlage dafür ist eine Haltung, die den anderen als Individuum toleriert und an seine individuelle Entwicklungsfähigkeit glaubt. Als eine praktische Orientierungs- und Reflexionshilfe wurde das Modell der „Situativen Mitarbeiterführung“ entwickelt, das verschiedene Führungskompetenzen bzw. Formen der Kommunikation und Zu¬sammenarbeit voneinander unterscheidet.
Unternehmenskultur
Eine Neuausrichtung unternehmerischer Aktivitäten ist unerlässlich. Nur wenn die Wirtschaft das Thema Nachhaltigkeit grundsätzlich in ihrem Denken und Handeln lebt, kann die Zukunft von Mensch und Erde gesichert werden. Dieser notwendige Wandel verlangt nach einem radikal neuen Denken über Wirtschaft. Ihr Sinn ist nicht primär die Erfolgsmaximierung, sondern vor allem die Maximierung des Sinns.
Wertbildungsrechnung (WBR)
Die Wertbildungsrechnung (WBR) ist ein Steuerungs- und Führungsinstrument des unternehmensinternen Rechnungswesens. Ziel ist es, Leistungsverflechtungen zwischen Leistungserbringern und Leistungsempfängern transparent und anschaulich darzustellen. Im Mittelpunkt stehen dabei die Leistungsströme. Hiermit unterscheidet sich die WBR im Kern von herkömmlichen Formen der Kostenrechnung. Alles, was auf der Seite eines Unternehmens zur Entstehung einer Leistung (z. B. eines Produkts) beiträgt, wird nicht als Kostenfaktor betrachtet, sondern als Leistung, die in den Wert eines Produktes einfließt. Diese Begrifflichkeit führt zu einer anderen Betrachtung von Mitarbeitern: Erscheinen sie in herkömmlichen Kostenrechnungsmodellen als Kosten, die es möglichst zu minimieren gilt, so legt die WBR den Fokus darauf, dass ein Wert stets durch die Leistungen der Mitarbeiter gebildet wird. Diesem Wert gegenüber treten die Kunden, die ihre Wertschätzung durch den Kauf oder Nichtkauf der erbrachten Leistungen ausdrücken. Wertströme abzubilden und sinnvolle Begriffe anzuwenden, ist ein wichtiges Ziel der WBR.
Die Arbeit des Instituts für Sozialorganik im Bereich der Wertbildungsrechnung fokussiert sich vor allem auf folgende Schwerpunkte:
- Erforschung der sozialorganischen Grundlagen der WBR
- Definition der Aufgaben und Funktionen der WBR im Rahmen von Forschungsaufenthalten in Unternehmen
- Analyse der Wirkungen der WBR als angewandte Erfolgsrechnung im Rahmen von Forschungsaufenthalten in Unternehmen
- Bekanntmachung der WBR als Alternative zu traditionellen Methoden der Erfolgsrechnung
- Untersuchung der Wechselwirkung der WBR mit dem gelebten Führungsverhalten und Bestimmung der erforderlichen Rahmenbedingungen mit dem Schwerpunkt der geistig-kulturellen Dimension wirtschaftlichen Handelns
- Weiterentwicklung der WBR als sozialorganisches Steuerungsinstrument nach dem Gegenstromprinzip