Es geschieht nicht oft, dass Rudolf Steiner und sein Werk in einem akademischen Kontext einen Platz finden. Umso bemerkenswerter ist es, dass am 15./16. Dezember 2025 aus Anlass des 100. Todestages ein Kongress mit dem Titel „100 Years Rudolf Steiner Conference“ an der traditionsreichen Havard University (Cambridge, Massachusetts, United States) stattfand. Veranstalter war die Havard Divinity School und dessen Leiter Dan McKanan, der diese Tagung zusammen mit Henry Holland and Aaron French organisiert hatte. Es gab drei Keynotes und ein reiches Programm mit über 70 Beitragenden in sechzehn Panels. Es wurde das gesamte faszinierende und reiche Themenspektrum des Steiner’schen Werkes abgebildet: Medizin, Landwirtschaft, Pädagogik, Philosophie, Sozialwissenschaften, Theologie, Esoterik, Meditation, Kunst und Ästhetik und zudem werkbiographische Studien. Und auch heiklen Themen wie Steiners Umgang mit dem Begriff „Rasse“ wurden zahlreiche Beiträge gewidmet.
Zum Auftakt fanden sich die über 200 Teilnehmenden - im Zoom-Raum waren zudem mehrere hunderte Personen zugeschaltet - zusammen, um den Eröffnungsvortrag der jungen Forscher Henry Holland und Aaron French zu folgen. Sie hatten Dan McKanan für diesen Kongress gewinnen können und haben das Programm aktiv mitgestaltet. Der Zirkel der Anwesenden war aus allen Erdteilen angereist. Die einzelnen Beiträge spiegelten ein fundiertes wissenschaftliches Niveau, sie waren forschungsbasiert, selbstkritisch und reflektiert. Das ist wohl auch dem peerreview-Prozess der Veranstalter zu verdanken, die aus einer außerordentlich großen Anzahl von Einreichungen eine Auswahl treffen mussten. Die meisten Beitragenden sind akademischen Institutionen verbunden, verfolgen schon über viele Jahre Forschungsthemen und bewegen sich in akademischen Netzwerken. Der Kongress machte deutlich: Die derzeitige Anthroposophie ist nicht nur erfolgreich in zahlreichen gesellschaftlichen Lebensfeldern, sie ist nicht nur eine interne Bewegung anthroposophischer Zweige, sie kann sich auch akademisch artikulieren und den Facettenreichtum der Anthroposophie in den gegenwärtigen akademischen Strom adäquat wissenschaftsbasiert integrieren.
Von der Alanus Hochschule waren anwesend und haben beigetragen: Marcelo da Veiga zum Thema „Epistemology and Meditation“, Martyn Rawson mit „Using Anthroposophy as a Heuristic Basis for Waldorf Education“, Jost Schieren mit „Philosophical Implications of Steiner’s Waldorf Pedagogy“, Peter Selg mit „The conduct of Anthroposophical Doctors during the Nazi Era“ und Carlo Willmann mit “Religious Education in Rudolf Steiner’s Educational Thinking“.
Jost Schieren






