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Modellprojekt "Berufskolleg als Oberstufe der Waldorfschule"

Die Veränderungen der staatlichen Schule (zentrale Lernstandserhebungen, Zentralabitur, Verkürzung der Gymnasialzeit auf 8 Jahre) und die Vorverlegung der mittleren Bildungsabschlüsse an Waldorfschulen könnten dazu führen, dass künftig viele Schüler die Waldorfschule nach der 11. Klasse verlassen, da sie nicht zum gymnasialen Abiturweg in Klasse 12 und 13 zugelassen werden oder diesen nicht besuchen wollen. Für diese Schüler bietet die traditionelle gymnasial-geprägte Waldorfschul-Oberstufe keinen adäquaten Bildungsgang und -abschluss, was nicht pädagogisch begründet ist, sondern sich aus der historischen Kompromiss „Ersten Waldorfschule“ 1919/20 erklärt.  

Im Ursprungsimpuls der Waldorfschule in Klasse 1-8 steht von Anfang an das praktisch-handwerklich-künstlerische Lernen gleichwertig neben dem kognitiven Lernen. Rudolf Steiner wollte dementsprechend die Oberstufe als „praktisch-gymnasiale Einheitsschule“ entwickeln, konnte sie aber personell und schulpolitisch nicht durchsetzen. Die Waldorfschul-Oberstufe blieb pädagogischer Torso, geriet in den Bann der Gymnasialpädagogik und entwickelte sich dem Typus nach als Alternative zum Gymnasium (musisches Gymnasium). Während der kognitive Lernweg zum Abitur mit Studienberechtigung führt, bricht der praktische Lernweg ohne Qualifikationsabschluss in der Oberstufe ab. Es stellt sich erneut und dringend die Frage nach der Oberstufengestaltung der Waldorfschulen und  nach angemessenen Abschlüssen.

Das Modellvorhaben „Waldorf-Berufskolleg“ bietet die historische Möglichkeit zu einem handlungsorientierten Bildungsgang mit dem Ziel einer integrierten Studien- und Berufsqualifikation („Doppelqualifikation“) als allgemeine Fachhochschulreife mit anrechenbarer Berufsgrundbildung. Das Modellvorhaben kommt einer institutionellen „Neugründung“ gleich und leitet eine handlungsorientierte curriculare Weiterentwicklung ein, die auch in der Oberstufe zu einer „Waldorfpädagogik mit Hand und Fuß“ führen kann.

Das Waldorf-Berufskolleg kann dabei auf Erfahrungen zurückgreifen und daran anknüpfen, die in den 1980er Jahren sowohl in der wissenschaftlichen wie auch in der schul- und bildungspolitischen Diskussion breite Anerkennung fanden und die seitdem immer wieder thematisiert wurden. Gegenwärtig gibt es aufgrund der aktuellen Situation ein „Zeitfenster“ und die bildungspolitische Herausforderung, diesen Impuls wieder aufzugreifen. Das soll hiermit geschehen. Das Modellvorhaben ist innerhalb der Waldorfschulen bisher auf positive Resonanz gestoßen. 

Auch gibt es bereits einige Waldorfschulen, die das Projekt „Berufskolleg“ umgesetzt haben und andere, die daran arbeiten. Diese Waldorf-Berufskolleg-Modellvorhaben werden wissenschaftlich begleitet, weil die damit verbundenen Entwicklungsprozesse, Evaluationen und Erfahrungen für viele Waldorfschulen von großem Interesse sein dürften. Die Konzentration auf wenige Modellschulen ermöglicht eine qualitativ verdichtete und wissenschaftlich reflektierte Entwicklung und damit eine Ausstrahlung in den schulpädagogischen und politischen Raum. 

Projektleitung:

Gesamtkoordination: Prof. Dr. Peter Schneider

Wissenschaftliche Begleitung Schloss Hamborn: Prof. em. Dr. Karl-Klaus Pullig/ Prof. Dr. Peter Schneider

Wissenschaftliche Begleitung Bonn/Köln: Dr. Dietmar Müller/ Prof. Dr. Peter Schneider   

Projektlaufzeit/-status: 08/2009 - 01/2012, abgeschlossen

Projektförderung: Software AG Stiftung

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