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„Ich bin aufgewacht und habe gemerkt, dass ich kämpfen muss.“

Nemonte Nenquimo, die Hüterin des Regenwaldes, war am 7. Juni zu Gast an der Alanus Hochschule. Lesen Sie hier den Bericht von Studentin Christina Hunold.

Ich erinnere mich nicht daran, wann ich das letzte Mal so viele Besucher im Foyer habe zusammenkommen sehen. Selbst der Boden und die Balustraden waren besetzt. Und obwohl es so voll war, herrschte eine geradezu andächtige Stille, als Nemonte Nenquimo das Wort ergriffen hat und uns an ihrem Leben hat teilhaben lassen. An ihrem Leben und an dem Widerstand, den sie gemeinsam und stellvertretend für so viele Menschen vorantreibt. Denn, das machte sie sehr deutlich: so wie es gerade läuft, bedeutet der Wohlstand für viele Menschen einen Kampf um Leben und Tod. Sie erzählte vom Wert des Kollektivs gegenüber der individualistischen Eigenheit, die uns den Kontakt zur Umwelt und zueinander verlieren lässt. Von einem kapitalistischen System, das unser konsumorientiertes Bildungsverständnis durchdrungen hat und ganzen Volksgruppen ihre Würde und das Mitspracherecht über ihre eigene Lebensgrundlage geraubt hat. Mutter Erde, sagt sie, wolle nicht gerettet werden, sie wolle Respekt erfahren und sie werde sich nicht retten lassen, sondern uns alle verschlingen, wenn wir so weiter machten.

Der Moment, in dem ihre Dolmetscherin einen Moment brauchte, um ihr zu erläutern, was Nachhaltigkeit sei, damit sie auf die Frage nach der Verbindung von Nachhaltigkeit und Spiritualität eingehen konnte, war für mich der eindrücklichste. Ein vielstimmiges Raunen erhob sich aus der sonst herrschenden Stille. Ist dieses Wort bei uns doch so omnipräsent, dass wir es auf jegliche Lebensbereiche beziehen. Was aber fängt ein Mensch damit an, dessen Kultur seit jeher im Einklang mit der Umwelt existiert? Die Erkenntnis, dass die reine Existenz des Begriffes Nachhaltigkeit für den fortgeschrittenen Verlust einer existenziellen Verbindung des Menschen zu seiner Lebensgrundlage steht, war somit für mich ganz besonders.

Ihr Appell an die Anwesenden, bevor wir das Foyer wieder verließen, war, die Veränderung selbst in die Hand zu nehmen, den Kampf der indigenen Völker sichtbarer zu machen und weiter zu tragen. Denn bis heute sei vielen Menschen die Lage nicht bewusst und viele gut gemeinte Spendengelder flössen nicht an die, für die sie bestimmt seien. Es brauche konkrete Umsetzung, statt schöner Worte.

Die Veranstaltung mit Nemonte Nenquimo an der Alanus Hochschule konnte dank der Initiative unserer Professorin Andrea Sunder-Plassmann in Zusammenarbeit mit Amazon Frontlines, Flourishing Diversity und One Resilient Earth realisiert werden.

„Ich bin aufgewacht und habe gemerkt, dass ich kämpfen muss.“