Alfter, 23.08.2017

„Waldorforientiert und alltagstauglich“

Alanus Hochschule begleitet Entwicklung eines waldorfspezifischen Verfahrens zur Dokumentation kindlicher Bildung

Die Arbeit von Erziehern in Kindergärten und Kindertagesstätten ist facettenreich. Neben der unmittelbaren Begleitung der Kinder gehört auch die sogenannte Bildungsdokumentation zu den zentralen Aufgaben der Pädagogen. Wie alle Einrichtungen für Kinder von null bis sieben Jahren sind auch die Waldorfkindergärten in Deutschland zu dieser Dokumentation der kindlichen Entwicklung gesetzlich verpflichtet. Die Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn hat im Auftrag der Waldorfkindergartenvereinigung NRW die Entwicklung und Erprobung eines einheitlichen Verfahrens wissenschaftlich begleitet. Das gemeinsame Ergebnis: Ein Verfahren, das besonderen Wert auf einen ganzheitlichen Blick auf das Kind legt und sich an den Grundsätzen der Waldorfpädagogik orientiert. Es kann ab sofort von jedem Waldorfkindergarten bundesweit genutzt werden. 

Ganzheitliche Wahrnehmung der Kinder

„Den Erziehern in Nordrhein-Westfalen steht frei, wie sie die Entwicklung der Kinder dokumentieren. Nur die Sprachentwicklung muss mit einem von drei Verfahren dokumentiert werden, die der Gesetzgeber vorgibt und steht damit stark im Fokus“, beschreibt Stefanie Greubel, Juniorprofessorin für Kindheitspädagogik an der  Alanus Hochschule und Projektleiterin, den Status quo. Das Projektteam befragte in einem ersten Schritt nordrhein-westfälische Waldorfkindergärten zu ihrer Dokumentationspraxis und den damit zusammenhängenden Anliegen. „Wir haben festgestellt, dass die Vorgehensweise bei der Dokumentation sehr unterschiedlich ist. Zudem empfinden viele Erzieher die verpflichtende Fokussierung auf Sprachentwicklung als widersprüchlich zu einer ganzheitlichen Wahrnehmung der Kinder“, fasst die Professorin zusammen. Ein Großteil der Befragten äußerte den Wunsch nach einer einheitlichen, strukturierten Vorgehensweise.

Die Erziehungswissenschaftlerin Margarete Kaiser entwickelte für die Waldorfkindergartenvereinigung NRW auf der Grundlage der Forschungsergebnisse ein Verfahren, das sowohl die gesetzlichen Vorgaben berücksichtigt, als auch waldorfpädagogischen Anliegen gerecht wird. Die Methode unterstützt eine individuelle Wahrnehmung des Kindes und integriert waldorfpädagogische Ansätze zur Beobachtung. Dabei greift das Konzept die Perspektiven von Erziehern, Kind und Eltern auf, die gleichermaßen in die Dokumentation einfließen. „Aus dem Prinzip des Zusammenwirkens dieser drei Blickwinkel ergibt sich der Name des Verfahrens: TRIALOG“, erläutert Greubel.

Erzieher und  Eltern befragt

In einer fünfmonatigen Pilotphase erprobten elf Waldorfkindergärten das Verfahren in der Bildungsdokumentation von 60 Kindern. Das Projektteam der Alanus Hochschule begleitete diese Phase mit Interviews, Befragungen und Workshops für Kindergartenleiter, Erzieher und Eltern. Die daraus abgeleiteten Bewertungen und Empfehlungen lieferten die Basis für eine abschließende Überarbeitung des Verfahrens durch Margarete Kaiser. Inzwischen können alle Waldorfkindergärten bundesweit die Beobachtungsbögen von TRIALOG nutzen, die über die Waldorfkindergartenvereinigung NRW zu beziehen sind.

„Das Ergebnis ist ein waldorforientiertes, alltagstaugliches Instrument“, resümiert Stefanie Greubel.  „Ganz im Sinne einer ganzheitlichen, aber auch handhabbaren Entwicklungsbegleitung unserer Kinder.“

Greubel, Stefanie und Jachmann, Cornelia (2017): Beobachtung und Dokumentation in Waldorfkindergärten Nordrhein-Westfalens. Wissenschaftliche Begleitung der Konstruktion und Erprobung eines alltagintegrierten Beobachtungs- und Dokumentationsverfahrens (TRIALOG)

Der Abschlussbericht zum Download (pdf | 2,2 MB)

 
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