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Medienerziehung an reformpädagogischen Bildungseinrichtungen

Status Quo, Herausforderungen und Lösungsansätze

Beteiligte Personen: Sebastian Kurten M.A.Saskia Wedel M.A., Valentina Nartschenko B.A.

Im Forschungsprojekt gibt es drei Doktoranden. Davon eine Mitarbeiterstelle mit dem Schwerpunkt quantitative Methoden. Zwei weitere Stelle mit dem Schwerpunkt qualitative Methoden, davon eine im Bereich Montessori-Pädagogik und eine weitere im Bereich Waldorfpädagogik.

Zur Zeit wird eine studentische Hilfskraft (m/w) gesucht: Stellenausschreibung. Bei Interesse bewerben Sie sich gerne unter: medienmuendigkeitspaedagogik@alanus.edu

Eine eigene Projekthomepage ist im Aufbau und wird voraussichtlich zum Projektstart im Herbst 2018 freigeschaltet.

Erziehung bedeutet auch und gerade im sogenannten "digitalen Zeitalter", Kinder auf ihrem Weg  zum gemeinschaftsfähigen, selbstständig denkenden Erwachsenen zu begleiten. Diese erwachsene Person soll dann erstens selbst einschätzen können, welchen Anteil der Lebenszeit sie überhaupt vor einem Bildschirm verbringen und damit anderen Tätigkeiten entziehen möchte. Und zweitens soll sie für den Zeitanteil, der dann mit dem Bildschirm verbracht wird, Fähigkeiten zur aktiven, kreativen, dosierten, kritisch-reflektierten und technisch versierten Nutzung sowie Fähigkeiten zur Vermeidung von Nutzungsrisiken erworben haben. Für dieses breite und anspruchsvolle Fähigkeitsspektrum verwenden wir im Projekt den Begriff Medienmündigkeit. Denn neben den großen Chancen und Potenzialen, die eine zunehmende Digitalisierung für einige Bereiche der Lebens-, Arbeits- und Lernwelt birgt,  mehren sich auch Forschungsbefunde über Risiken und Gefahren. Stichworte sind: Schlafstörungen, Kurzsichtigkeit, Empathieverlust, Konzentrationsstörungen, Cybermobbing, Computerspielsucht, FOMO, Big Data, Social Engineering etc... Während über Medienmündigkeit als Zielperspektive ein sehr weitgehender Konsens besteht, mithin kaum bestritten wird, dass Medienkompetenzförderung und Medien(sucht)prävention (allgemeiner: Vorbeugung gegen die Folgen problematischer Bildschirmmediennutzung) als Ziele Hand in Hand gehen sollten, herrscht viel Uneinigkeit in Forschung, Politik und Praxis über erfolgversprechende Wege zu diesem gemeinsamen Ziel. 

Während in der staatlichen Bildungspolitik in Deutschland derzeit eine Art „Early High Tech Hype“ herrscht, im Zuge dessen der Einsatz von und die Ausstattung der Bildungseinrichtungen mit digitalen Geräten bis hinunter in den Kindergarten forciert wird, grenzt sich die pädagogische Praxis, grenzen sich Fachkräfte und Eltern an vielen Bildungseinrichtungen zunehmend davon ab und suchen nach anderen Wegen für eine nachhaltige Medienerziehung. In sehr vereinfachter Form lässt sich diese Abgrenzung positiv wie folgt charakterisieren:  Medienpädagogische Konzepte müssten sich an den Entwicklungsbedürfnissen von Kindern orientieren, und nicht, wie für den „Early High Tech Hype“ vermutet, an den Vermarktungsinteressen großer Medienkonzerne. An der Erziehung zum Menschen, der die Medien beherrscht – und nicht umgekehrt. In besonderer Weise gebündelt und in besonderer Weise auf zugrundeliegende pädagogische Konzepte bezogen tritt diese Abgrenzung in reformpädagogischen Bildungseinrichtungen auf.

Weder die medienerzieherischen Qualifikationen, Erfahrungen, Einstellungen und subjektiven Fortbildungsbedarfe von reformpädagogischen Fachkräften, noch die medienpädagogische Praxis in reformpädagogischen Bildungseinrichtungen, noch deren Bewertung in den Augen von Eltern und Schülern, noch die übergeordnete Ebene der medienpädagogischen Aus- und Weiterbildung reformpädagogischer Fachkräfte wurden jedoch bisher für Deutschland systematisch wissenschaftlich untersucht. Hier setzt das Forschungsprojekt an.

 

 

Hauptförderer des Forschungsprojekts ist die Software AG Stiftung. Der Bund der Freien Waldorfschulen e. V., die Vereinigung der Waldorfkindergärten e.V., der Montessori Dachverband Deutschland e.V. (DMM), die deutsche Montessori Vereinigung (DMV) und sowie die deutsche  Montessori-Gesellschaft  (DMG) sind am Projekt beteiligt und werden die geplante Onlinebefragung über ihre Verteiler verbreiten. Ein Treffen mit dem Bundesverband der Freien Alternativschulen e.V. ist ebenfalls angestrebt, um eine mögliche Beteiligung zu besprechen. Beiträge zur Projektfinanzierung wurden bisher durch den Montessori-Dachverband, die Pädagogische Forschungsstelle im Bund der Freien Waldorfschulen, durch die Waldorf-Stiftung und die Vereinigung der Waldorfkindergärten bewilligt. Über weitere Förderanträge wird im Laufe des Jahres 2018 entschieden.

Am Beginn des Projekts steht eine deutschlandweite Befragung reformpädagogisch arbeitender Bildungseinrichtungen von der Krippe bis zur Oberstufe, die sowohl pädagogische Fachkräfte, Eltern wie auch ältere Schüler umfasst. Das übergreifende quantitative Projektmodul hat zwei Ziele: Es dient einerseits der Charakterisierung bisher nicht empirisch untersuchter Phänomene und der Untersuchung von Zusammenhängen und Einflussfaktoren innerhalb der erhobenen Daten, mit Herstellung eines Bezugs zum aktuellen Forschungsstand und zum fachwissenschaftlichen Diskurs. Andererseits werden durch die Onlinebefragung auch Beiträge zu den weiteren Modulen geleistet, indem subjektive Weiterbildungsbedarfe erfasst werden, was dem Modul Aus- und Weiterbildung zugute kommt sowie Bildungseinrichtungen bzw. Einzelpersonen identifiziert werden, die im  Modul "Good Practice"  angesprochen werden können.

Viele Kollegien an Montessori-, Waldorf- und anderen reformpädagogisch orientierten Bildungseinrichtungen arbeiten an Medienkonzepten oder haben bereits solche entwickelt. Andere Einrichtungen steigen in diesen Prozess erst ein. In den Themenfindungsworkshops im Vorfeld des Projektstarts mit Vertretern der Montessori- und Waldorfbewegungen wurde mehrfach geäußert, dass zu wenig Transfer zwischen den einzelnen Einrichtungen stattfinde, an denen bereits - und sei es nur in einzelnen Bereichen - eine "gute Praxis" verwirklicht werde, und der Vielzahl von Einrichtungen, an denen diese Praxis erst im Entstehen sei. Als "gute Praxis" wurde von den Vertretern ein Mittelweg verstanden, der sich verortet zwischen dem unreflektierten Übernehmen der überzogenen Versprechungen von Herstellern digitaler Lernumgebungen, in dem Bestreben, besonders modern und  - eben – reformerisch zu wirken einerseits und dem Verharren in der auf Montessori, Steiner oder andere Reformpädagogen zurückgehenden vergangenen Erziehungspraxis, in der die zunehmende Digitalisierung der Lebens- und Berufswelt noch keine Rolle spielen konnte, so dass diese schlicht ausgeblendet und/oder abgelehnt werde andererseits. Ein Bezug zu den Grundgedanken der jeweiligen reformpädagogischen Richtungen wurde dabei als hilfreich für das Beschreiten dieses Mittelwegs angesehen. Innerhalb des "Good Practice"- Moduls werden bereits aktuell und auch in Zukunft Masterarbeiten und andere Qualifikationsarbeiten eingebettet, die der Beschreibung, konzeptionellen Weiterentwicklung, formativen Evaluation und detaillierten Dokumentation von in diesem Sinne überzeugenden Praxisideen dienen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Altersgruppe von Geburt bis ca. 12 Jahren. Besondere Berücksichtigung finden Praxisideen in zwei Richtungen: Erstens solche, in denen die aktive Medienarbeit und das Verständnis für die Grundlagen der Informationstechnologien im Vordergrund stehen  - "Unboxing Technology". Beispiele sind das Auseinandernehmen einer Spieluhr, um die kleinen Rädchen anfassen, ansehen und betätigen zu können (s. Foto), wie auch das aus der Informatik-Didaktik stammende "cs unplugged" (Förderung von computational thinking ohne Einsatz digitaler Medien) oder auch ein analoges Zettelkasten-Projekt zum Thema "soziale Netzwerke" oder schließlich ein Stop-Motion-Filmprojekt in Verbindung mit plastischem Gestalten im Kunstunterricht u.v.m.. Zweitens werden Ansätze der ressourcenorientierten Prävention von Digitalrisiken bevorzugt bearbeitet, die direkt in der Arbeit im Setting Kindergarten/Schule oder auch indirekt im Bereich der medienpädagogischen Elternarbeit Anwendung finden. In allen Bereichen des Moduls wird selbstverständlich auch auf Projektideen aus staatlichen Bildungseinrichtungen zurückgegriffen, die jedoch sowohl bzgl. der Entwicklungsphase, in der sie zum Einsatz kommen, wie auch in der Art der Durchführung auf die speziellen reformpädagogischen Settings angepasst werden.

Neben den Ergebnissen der zentralen Onlinebefragung sollen in diesem Modul auch die Verantwortlichen in den Aus- und Weiterbildungsstätten für reformpädagogische Fachkräfte befragt sowie – insoweit diese schriftlich ausformuliert sind und zugänglich gemacht werden – die Modulpläne der Angebote ausgewertet und pädagogische Fachkräfte in qualitativen Interviews zu ihren Fortbildungsdesiderata befragt werden. Um von vornherein eine enge Anbindung an die Praxis im Sinne einer transdisziplinären Forschung zu gewährleisten, startet bereits in 2018 eine erste Pilotversion der Weiterbildung "Medienmündigkeitspädagogik",  die in 2020 in erweiterter Form wiederholt und bis zum Ende der Projektlaufzeit zu einem Zertifikatskurs oder Masterstudiumsschwerpunkt ausgebaut werden soll. Als Teilnehmende können sich zunächst tätige Erzieherinnen oder Lehrer sowie Dozenten an Ausbildungsstätten bewerben, die einen Hintergrund in Waldorf-, Montessori- oder anderen reformpädagogischen Richtungen und ein besonderes Interesse an medienpädagogischen Tätigkeitsfeldern haben. 3. -7. 10. 2018, 21.-24. 2. 2019, Freudenstadt. Die Ergebnisse des "Good Practice" Moduls sollen in den fertig ausgebauten Kurs "Medienmündigkeitspädagogik" ebenso einfließen wie der aktuelle Forschungsstand zur medienpädagogischen Professionalisierung von Fachkräften und die Ergebnisse der quantitativen und qualitativen Befragungen.

Klaus Amann

Bundesverband der Freien Alternativschulen

Christian Boettger

Pädagogische Forschungsstelle im Bund der Freien Waldorfschulen 

Jörg Boysen

Vorstand Montessori Dachverband (MDD) 

Dr. habil Sigrid Hartong

Universität der Bundeswehr Hamburg, Sektion Medienpädagogik DGfE 

Prof. Dr. Thomas Mößle

Hochschule der Polizei Villingen-Schwenningen; Vorstand MEDIA PROTECT e.V.  

Prof. Dr. Tanja Pütz

Fachhochschule Kiel, Deutsche Montessori Vereinigung (DMV) assoziiert

Prof. Dr. Dirk Randoll

Software AG Stiftung 

Dr. Roehm

Universität Hamburg

Robin Schmidt

Pädagogische Hochschule FHNW Basel, Forschungsstelle Kulturimpuls  

Prof. Dr. Andre Zimpel

Universität Hamburg

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