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„Wir haben gezeigt, was wir können“

Das Kunststück ist gelungen: Vor zehn Jahren startete die Alanus Hochschule den ersten BWL-Bachelorstudiengang an einer Kunsthochschule. Seit Herbst 2006 bildet der Fachbereich Wirtschaft die Manager von morgen aus.

Uwe Urbschat, Head Corporate Culture & Identity bei Weleda, gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er über die Studenten des ersten BWL-Studienjahrgangs erzählt: „Wir waren begeistert von ihrem Engagement und ihrer Motivation. Die große Überschrift ‚Wirtschaft neu denken‘ – die ist in der Beziehung tatsächlich berechtigt. Junge Menschen, die das Gegebene infrage stellen, die werteorientiert sind, die eine Mission in sich tragen. Das ist das, was wir brauchen.“

Unkonventionell vorgehen, den Ideen freien Lauf lassen und um die Ecke denken: In klassischen BWL-Studiengängen lernen das die wenigsten. Immer mehr Unternehmen suchen jedoch Führungskräfte, die beweglich im Denken sind und innovative Wege gehen. Die Alanus Hochschule setzt deswegen auf Kunst, um Wirtschaft neu zu denken. „Uns ist wichtig, dass die Studenten neben dem betriebswirtschaftlichen Fachwissen lernen, wirtschaftliche Fragestellungen aus unterschiedlichen Perspektiven – zum Beispiel der Nachhaltigkeitsperspektive – zu betrachten. Sie werden angeregt, innovative Ideen für ein zukunftsfähiges und ökologisches Wirtschaftsleben zu entwickeln“, sagt Dirk Battenfeld, Leiter des Fachbereichs Wirtschaft. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen möchte er den Studenten Mut zu kreativem Handeln machen. Sie sollen durch Kunst und Kultur ihre Wahrnehmung schärfen.

„Wirtschaft ist keine Naturwissenschaft, sondern eine Gesellschaftswissenschaft. Und damit ist sie auch gestaltbar. Ich möchte die Gestaltbarkeit von wirtschaftlichen Prozessen vermitteln und die Studenten zum eigenständigen Denken anregen“, ergänzt Juniorprofessorin Eva-Maria Walker, die vor allem Kommunikation und Unternehmenskultur im Handel lehrt. Das Curriculum blickt daher weit über den Tellerrand hinaus. Die Wirtschaftsstudenten belegen Seminare in Ethik und Kunstwissenschaft, bekommen Schauspielunterricht, malen und bildhauern. Ein deutschlandweit einzigartiges Konzept.

In der Kreativität sieht Götz W. Werner eine wichtige Tugend im unternehmerischen Alltag. „Kunst ist ein wunderbares Mittel, um das Denken, Wollen und Fühlen der Menschen zu fördern“, sagt der Gründer von dm-drogerie markt. Wirtschaft und Kunst: An der Alanus passt das zusammen. Der BWL-Studiengang ist längst etabliert – und ausgezeichnet: Viermal hat der Rat für Nachhaltige Entwicklung das Studium schon mit dem Qualitätssiegel „Werkstatt N“ prämiert. „Ein Meilenstein und der Durchbruch in eine neue Ära“, so beschreibt Rektor Marcelo da Veiga die Einführung des ersten wissenschaftlichen Studiengangs an der Alanus Hochschule im Herbst 2006. „Dass wir als Kunsthochschule einen Wirtschaftsstudiengang anbieten, war innovativ für die Hochschule, aber auch bildungspolitisch innovativ“, erzählt der Philosophie-Professor. Gemeinsam mit Götz E. Rehn, Gründer und Geschäftsführer der Biomarktkette Alnatura, entwickelte da Veiga damals das Studienkonzept.

Ziel und Anspruch wurden klar formuliert: „Die Studenten sollen sensibilisiert werden. Sie sollen erkennen, dass die Wirtschaft für den Menschen da ist und nicht der Mensch für die Wirtschaft“,
erklärt Honorarprofessor Rehn, der das Institut für Sozialorganik an der Alanus Hochschule leitet. Man lehre aber nicht Antikapitalismus, betont da Veiga. „Ein Unternehmen, das ständig Defizite macht, ist nicht nachhaltig. Wogegen wir uns wenden, das ist der Geist von Gewinnmaximierung und Profit als Selbstzweck.“ Vor allem dm-drogeriemarkt, Alnatura und der Naturkosmetik-Hersteller Weleda haben damals die Entwicklung des Bachelor-Studiengangs vorangetrieben. Später kamen andere mittelständische Unternehmen hinzu. Heute kooperiert die Alanus Hochschule mit rund 30 Praxispartnern, die eine sozial und ökologisch orientierte Unternehmensführung betreiben.

Dort sammeln die Studenten bis zu ihrem Abschluss 60 Wochen Berufserfahrung – vom Regaleinräumen bis zur Führungsetage. „Daher erleiden sie auch keinen Praxisschock, wenn sie ihre erste Position in einem Unternehmen anstreben“, sagt Fachbereichsleiter Battenfeld. Die Partnerunternehmen schätzen die vielfältigen Kompetenzen der Alanus-Studenten. Joachim Schledt, Leiter Mitarbeiterservice und -entwicklung bei Alnatura, lobt sie in den höchsten Tönen und wünscht sich, dass künftig „in der deutschen, in der europäischen und vielleicht sogar in der Weltwirtschaft Unternehmen und Organisationen von Menschen geleitet werden, die an der Alanus Hochschule studiert haben“.

Für Marisa Lehr war es die beste Entscheidung, an der Alanus zu studieren. Sie gehörte zum Pionier-Jahrgang 2006 und arbeitet als Referentin für Mitarbeitergewinnung, -ausbildung und
-entwicklung bei Alnatura. Lehr blickt gerne auf ihre Studienzeit zurück: „Es war ein neuer, innovativer Studiengang. Die Kombination aus Kunst, Wirtschaft und Studium Generale war sehr besonders und anders. Es wurde damals viel improvisiert, und wir konnten vieles mitgestalten. Als Jahrgang sind wir dadurch stark zusammengewachsen.“

Auch BWL-Professor Battenfeld erinnert sich noch gut an die Pionierzeit vor zehn Jahren. Als Kunsthochschule habe man unter besonderer Beobachtung gestanden: „Wir waren zunächst noch etwas konservativer, hatten eine etwas stärkere Anlehnung an die Studiengänge, die man auch an staatlichen Universitäten findet.“ Das aber ist Vergangenheit. Der Fachbereich Wirtschaft hat sich weiterentwickelt und im vergangenen Jahrzehnt rund 400 Studenten begleitet. Heute präsentiert er sich selbstbewusst, visionär und ist stolz auf seine Angebote: „Wir haben gezeigt, was wir können. Wir haben unsere Kräfte um das Thema Nachhaltigkeit konzentriert, aber gleichzeitig die Breite der Betriebswirtschaftslehre in den BWL-Studiengängen erhalten“, so Battenfeld. Rektor Marcelo da Veiga blickt daher auf eine zehnjährige Erfolgsgeschichte mit stabilen Partnerschaften zurück.

Schwierigkeiten? Gab es natürlich auch, gibt da Veiga unumwunden zu. Nicht jeder sei damals begeistert über den neuen Studiengang gewesen. „Aber die Kollegen, die im Fachbereich Verantwortung getragen haben, haben sich als gestaltungsfähig und gestaltungswillig erwiesen.
Dass sich der Studiengang so gut entwickelt hat, hängt auch und vor allem mit dem Engagement der Beteiligten im Fachbereich zusammen“, sagt da Veiga. Wünsche für die Zukunft hat der Rektor zum zehnjährigen Geburtstag des BWL-Studiums natürlich auch: „Ich hoffe, dass der Fachbereich und Studiengang offen und alert bleibt für die Vorgänge in der Gesellschaft. Denn man muss in jeder Generation die Frage nach dem Menschsein neu stellen, weil sich die Rahmenbedingungen und die Menschen ändern.“

 

 

„Wir haben gezeigt, was wir können“
© Britta Schuessling
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