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Wider die Herrschaft der Zahlen

Wenn man sich mit Martin Booms über Bildung unterhält, sprudeln die Sätze nur so aus ihm heraus. Der promovierte Philosoph erzählt begeistert und begeisternd. Booms versteht sich als Aufklärer: Er möchte neue Wege gehen, vorhandene Denkmuster in der Gesellschaft aufbrechen. Und Bildung ganzheitlich denken.

„Natürlich ist es sinnvoll, junge Menschen in Schulen und Hochschulen für den Beruf zu qualifizieren. Nichts spricht dagegen. Es spricht aber vieles dagegen, die Bildung auf Employability zu verkürzen“, sagt Booms. Für ein neues, ganzheitliches Bildungsverständnis müsse man aber kämpfen: „Weil das derzeit nicht der Mainstream ist.“ Er sucht deshalb nach Menschen, die Bildung so verstehen (wollen) wie er. Daher sei ergerne Mitglied im Beirat des Instituts für philosophische und ästhetische Bildung der Alanus Hochschule geworden.

„Ich sehe große Überschneidungen in dem Verständnis, welche bedeutende Rolle Wertefragen, philosophische und ideelle Fragen für Gesellschaft und Wirtschaft spielen. Ich möchte gerne diese Denkart, die am Institut befördert wird, unterstützen“, sagt Booms. Es sei wichtig, dass sich diejenigen, die ein neues Bildungsverständnis haben, finden und vernetzen.

Andere Maßstäbe und Werte setzen, ganzheitlich denken: Booms ist vom Konzept des Bachelorstudiengangs „Philosophy, Arts and Social Entrepreneurship“, den die Alanus Hochschule seit Herbst 2015 anbietet, überzeugt: „Das ist ein Ansatz, der in die Zukunft führt. Ein freiheitlicher Ansatz, der auf lebensunternehmerisches Handeln hinausläuft und Menschen befähigt, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen.“

Hauptberuflich leitet Booms die Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur (ask) in Bonn, die er 2007 gründete. Außerdem lehrt er Philosophie und Wirtschafts- sowie Unternehmensethik an den Universitäten Bonn und St. Gallen sowie der Steinbeis University Berlin. Im Beirat des Instituts für philosophische und ästhetische Bildung engagiert er sich ehrenamtlich. Das Institut profitiert neben der fachlichen Expertise auch von den ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven der Beiratsmitglieder: Diese kommen aus dem akademischen Bereich und der unternehmerischen Praxis.

„Ich sehe uns als Berater und Ansprechpartner sowohl für die Studenten als auch für die Verantwortlichen. Insofern verstehe ich den Beirat als ein Gremium von Ratgebern, die mitgestalten können“, sagt Booms. Die Arbeit im Beirat sieht er dabei keineswegs als Einbahnstraße: „Es geht um einen wechselseitigen Prozess und Austausch.“ Er selbst möchte den Studenten ganz konkrete Erfahrungen mit auf ihren Weg geben – und jüngeren Menschen vor allem gerne die Angst nehmen. „Die Angst davor, ein freies und selbstbestimmtes Leben zu wählen – auch wenn das nicht in vorgefasste Schablonen passt.“ Dafür müsse man jedoch auch den Leistungsdruck, der auf den jungen Menschen laste, infrage stellen.

Booms moniert, dass heutzutage nur das zahlenmäßig erfassbare Bedeutung hat. „Viele Unternehmen werden nach diesem Bewusstsein geführt, das Sinnvolle und das nicht Sinnvolle ausschließlich an Zahlen festzumachen. Wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen, die nicht quantifizierbaren Aspekte neu in Wert zu setzen.“ Denn gerade Bildungserfolg könne man nicht unmittelbar in Zahlen messen.

„Sie können eben nicht sagen, jemand ist zu 87 oder zu 64 Prozent gebildet. Bildung heißt ja, Menschen zu befähigen, in sich selber zu stehen und von dieser im Wortsinn selbstbewussten Position heraus, kritische, auch selbstkritische Urteile bilden zu können. Ohne sich dabei vom Mainstream treiben zu lassen.“

Wider die Herrschaft der Zahlen
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