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Über die Bedeutung von Freundschaft für die kindliche Entwicklung

Der 30. Juli ist der internationale Tag der Freundschaft! Aus diesem Anlass haben wir mit Michael Brockmann, Lehrkraft für besondere Aufgaben am Institut für Kindheitspädagogik, über die Bedeutung von Freundschaft für die kindliche Entwicklung gesprochen. Im Interview berichtet er, wie sich auch die Studierenden der Kindheitspädagogik in seinem Seminar „Freundschaftsbeziehungen in der Kindheit“ sowohl autobiografisch als auch künstlerisch intensiv mit dem Thema Freundschaft auseinandersetzen.

Warum ist das Thema der Freundschaft für die kindliche Entwicklung besonders bedeutsam?

Freundschaftsbeziehungen zwischen Kindern und ihre individuellen Verläufe beinhalten viele positive Aspekte, die eine stärkende Entwicklung der Kinder begünstigen. In Freundschaften erfahren Kinder z.B. wie es sich anfühlt, sich gegenseitig zu stärken, sich in schwierigen Situationen beizustehen und Halt zu geben, Gefühle zu teilen, Verständnis und Mitgefühl füreinander aufzubringen, Geheimnisse bewahren zu können und gemeinsam die Welt zu erfahren und zu entdecken. Freundschaften fördern das seelische Gleichgewicht, geben Halt in der sozialen Gemeinschaft und verleihen der eigenen Persönlichkeit Stabilität.

Freundschaft, das ist eine Seele in zwei Körpern. (Aristoteles)

Freundschaften können aber auch die Möglichkeit eröffnen, zu lernen, mit Widerständen und Streitigkeiten umzugehen, Enttäuschungen, Verletzungen oder sogar Freundschaftsbrüche auszuhalten. Im sozialen Miteinander können so im Idealfall Lösungsstrategien für Konflikte entwickelt und die Sozialkompetenzen erweitert werden. Insbesondere diese Fähigkeiten benötigen die Kinder für das spätere soziale Leben.

 

Warum ist das Thema Freundschaft ein wichtiger Bestandteil des Bachelorstudiums der Kindheitspädagogik?

In allen Feldern, in denen Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen tätig sind, ob im Kindergarten, in der Offenen Ganztagsschule oder in der Kinder- und Jugendhilfe stehen Freundschaftsbeziehungen zwischen Kindern im Mittelpunk des Lebens.

Zudem sind Kindheitspädagoginnen und Kindheitspädagogen mit ihrer eigenen biografischen Geschichte Vorbilder für Kinder, insbesondere auch, was die Gestaltung von zwischenmenschlichen (sozialen) Beziehungen angeht. Daher ist es wichtig, das Thema Freundschaft nicht nur auf der fachwissenschaftlichen Ebene, sondern auch auf der autobiografischen Ebene zum Gegenstand des seminaristischen Arbeitens an der Hochschule zu machen.

Am Institut für Kindheitspädagogik ist das Seminar „Freundschaftsbeziehungen in der Kindheit“ Teil des Professionalisierungs- und Biografieprojektes „Die Welt mit Kinderaugen betrachtet“. Das Seminar ermöglicht, den Studierenden einen Zugang zum Thema Freundschaft mit der Unterstützung von künstlerischen Mitteln zu finden. Das auf fachwissenschaftlicher Ebene erworbene Wissen und die über den autobiografischen Zugang erlangten Erfahrungen werden genutzt, um einen pädagogischen Transfer zur eigenen Lebenspraxis sicherzustellen.

 

Warum sind gerade ein autobiografischer Blick sowie eine künstlerische Herangehensweise an das Thema Freundschaft in Ihrem Seminar von Bedeutung?

Durch den Rückblick auf die eigene Kindheit und Jugend entsteht ein Bewusstsein für die Bedeutung von Freundschaften und deren Einfluss auf das Leben. Freundschaftliche Beziehungen in der Kindheit können sogar Auswirkungen auf die Lebensprozesse des Menschen im Jugendlichen- und Erwachsenenalter haben; so zum Beispiel auf die partnerschaftliche Entwicklung, die persönliche Stellung in der Gesellschaft und auf berufliche Entscheidungsprozesse.

Die Studierenden erleben es als besonders bereichernd, dass persönliche Aspekte auch einen Anteil im Seminar haben und ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass die eigene Entwicklung einen Einfluss auf die Kinder hat, die von den Studierenden in den Einrichtungen der Kindheitspädagogik betreut und begleitet werden. Ein verantwortungsvoller Umgang mit der eigenen Biografie, hier bezogen auf das Thema Freundschaft, setzt die Bereitschaft zur Selbstreflexion voraus. Zugänge zur Selbstreflexion und zu einem gemeinsamen Austausch, werden den Studierenden im Seminar durch die Möglichkeit des künstlerischen Ausdrucks gegeben. Das Malen z.B. mit Pastellkreide, das Verfassen von Texten (kreatives Schreiben) und die Gestaltung und Umsetzung szenischer Darstellungen erweisen sich als Türöffner für neue Lernfelder sowohl auf biografischer als auch auf fachwissenschaftlicher Ebene. Die kreativ-künstlerische Herangehensweise gibt den Studierenden darüber hinaus Halt und Sicherheit für Ihre Lernprozesse. In Interviews, die sich an die Seminare anschließen, berichten die Studierenden davon, dass die Kombination aus einem künstlerischen Zugang, den fachwissenschaftlichen Inhalten und dem biografischen Rückblick auf das eigene Leben (als Kind bzw. als Jugendliche, Jugendlicher) einen sehr positiven und nachhaltigen Effekt auf ihre Arbeit mit den Kindern in der Praxis haben. Darüber hinaus konnten sie ihre eigene Kindheit und Jugend für sich neu und wertschätzend entdecken.

Als Beispiel ist der Beitrag von Kindheitspädagogik-Studentin Sina Westermann zu nennen, welche im Seminar eine besondere Freundschaftsbeziehung aus der Schule reflektierte und diese künstlerisch mit einem Leuchtturm assoziierte:

"Als ich dich kennenlernte, lernte ich gleichzeitig mich selber kennen. Du hast mir gezeigt, wie wertvoll es sein kann, einen Freund an seiner Seite zu haben, der einen vom Kopf bis zu den Zehenspitzen liebt. Wenn du an meiner Seite warst, konnte mir niemand etwas. Ich war doppelt so stark und doppelt so mutig. Die Sicherheit, die du mir gegeben hast, ließ mich so selbstbewusst werden... Durch dich fühlte ich mich innerhalb kürzester Zeit angekommen. Sowohl in der neuen Klasse, als auch im Leben selbst."

 

Hinweis:

Am 04.08.2020findet im Anschluss an den Studieninfoabend des Instituts für Kindheitspädagogik eine Lesung mit dem Titel „Aus der Perspektive des Kindes“ mit Michael Brockmann und Studentinnen der Kindheitspädagogik statt.
Im Rahmen der Lesung präsentieren Studierende der Kindheitspädagogik den Zuhörerinnen und Zuhörern Texte und Fotografien, die aus der Sicht des Kindes verfassten wurden. Die Arbeiten entstanden im Seminar „Aus der Perspektive des Kindes“ welches dem Professionalisierungs- und Biografieprojekt „Die Welt mit Kinderaugen betrachtet“ zuzuordnen ist. Die Bilder und Texte der Studierenden werden in einem Live-Stream zugänglich gemacht und erlauben reaktive und berührende Einblicke in die Welt des Kindes.
Interessieren Sie sich für das Studium der Kindheitspädagogik? Melden Sie sich jetzt an für den Infoabend und die Lesung unter kindheitspaedagogik@alanus.edu!

Über die Bedeutung von Freundschaft für die kindliche Entwicklung