Studienbereiche
Architektur
Bildende Kunst
Bildungswissenschaft
Eurythmie
Künstlerische Therapien und Therapiewissenschaft
Philosophie
Schauspiel
Wirtschaft

Mit der Form in Bewegung kommen

Die Kunsttherapie wird seit einigen Jahren auch in der Flüchtlingshilfe erfolgreich eingesetzt.

Denn das Arbeiten mit Bildern und anderen künstlerischen Mitteln ist immer dann besonders wertvoll, wenn eine nonverbale Kommunikation durch Bilder angeregt werden soll. Vom Modellieren mit Ton über das Arbeiten mit Farben bis hin zum Einsatz neuer Medien ist das Methodenrepertoire beinahe unerschöpflich.

"Eine dieser Methoden ist das Formenzeichnen. Es stellt einen geordnetenRaumbezug zu den horizontalen undvertikalen Koordinaten her, die es einem Menschen ermöglichen, ein Oben, Unten, Rechts und Links zu erleben. Der Menschin seiner Vertikalen braucht für seine Orientierung diese Bezugspunkte, um sicher in der Welt zu stehen", sagt Dagmar Wohler, Professorin für Kunsttherapie. Sie initiierte im Sommer 2016 ein künstlerisch-kunsttherapeutisches Projekt für geflüchtete Frauen und deren Kinder im Vorschulalter. "Es ist anzunehmen, dass die meisten der in Deutschland ankommenden Flüchtlinge starken Belastungen ausgesetzt sind. Wir wollten ein Angebot unterbreiten, das durch ein ressourcenorientiertes, künstlerisches Vorgehen zur Stabilisierung und Entlastung beiträgt." Die Projektphase führten zwei Studentinnen und eine Absolventin der Hochschulemit etwa zehn Frauen aus Afghanistan, Syrien, Somalia und Nigeria durch. "Wir haben im November 2016 das erste Mal mit den Frauen in einem Kreativ-Raum im katholischen Pfarrzentrum in Bornheim gearbeitet und es herrschte gleich eine sehr offene Atmosphäre. Gleichzeitig waren die Frauen aber auch verunsichert, was sie erwartet", berichtet Virginia Reiner, die das Projekt im Rahmen ihres Kunsttherapie-Studiums mitgestaltete. Die Maßnahme wurde zusammenmit der Caritas Rhein-Sieg realisiert und vom Förderverein der Alanus Hochschule finanziell unterstützt.

Die Form als Mittel zum Zweck

Die vielfältigen künstlerisch-ästhetischen Methoden, die in der Kunsttherapie zum Einsatz kommen, bieten Räume ,in denen sich innere Bilder und Gefühle in Farben und Motiven ausdrücken können. Manche Methoden eignen sich dabei besonders, eine Distanz zwischenden negativen Erlebnissen der Vergangenheit und der Gegenwart aufzubauen. Dabei geht es nicht darum, eine aktuelle Belastung zu thematisieren, sondern um die Stabilisierung der Betroffenen. "Im Formenzeichnen verbinden sich viele positive Eigenschaften, die Menschen mit Fluchterfahrungen helfen können: Werden sie von negativen Gefühlen und Erinnerungen überfallen, gibt das Malen der Form Halt und ermöglicht Distanz von belastenden Emotionen. Gleichzeitig kommen die Malenden durch die Formgestaltung in eine körperliche Bewegung. In der Kunsttherapie spricht man hier von den Vitalkräften, die durch die Bewegung angeregt werden", sagt Wohler.

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte

Kinder, die Krieg erleben mussten, malen in der freien Bildgestaltung häufig Kriegsszenen. Im Gegensatz zum freien Malen, bei dem traumatisierte Menschen ihre Erlebnisse in den Motiven zeigen, zentriert das Formenzeichnen die Betroffenen. "Es gibt ein Zentrum, eine Mitte, die Orientierung schafft und zu der der Malende immer wieder zurückkehrt. Wenn man zum Beispiel die Form einer Acht nimmt und diese einmal vertikal und einmal horizontal anordnet ,entsteht ein mandalaähnliches Gebilde. Beim Malen hilft die Wiederholung der Form und ihrer Symmetrie, dass die Betroffenen ihre eigene Mitte finden", erklärt Reiner. Und auch der Umgang mi tden Farben spiegelt meist den Zustand einer Person wider. "Eine der Teilnehmerinnen hat eine besonders positiveEntwicklung durchlaufen, da sie am Ende des Projekts zu kreativen Lösungenin der Lage war, die über die eigentlichen Aufgabenstellungen hinausgingen. Mit Blick auf die Ziele des Projekts denke ich, dass ihr Mut und Selbstvertrauen in die eigene gestalterische Handlungsfähigkeit gestärkt wurde", berichtet Reiner, die selbst bei dem Projekt viel gelernt hat: "Ich habe die Begegnung mit den Frauen, die so viel Stärke in sich haben, als sehr bereichernd empfunden. Daher werde ich das Projekt auch bei seiner Fortführung im Herbstsemester 2017 auf jeden Fall ehrenamtlich begleiten."

Mit der Form in Bewegung kommen
Unsere Seite bietet die Möglichkeit, aktuelle Beiträge aus unseren Social Media Kanälen aufzurufen. Dabei werden einige Nutzer-Daten an Facebook und Instagram übertragen und Cookies verwendet. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.