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Marek Nowak – Ein Professor, der große Visionen umsetzt

Es ist gar nicht so einfach, einen Interview-Termin mit Marek Nowak zu bekommen. Der 56-jährige Professor ist ein gefragter Mann und häufig für Deutschlands größtes Architekturbüro Gerkan, Marg und Partner (gmp) unterwegs. Von einem, der in Alfter lehrt, in Aachen entwirft und rund um den Globus Stadien baut.

Wenn es dunkel wird über Köln, ragen sie inmitten eines Waldgürtels besonders heraus: die vier markanten Stahltürme des RheinEnergieSTADION. Dann leuchten die 72 Meter hohen Pylonen, die das Dach tragen, weithin sichtbar. Besonders von oben hat man einen spektakulären Blick auf die Stadt und das Fußballstadion des 1. FC Köln. „Das ist jedes Mal eine schöne Begrüßung und ein tolles Gefühl, wenn man abends mit dem Flugzeug in Köln landet und ‚sein eigenes‘ Stadion sieht“, erzählt Marek Nowak, als wir uns im Juli auf der Terrasse des Johannishofs treffen. Auch an diesem heißen Tag ist der gebürtige Pole lässig-schick gekleidet. Das weiße Hemd ist am Kragen und an den Ärmeln aufgeknöpft und hängt über die schwarze Stoffhose, seine runde Sonnenbrille hat sich Nowak auf die Stirn geschoben.

Anpfiff einer internationalen Karriere


„Das Stadion in Köln ist mein Lieblingsentwurf, obwohl es nicht unbedingt eine Schönheit im klassischen Sinne ist“, erzählt er. Mit dem strengen, funktionalen Entwurf gewinnen Nowak und sein Chef Volkwin Marg von gmp architekten aber 2001 den Architekturwettbewerb für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Dieser erste Preis ist zugleich der Anstoß seiner erfolgreichen Karriere. Es folgen Projekte in aller Welt – von Stadien über Museen bis hin zu Bürokomplexen, einer Messehalle und einer Brücke über die Donau.

Gerade erst wurde in seiner alten Heimat Polens modernstes Leichtathletik-Stadion samt Trainingsgelände in der Nähe von Kattowitz eröffnet. Als Projektleiter besucht er regelmäßig seine Baustellen, zieht sich Gummistiefel an, einen Schutzhelm auf – und läuft auch in schwindelerregender Höhe auf Stadiondächern herum. „Sein eigenes Baby möchte man unbedingt selbst hochziehen“, sagt Nowak, der an der RWTH Aachen studiert hat und seit 1994 im Aachener Büro von gmp arbeitet. Unser erstes Gespräch im Mai sagt Nowak kurzfristig ab, er muss spontan und dringend nach Istanbul und dort seine Pläne für die Kölner Deutschland-Zentrale des Verbands der Islamischen Kulturzentren präsentieren.

Ein paar Wochen später klappt es dann schließlich doch. Wir sind im Atelierhaus des Fachbereichs Architektur verabredet, wo er an diesem Juni-Vormittag mit Studenten Entwürfe bespricht. Es herrscht eine lockere, betriebsame Atmosphäre. Mit seiner Skizzenrolle läuft Nowak von Tisch zu Tisch. „Hier fehlt der Fluchtweg, dort ist die Treppe zu breit und das Fenster zu klein“: Präzise weist er auf Schwächen in den Plänen hin – und zeichnet in Sekundenschnelle mit seinem blauen Filzstift eine Lösung. Ein gute Viertelstunde nimmt sich der Professor Zeit für jeden Entwurf. Die Studenten schätzen Nowaks Art. „Er ist freundlich und hilfsbereit und lässt überhaupt nicht raushängen, dass er in der ersten Liga spielt“, sagt eine Studentin.

Teilzeit-Professor mit Leidenschaft

Seit 2006 lehrt Nowak „Konstruktives Entwerfen“ an der Alanus Hochschule. Als Teilzeit-Professor kommt er in der Regel zweimal in der Woche nach Alfter. Er genießt die entspannte Atmosphäre an der Hochschule und die vielen Gestaltungsmöglichkeiten in der Lehre. Besonders wichtig ist ihm auch das freundschaftliche Verhältnis zu seinen Kollegen. „Das kenne ich auch anders“ – Nowak stößt ruckartig seine Ellbogen nach hinten – „da wurden schnell Hierarchien aufgebaut. Hier weiß jeder, was er kann und wo er steht. Das ist schön.“

Schaut man ihm bei seiner Arbeit als Hochschullehrer über die Schulter, dann spürt man schnell, wie gerne Marek Nowak auch mit den Studenten arbeitet. Er lächelt viel, ist hochkonzentriert, kritisiert konstruktiv. „Ich liebe meinen Beruf und unterrichte gerne. Ich kann den Studenten glaubhaft von meinen Erfahrungen in der Planung und Umsetzung berichten. Ich glaube, das wissen sie zu schätzen.“ Er selbst lerne von den Studenten einen „freien, unbefangenen Blick. Das regt zur Selbstreflexion an.“ Nach zwei Betreuungstagen an der Hochschule sei er aber immer total ausgepowert, sagt Nowak lachend.

Im September war er mit Studenten auf Exkursion in Krakau und Kattowitz. „Wir sind eine Hochschule für Kunst und Gesellschaft. Mir ist es wichtig, dass die Studenten auch immer die Gesellschaft, Politik und Kultur des jeweiligen Landes wahrnehmen und kennenlernen und nicht bloß stumme Begleiter sind.“ In Kattowitz hatte die Reisegruppe natürlich einen ganz besonderen Ortstermin: die Begehung des neuen Leichtathletik-Stadions von Marek Nowak.

Starke Konzepte als Erfolgsrezept

Immer wieder haben ihm Jurys für seine Entwürfe den ersten Preis unter allen Wettbewerbskonkurrenten zuerkannt. So stach er auch schon weltberühmte Kollegen wie Norman Foster, Richard Meier oder die 2016 verstorbene Star-Architektin Zaha Hadid aus. Was ist sein Erfolgsrezept? Nowak überlegt. „In der Architektur gewinnen Konzepte, nicht schön gezeichnete Bilder. Wenn das Konzept nicht gut ist, kannst du so gut malen wie du willst. Ein guter Entwurf hat eine Vision und eine klare Vorstellung, wie das Gebäude funktioniert.“ Entscheidend dafür sei auch eine intensive Vorbereitung. „Wenn ich mit einem Entwurf anfange, dann lebe ich gedanklich an diesem Ort. Ich denke mich in die Zeit hinein, besuche den Ort, recherchiere sehr viel, lese Bücher.“

Für exzellente Entwürfe muss sich Nowak aber erst mal in kreative Stimmung bringen. Er zieht sich dann gerne auf die Terrasse des gmp-Büros zurück und schaut über die Dächer der Altstadt auf den Aachener Dom und das Rathaus. Am liebsten trinkt er dazu schwarzen Tee und hört klassische Musik, nachmittags Jazz. „Das ist ein wunderbarer Hintergrund, um die Gedanken spielen zu lassen.“

Marek Nowak – Ein Professor, der große Visionen umsetzt
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