Studienbereiche
Architektur
Bildende Kunst
Bildungswissenschaft
Eurythmie
Künstlerische Therapien und Therapiewissenschaft
Philosophie
Schauspiel
Wirtschaft

Kunst im Wald

Partizipatives Land-Art-Projekt von Bildhauerei-Studenten

Aus dem Fenster einer umgedrehten Holzhütte lugt Willis Kopf. Und nur ein paar Schritte weiter spiegeln sich Baumkronen in einem Glaskasten, der mit weißen Kissen gefüllt ist. Studenten der Bildhauerei haben fünf Wochen lang in der Christopherus Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, einer heilpädagogischen Einrichtung, gelebt und gearbeitet. Und vor allem: mit den betreuten Menschen vor Ort in der Schwäbischen Alb Kunstwerke im Wald geschaffen. 

Für gewöhnlich kämen Künstler mit einer fertigen Idee im Gepäck und installierten ihre Werke auf dem Gelände der Einrichtung zwischen Bäumen und Laub, so Bianka Mieskes, künstlerische Mitarbeiterin. „Es war das erste Mal, dass Künstler hier so lange zu Gast waren. Wir waren Teil der Wohngemeinschaft. Das war etwas ganz Besonderes“, findet die Bildhauerin, die Bildhauerei-Professor Jochen Breme bei der Leitung des alljährlichen Landart-Projekts unterstützte. Auch für Studentin Silke Rivera war die Erfahrung außergewöhnlich: „Die ganze Atmosphäre war geprägt von einem sehr respektvollen und entspannten Umgang miteinander.“


Tonfiguren inspirieren

Im Vorfeld des Land-Art-Projekts fand ein zweitägiger Ton-Workshop für die Bewohner der Einrichtung statt. Die Figuren, die dabei entstanden, dienten den Bildhauerei-Studenten später als Inspirationsquelle: Manche Plastiken sind sogar unverzichtbarer Teil der Installationen geworden. Die Alanus-Absolventen Miriam Nolte und Lukas Thein führten den Workshop mit zwölf Bewohnern durch. „Es war nicht nur ein Kurs. Wir waren am Kunstprojekt der Bildhauer beteiligt und somit an der Gestaltung des Waldes. In erster Linie war es also ein künstlerischer und kein pädagogischer Prozess“, erzählt die Künstlerin Miriam Nolte. „Die Teilnehmer hatten ganz unterschiedliche Voraussetzungen. Manche haben sehr selbstständig gearbeitet. Andere, die beispielsweise im Rollstuhl sitzen, konnten den Ton nur leicht biegen“, fährt sie fort. So individuell waren am Ende auch die Ergebnisse: von filigranen Figuren, Mischwesen und phantasievollen Tiergestalten bis hin zu großen Plastiken. „Man merkt, dass die Betreuten in unterschiedlichen Bereichen wie der Tier- oder Gartenpflege arbeiten. Manche haben richtig Kraft in den Händen“, so Nolte. 

Willi in der Holzhütte

Für Professor Jochen Breme steht rückblickend fest: „Was hier gezündet hat, ist die Begegnung mit den Bewohnern, die sehr poetische und expressive Figuren gestaltet haben. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, ihre Kunst zur Geltung zu bringen und durch unsere Installationen mit dem Ort in Verbindung zu setzen – und zu einem Gesamtkunstwerk zu schmelzen“, erzählt er begeistert. Die Hütte von Professor Breme verkörpert diese Intention: Willi hatte einen Hirsch aus Ton geformt. Das Hirschmotiv taucht in Form eines Geweihs an der Hütte und als grafisches Element im Innenraum wieder auf. Überhaupt sei Willi sehr präsent gewesen. „Ich habe ihm die Hütte gewidmet, die aber auf dem Kopf steht. Auch Willi stellt alles auf den Kopf. Er ist dort eingezogen“, erzählt der Bildhauer lachend. 

Über die tatkräftige Hilfe der Menschen vor Ort haben sich die Studenten gefreut. Gerade im Wald, wo auch körperliche Kraft gefragt war, kam sie wie gerufen: Da war zum Beispiel der 29-jährige Ralf, Landschaftsbauer, der das Betonieren gelernt hatte. So war es ein Leichtes für ihn, Silke Rivera bei ihrer Installation Mondkind unter die Arme zu greifen und für sie ein Fundament aus Beton in den Waldboden zu gießen. An dieser Stelle schimmert nun ein kleines Wasserbett und mittendrin ein rot gefärbter Stein, auf dem eine in Aluminium gegossene Tonfigur – das Mondkind – thront. 

Die Studenten bauten am Ende eine kleine Waldgalerie aus Dachlatten und Sockeln, die nun auch die unverarbeiteten Tonfiguren beherbergt. „Alle Werke sind mit dem Ort und für den Ort entstanden“, sagt Jochen Breme.  

Kunst im Wald
Unsere Seite bietet die Möglichkeit, aktuelle Beiträge aus unseren Social Media Kanälen aufzurufen. Dabei werden einige Nutzer-Daten an Facebook und Instagram übertragen und Cookies verwendet. Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.