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In Alfter zu Hause

In Alfter gibt es einige Studenten-Wohngemeinschaften. Wir haben zwei besondere WGs zum Semesterstart besucht und mit den Bewohnern über das WG-Leben gesprochen.

Im Hausflur türmen sich Schuhberge, in der Garage stehen 18 Fahrräder: Es ist Mitte September, das Semester hat wieder begonnen. Für die WG in der Holzgasse 26 ist das in vielerlei Hinsicht ein Neuanfang. „Das ist hier noch eine halbe Baustelle, weil wir uns gerade frisch gegründet haben“, erzählt BWL-Studentin Isabella, als sie mich durch das Haus führt. In der Ecke liegen noch die Umzugskartons. Acht Bewohner, zwei Etagen, neun Zimmer, ein Partykeller, Garage und Garten: nicht gerade der typische Standard für Wohngemeinschaften. Den acht Alanus-Studenten steht jedoch noch eine Menge Arbeit bevor. „In der ersten Juliwoche hatten wir eine Powerwoche, in der wir das Haus renoviert haben.“ Dann trennten sich über den Sommer erst einmal ihre Wege. Seit drei Tagen ist die WG wieder vollzählig vor Ort.

Küche und Wohnzimmer selbstgebaut

Isabell, Lorenz, Oskar, Leon und Lennart sitzen mit mir am Küchentisch. Die Regale sind mit Konserven, Obst, Marmeladengläsern und Brezeln gefüllt. Mitbewohnerin Pia kommt gerade zur Tür herein und verstaut ihre Einkäufe. „Die Küche ist erst seit zwei Tagen wohnlich“, sagt Architektur-Student Lorenz und zeigt auf die noch leeren Küchenschränke aus hellen Spanholzplatten. „Die Möbel haben wir selbst gebaut. Vorher standen hier nur ein paar Küchengeräte“, erzählt er weiter. Zwischen Vorlesungen und Seminaren müssen sie nun anpacken. Auf einem selbstgebauten Eck-Sofa aus Holzpaletten und weißen Polstern kann man im Wohnzimmer bereits sitzen, der Kamin gegenüber verspricht gesellige Winterabende. Klebestreifen auf dem Boden der leeren Wohnzimmerhälfte sind die Vorboten für weitere selbstgebaute Möbel: „Hier soll eine Art Co-Working-Space mit mehreren Schreibtischen entstehen“, sagt Studentin Isabell. Im Gemeinschaftsbereich möchten die motivierten Studenten Orte schaffen, die sowohl allein als auch gemeinsam genutzt werden können: zum Studieren und für die Freizeit. „Gleichzeitig soll es für acht Leute funktional sein“, erklärt Lorenz, ganz der Architekt in diesem WG-Ensemble mit vorwiegend Wirtschaftsstudenten und einer angehenden Kindheitspädagogin. 


„Die Alanus-Blase“

Was die Studenten von ihrem WG-Leben in Alfter erwarten? Vollständig im Alfterer Studentenleben anzukommen. „Hier können wir uns voll auf das konzentrieren, wofür wir hier sind: studieren und gemeinsam Projekte durchführen“, sagt BWL-Student Leon. Auch Isabell wünschte sich mehr im Geschehen zu sein. „Ich hatte Lust, richtig in die ‚Alanus-Blase‘ einzutauchen. Der Austausch mit anderen Alanern hat mir gefehlt. Jeder versteht mich, wenn ich hier erzähle, wie toll das Beuys-Seminar heute war.“ Die WGs kennen sich untereinander, man ist stets up to date: Parties, Begegnungen und nicht zuletzt das Kulturangebot am Johannishof. 


Der Gruppenprozess zählt

Dass so ein Bachelorstudium mit sechs Semestern kurz ist, scheint niemanden zu stören. „Natürlich habe ich oft daran gedacht, dass meine Zeit hier sehr begrenzt ist“, sagt Oskar, der im dritten Semester studiert. Aber was zählt, ist der Spaß und die Motivation, hier etwas Dauerhaftes auf die Beine zu stellen, was andere später weiter nutzen und gestalten können. „Ich finde den Prozess interessant und wie jeder aus der Gruppe sich einbringt.“


Mit Sauna und Wintergarten 

Die Wohngemeinschaft im Stühleshof 15, nur ein paar hundert Meter weiter, gibt es seit 2008. Wer hier einzieht, profitiert vom Tatendrang der früheren und jetzigen Bewohner: Beispielsweise von der Sauna am Ende des üppigen Obst-und Kräutergartens, die einige WG-Mitglieder aus dem steinernen Gartenhaus gebaut haben. „Lukas hat die WG mit gegründet “, erinnert sich Bildhauerei-Absolventin Valerie, die seit 2009 im Stühleshof wohnt. Dreizehn Menschen leben insgesamt hier. Das jüngste Mitglied ist Baby Louis – noch nicht einmal ein Jahr alt: Mama Nele ist Eurythmie-Studentin und Papa Jonathan hat BWL studiert. Sie haben sich entschieden, nach der Geburt weiter in der WG zu leben: „Auch ich bin in einer WG großgeworden. Unsere Eltern wohnen in Hamburg und Freiburg. Dafür unterstützt uns die WG vor Ort“, erzählt Jonathan, während  unseres Gesprächs im Esszimmer. Baby Louis sitzt auf seinem Schoß und quiekt und brabbelt. Sie bieten mir ein Glas Saft aus selbst angebauten Trauben an. Schmeckt ein bisschen sauer, aber trotzdem gut. Auch im Stühleshof macht sich der Semesterbeginn bemerkbar. In der Küche werden die ersten Kochtöpfe und Pfannen ausgepackt, es riecht nach gebratenen Zwiebeln.

Ein Haus mit Stil

Das dreistöckige Haus aus rotem Backstein beeindruckt bereits mit seiner Fassade, den  gewölbten Fensterbögen, umgeben von hochgewachsenen, dichten Bäumen: ein außergewöhnliches Haus mit einer besonderen Wohngemeinschaft. „Vor zehn Jahren hat sich eine Gruppe aus Alanus-Studenten gefunden, die das Haus gemietet hat. Der Vermieter hat die Bedingung gestellt, diese wertvollen Räumlichkeiten auch für andere Menschen zu öffnen“, erzählt Architektur-Student Ruben. Das ist leicht nachzuvollziehen, wenn man den Blick im Haus schweifen lässt: hohe Wände, Stuck an der Decke und ein Wintergarten mit Rosenmustern an der Fensterfront. 

Winterausstellung und Mottoparties

Ein Fixpunkt im WG-Kalender ist die Winterausstellung, die die WG-Bewohner jährlich veranstalten, und so das Haus für Freunde, Bekannte und Nachbarn öffnen. Das Konzept der Ausstellung ändert sich von Jahr zu Jahr, ist aber immer interdisziplinär – die Bewohner zeigen von persönlichen über gemeinschaftlichen Werken auch Performances. „Letztes Jahr war das Thema ‚Alles Gute kommt von unten‘. Wir haben praktisch den Keller in den Wohnbereich hochgeholt“, erzählt Jonathan. Der Keller sei völlig zugestellt gewesen, mit eigenen und vergessenen Gegenständen von früheren Mitbewohnern. „Hier fiel praktischer und ästhetischer Nutzen zusammen“, resümiert Valerie. Nach der Aufräumaktion war im Keller Platz für die Party nach der Vernissage. Oben wurden in Regalen Objekte und Readymades als Installation ausgestellt. „Am 18. und 19. November haben wir wieder eine Ausstellung mit dem Thema ‚Was im Leben wirklich zählt‘ geplant.“

Kreativ geht es auch bei den Mottoparties zu: 20er-, Western- und Zirkusparty – alles schon dabei gewesen. „Wenn wir etwas planen, wird es gleich sehr aufwendig: Bei der Zirkusparty wurde aus dem Wohnzimmer ein Zirkuszelt“, sagt Jonathan. Für das Styling bei der Westernparty hat Eurythmie-Studentin Nele, die auch gelernte Frisörin und Visagistin ist, den Bewohnern zu authentischen Outfits verholfen. Aus dem WG-Leben kann man sich als Bewohner auch mal zurückziehen. „Durch die Aufteilung der Räumlichkeiten mit den Zimmern in den oberen Etagen kann man sowohl die Gemeinschaft genießen als auch sein eigenes Ding machen“, erklärt Ruben.

In Alfter zu Hause
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