EN
Studienbereiche
Architektur
Bildende Kunst
Bildungswissenschaft
Eurythmie
Künstlerische Therapien und Therapiewissenschaft
Philosophie
Schauspiel
Wirtschaft

Fünf Fragen an Miriam Hamel

Miriam Hamel arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Architektur. Sie erlebt die Alanus Hochschule als einen Ort, an dem viele aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen mit großer Offenheit thematisiert werden. Im Interview erklärt sie, was Prozessarchitektur ist und warum diese so wichtig ist.

1. Seit wann arbeiten Sie an der Alanus Hochschule und was ist für Sie das Besondere an der Hochschule?

Am Fachbereich Architektur bin ich seit Juni 2014 tätig. Die Hochschule erlebe ich als einen Ort, an dem viele sehr aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen mit großer Offenheit thematisiert und angegangen werden. Am Fachbereich Architektur werden der Mensch und aktuelle gesellschaftliche Rahmenbedingungen als Maßstab und Richtwert für Architektur verstanden. Themen wie die Orientierung am Gemeinwohl und ein schonender Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen erachten wir als selbstverständlich. Außerdem gibt es hier die Möglichkeit, sich mit eigenen Anliegen und Themen in die gemeinsame Arbeit einzubringen. Am Ende aber sind es die Menschen, die Kollegen wie auch die Studierenden, die ich besonders schätze.

 

2. Sie sind als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und stellvertretende Leiterin des Instituts für Prozessarchitektur tätig. Was sind Ihre Hauptaufgaben?

Im Rahmen meiner Tätigkeit konnte ich vielfältige Erfahrungen in der anwendungsorientierten Forschung und Lehre sowie der Selbstorganisation des Fachbereichs und des Instituts für Prozessarchitektur sammeln.
Am Institut bin ich in verschiedene Forschungs- und Entwicklungsvorhaben im Themenfeld der Prozessarchitektur involviert. Dazu zählt meine Mitarbeit im Forschungsprojekt „Baukultur konkret“, welches im Auftrag des Bundesinstituts für Bau-, Stadt und Raumforschung bearbeitet wurde. Ziel des Projekts war es, den Kenntnisstand über Baukulturinitiativen in Deutschland zu erweitern und die Hürden und Hemmnisse ihres Wirkens vor Ort zu analysieren, um daraus geeignete Unterstützungsformate abzuleiten und diese praktisch zu erproben. Zudem wirkte ich im Aktivierungs- und Beteiligungsprozess „testbetrieb“ mit. In diesem Projekt entwickelten wir gemeinsam mit unterschiedlichsten Menschen vor Ort durch Testen und Ausprobieren Nutzungsideen für das Volkshaus Rotthausen in Gelsenkirchen. Auch arbeite ich in der strategischen Begleitung von Schulen in der „Phase 0“ ihrer Erweiterungsvorhaben mit.
Im Bereich der Lehre bin ich an den einführenden Lehrveranstaltungen im Bachelor beteiligt. Dazu gehört das Seminar „Architektur und die Sinne“, das die Wahrnehmungsmöglichkeiten als grundlegenden Zugang zur Architektur vermittelt. Oder auch ein Entwurfskurs zum Thema Gebäudelehre, in dem wir uns mit der Entwicklung großmaßstäblicher Wohnbauprojekte beschäftigen. Daneben bin ich an verschiedenen Lehrveranstaltungen im Lehrgebiet Architektur und Kunst beteiligt, wo wir gerne das Mittel der temporären Intervention nutzen, um Orte zu erforschen und vor Ort kurzfristige Wirkungen zu erzielen.

 

3. Prozessarchitektur: Was ist das eigentlich?

Das ist eine sehr gute Frage, die wir uns selbst immer noch regelmäßig stellen. Neben den klassischen gestalterischen Fragestellungen, beinhaltet der Begriff verschiedene Aspekte von Prozessualität in der Architektur. Dabei spielen folgende Fragen eine Rolle: Wie werden Projekte überhaupt initiiert? Welche Menschen sind daran beteiligt? Wie können Planungs- und Bauprozesse gestaltet werden? Welche Formen der Kommunikation sind dafür notwendig? Aber auch Fragen, wie Bauprojekte gemeinwohlorientiert entwickelt werden können und begrenzte Ressourcen sowie finanzielle Möglichkeiten als Chance begriffen werden können, spielen eine Rolle. Prozessarchitektur beinhaltet also ein ganzheitliches, komplexes Verständnis von Architektur, das weit über die reine Gestaltung hinausreicht und aus meiner Sicht heute unabdingbar ist. 

 

4. An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit?

Zum Auftakt des Semesters waren Professor Willem-Jan Beeren und ich gemeinsam mit  einer Gruppe von Studierenden zur Teilnahme an der Akademie des internationalen CityLeaks Urban Art Festivals in Köln-Ehrenfeld eingeladen. Unter dem Leitthema „Simul et singulis“ entwickelten die Studierenden gemeinsam mit Studio Orizzontale aus Rom mobile Architekturen und temporäre Installationen, die eine Verbindung zwischen dem Festival Center und dem Straßenraum herstellten.
Ganz aktuell steht ein künstlerischer Beitrag mit dem Titel „Gemeingold Boden – Eine kuratierte Raumintervention" im Innenhof des Hauptgebäudes an Campus II – Villestraße ebenfalls zusammen mit Professor Willem-Jan Beeren im Rahmen der "wo lang? konferenz" an. 
Im November ist das Institut für Prozessarchitektur neben der Montag Stiftung Urbane Räume, der Stiftung trias, startklar a+b und der Rohrmeisterei Schwerte Mitveranstalter von "41 x praktisch". Die Veranstaltung richtet sich an Macherinnen und Macher von gemeinwohlorientierten Projekten in der Stadtentwicklung und es wird praktisches Wissen für den Projektalltag vermittelt. Hier werde ich gemeinsam mit Professor Swen Geiss einen Workshop mit dem Titel „Leerstand beleben – Nutzungen im Testbetrieb erproben" anbieten.
Mein großes Vorhaben für die nächsten Jahre ist aber meine Promotion an der Bauhaus-Universität Weimar in Kooperation mit der Alanus Hochschule. Unter dem Titel „Stadtfinden“ beschäftige ich mich in einer anwendungsorientierten, künstlerisch-wissenschaftlichen Fallstudie mit der Frage, welche Bedeutung und Funktion künstlerische Interventionen im Kontext von Stadtentwicklungsprozessen für die Entwicklung einer Zukunftsvision von Stadt haben können. Als Fallbeispiel dient dafür die Stadt Köln. Anknüpfend an den dort aktuell laufenden Prozess „Kölner Perspektiven 2030“ soll meine Arbeit praktische Hinweise für eine sinnvolle Einbindung künstlerischer Interventionen in Stadtentwicklungsprozesse ergeben. Meine Promotion wird betreut von Alexandra Toland, Professorin für Arts and Research an der Bauhaus-Universität Weimar und Professor Florian Kluge von der Alanus Hochschule.

 

5. Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: „Wenn ich gerade nicht an der Hochschule bin…“

…dann arbeite ich in meinem Atelier in Köln-Ehrenfeld an künstlerischen Projekten oder unternehme Bulli-Touren in die nähere oder weitere Umgebung – gerne ans Meer, in die Berge oder auch um Freunde und Familie zu besuchen.

Fünf Fragen an Miriam Hamel
© Christian Hamel