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Fünf Fragen an Hildrun Rolff

Hildrun Rolff ist Professorin für Kunsttherapie und verantwortlich für den Teilzeit- Bachelorstudiengang Kunsttherapie/Sozialkunst und die Weiterbildungsangebote im Fachbereich Kunsttherapie. Im Interview erklärt sie, warum die Weiterbildungen thematisch interdisziplinär aufgebaut sind und wie Digital Art als Ausdrucksform in der Kunsttherapie eingesetzt wird.

1.    Seit wann sind Sie an der Alanus Hochschule, und was ist für Sie das Besondere an der Hochschule?

Im September 2005 habe ich die Verantwortung für den damals noch als Weiterbildung angebotenen Zertifikatslehrgang Kunsttherapie von meiner Kollegin Dagmar Wohler übernommen. Dieser wurde dann weiterentwickelt zum heute existierenden Teilzeit-Bachelorstudiengang Kunsttherapie/Sozialkunst.  
Das Besondere an der Alanus Hochschule ist für mich die inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit der Künste mit unterschiedlichen Disziplinen, in wissenschaftlichen oder künstlerischen Kontexten. Das ist ein wesentliches Potenzial der Hochschule, das ermöglicht, neue, spannende Studienformate zu entwickeln und Menschen mit sehr unterschiedlichen beruflichen und inhaltlichen Hintergründen gemeinsam etwas bewirken zu lassen.


2.    An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit?

Das ist nicht einfach einzugrenzen, da ich immer an mehreren Projekten zeitgleich arbeite: Beispielsweise ist ein Projekt die konzeptionelle Weiterentwicklung des oben erwähnten Teilzeit-Bachelorstudiengangs. In diesem soll zum einen die Anrechnung von Weiterbildungsangeboten und zum anderen die Anrechenbarkeit von erbrachten und mitgebrachten beruflichen Qualifikationen der Studierenden geprüft und – wenn möglich – angeboten werden.
Weitere Projekte beziehen sich auf Lehrinhalte und Aspekte im Bereich der Ausbildungsforschung, die ganz neu gedacht werden. Ich beschäftige mich unter anderem mit der Vermittlung von Digital Art als eine künstlerische Ausdrucksform in der Kunsttherapie. Bei diesem Projekt arbeiten wir mit Tablets und Apps und vermitteln zum Beispiel wie Kunsttherapie mit internetsüchtigen Jugendlichen funktionieren kann. Wir versuchen sie mit dem zu erreichen, was sie am liebsten machen, nämlich mit digitalen Geräten arbeiten. Sie werden dann zur manuellen Arbeit hingeführt. Es ist also eine Kombination von digitaler und klassischer Kunst. Die Jugendlichen sollen wieder lernen, auch ohne Computer, Smartphones oder Tablets auszukommen oder diese kreativ selbstständig zu nutzen, statt sich mit von anderen ausgedachten und süchtig machenden Computerspielen aus der Welt zu „beamen“. Zudem setze ich mich kritisch-diskursiv mit anthroposophischen Inhalten in der Kunsttherapie auseinander und vergleiche diese mit anderen Ansätzen. Ein weiteres mir wichtiges Anliegen ist das Thema Nachhaltigkeit, zu dem wir gerade im Kollegium eine Tagung planen.


3.    Sie sind verantwortlich für die Weiterbildungsangebote Kunsttherapie. Um was für Weiterbildungen und Fachfortbildungen handelt es sich, und wie wichtig sind diese für Kunsttherapeutinnen und Kunsttherapeuten?

Meiner Meinung nach ist die Weiterbildung an Hochschulen ein wichtiger und wesentlicher Bildungsauftrag. Denn Lernen ist heute nicht zu Ende, wenn ein Studium beendet ist, sondern genau im Gegenteil, es fängt erst richtig an. Es geht dann um Professionalisierung auf den Ebenen, die individuell dem Auftrag entsprechen, der als Berufsweg gewählt worden ist. Die künstlerisch-wissenschaftlichen Weiterbildungen der Kunsttherapie und künstlerischen Therapien sind thematisch interdisziplinär aufgebaut. Eines unserer Qualitätskriterien ist, dass jedes Weiterbildungsmodul, das konkret die Arbeit mit kranken Menschen thematisiert entweder durch ärztliche oder psychologisch-psychotherapeutische Beteiligung bereichert wird. Dazu laden wir mindestens zwei Expertinnen und Experten aus künstlerisch-therapeutischen Schulrichtungen ein, die dann zu einem spezifischen Thema – wie zum Beispiel Kinder- und Jugendlichen-Kunsttherapie – zusammenarbeiten. Dadurch eröffnen die Weiterbildungen den postgraduate-Studierenden neue Perspektiven. Sie regen zu weiterführenden Bearbeitungen an und vermitteln Vertiefungsmöglichkeiten für die eigene Disziplin.
Im kommenden Jahr werden schwerpunktmäßig Themen wie Kinder- und Jugendlichen-, Notfall- und Trauma-Kunsttherapie sowie Kunsttherapie in der Onkologie angeboten. Neu führen wir das Format „Internationale Perspektiven“ ein. Zudem wird eine amerikanische Kollegin das Thema „Tattoo“ als kunsttherapeutisches Ausdrucksmittel vorstellen, und wir werden die Kunstpsychotherapie in Australien diskutieren. Außerdem stellen wir einen Ansatz der Fotokunsttherapie vor und geben einen Einblick in das informelle Lernen mittels Pflanzenfarben in der Kunst, Pädagogik und Therapie in Bezug auf das Themenspektrum Nachhaltigkeit.


4.    Welche Menschen inspirieren Sie?

Mich inspirieren grundsätzlich Menschen, die sich für die Menschlichkeit und für das Leben einsetzen. Speziell, wenn sie ihre Kernaussagen auch noch durch ihre jeweilige Kunst vermitteln können. Es gibt etliche Musikerinnen und Musiker, Dichterinnen und Dichter, Literatinnen und Literaten sowie bildende Künstlerinnen und Künstler, die dies machen.
Großen Respekt verdienen für mich Menschen wie beispielsweise James Baldwin. Er ist für Menschenrechte und Gleichberechtigung der „African-American Society“ eingetreten, hat unfassbare Brutalität erfahren und diese durch seine Kunst zu Botschaften transformiert, die uns ermutigen, Menschlichkeit zu entwickeln. Erwähnenswert ist für mich auch Martin Buber und seine Ausführungen zum „dialogischen Prinzip“, zu Beziehungsfragen, die er in seinem Buch „Ich und Du“ erläutert und die für mich ur-therapeutische Prinzipien beschreiben. Auch inspirieren mich Frauen wie Hannah Arendt, die in dem gleichnamigen Werk das „Denken ohne Geländer“ und „ohne Vorurteile“ fordert und Dichterinnen wie Hilde Domin, Rose Ausländer und ja, auch die junge und mutige Greta Thunberg, die sich für ihre Generation und unseren Planeten einsetzt. 


5.    Bitte vervollständigen Sie diesen Satz: „Wenn ich gerade nicht an der Hochschule bin“: „radle ich gerne an einem Gewässer entlang – meistens am Rhein – und freue mich über das lebendige Lichterspiel auf dessen Oberfläche, fotografiere oder widme mich meinen künstlerischen Projekten.“

Fünf Fragen an Hildrun Rolff