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Fünf Fragen an Gabriele Oberreuter

Gabriele Oberreuter war bis zu ihrer Emeritierung im Sommer 2018 Professorin für Kunstgeschichte an der Alanus Hochschule. Im Rahmen der Ringvorlesung „Liebe usw.“ kommt sie zurück an die Hochschule und hält einen Vortrag über Weihnachtsdarstellungen im Wandel der Geschichte. In diesem Interview verrät sie, was sie mit Weihnachten verbindet und was sie jetzt macht.

1.    Was haben Sie an der Alanus Hochschule gelehrt und welche besonderen Eindrücke sind Ihnen im Gedächtnis geblieben?

Ich unterrichtete Kunstgeschichte seit der Einrichtung des Studium Generale im Jahr 2005. Die Alanus Hochschule ist für mich ein Ort, an dem wunderbare Begegnungen mit ganz unterschiedlichen Menschen möglich sind: mit all‘ jenen, die das ganze System am Laufen halten – in vielen Büros, in der Bibliothek, in der Hausmeisterei, in der Mensa und mit dem reichen interdisziplinären Spektrum von Kolleginnen und Kollegen sowie Studierenden.
Die wesentliche Basis des so besonderen Hochschullebens ist das Neben- und Miteinander von Kunst und Wissenschaft. Das interdisziplinäre Arbeiten hat mich besonders fasziniert. In jedem Jahr veranstaltete ich ein Symposium, das geisteswissenschaftliche Reflexionen zusammenband mit künstlerischem Tun, dem Erleben von Bewegung, Musik und Rezitation oder Schauspiel. Häufig brachten Gäste besondere Impulse in die Symposien hinein – Menschen wie zum Beispiel Rupert Neudeck. Daneben haben die Kolleginnen und Kollegen der Hochschule bewegende Beiträge eingebracht, an die ich mich besonders und gern erinnere.


2.    Sie halten im Rahmen der Ringvorlesung „Liebe usw.“ einen Vortrag über Weihnachtsdarstellungen im Wandel der Geschichte. Welche Bedeutung hat das Weihnachtsfest aus kunsthistorischer Sicht und was hat das mit Liebe zu tun?

Weihnachten gilt ja als „Fest der Liebe“. Doch was genau ist damit eigentlich gemeint? Mit dem Weihnachtsfest feiern wir – gehen wir auf die christliche Quelle zurück – die Geburt Jesu als Ereignis der Menschwerdung Gottes. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab“, heißt es im Johannesevangelium. Dieses Ereignis hat die Kunstgeschichte in ihren ganz frühen Darstellungen unverstellt zum Ausdruck gebracht. Ich möchte in meinem Vortrag zeigen, wie dieses Sujet sich im Laufe der Zeit immer mehr verändert hat: Es kann als Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels gesehen werden. Aus dem Fest im kirchlichen Rahmen wurde vor allem ein privates Familienfest, verbunden mit vielerlei Brauchtum, leuchtenden, dekorierten Städten und Häusern, einer Flut an Geschenken und festlichen Tafeln. Ein allseits beliebtes Fest, von dem man auf keinen Fall lassen möchte. Also letztlich ein Wandel vom Fest der Liebe hin zur Liebe zum Fest.


3.    Was verbinden Sie persönlich mit Weihnachten?

Es mag vielleicht ein wenig irritieren: doch mit Weihnachten verbinde ich meine grundsätzliche „Zugehensweise“ auf all‘ die Menschen, denen ich begegne. Wenn es das Fest der Liebe ist und ich ernst nehme, dass Gott uns – und das heißt eben auch mich zuerst – geliebt hat, dann muss ich auf das Geschenk des „Geliebtseins“ antworten. Und meine Antwort heißt, dass ich mich nicht mehr selbst beweisen und um mich kreisen muss, weil ich eben schon geliebt werde. Sondern dass ich mich frei und so wie ich bin anderen zuwenden kann. Aber vermutlich haben Sie mit der Frage etwas anderes gemeint. Und ja, natürlich verbinde ich mit Weihnachten auch Musik, Kerzen, Tannenduft, Wiedersehen mit der Familie, gemeinsames (Vor)Lesen, Singen, Spazierengehen und Erinnerungen austauschen.


4.    Sie sind seit einem Jahr emeritiert. Was machen Sie jetzt?

Das Einrichten meines neuen Heims ist noch nicht abgeschlossen. Der Keller steht noch voller Kartons. Besonders Freude macht mir das Anlegen des Gartens. Erste Kontakte zu künstlerischen Initiativen habe ich bereits geknüpft. Zweimal wurde ich in den Beirat von Kunstvereinigungen gewählt. Im Übrigen erkunde ich voller Neugier meine neue Lebensregion: die milde, grüne Landschaft und viele uralte Kirchen sowie Museen in Oldenburg, Emden und Bremen. Bei all‘ dem habe ich das eigentliche Highlight meines neuen Wohnsitzes noch gar nicht genießen können: die vor meiner „Haustüre“ liegende Nordsee mit den Ostfriesischen Inseln.


5.    Welche Menschen inspirieren Sie immer wieder aufs Neue?

Besonders inspirieren mich Dichterinnen und Dichter von Rainer Maria Rilke bis Tomas Tranströmer und Inger Christensen sowie die Musik von Johann Sebastian Bach.

Fünf Fragen an Gabriele Oberreuter