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Ateliergespräch mit Huda Neugebauer

von Marie-Luise Voigt

Die Künstlerin Huda Neugebauer gründete 2013 das Atelier „Villa Wiese“, eine Mal- und Kreativschule in Essen-Werden. Die Atelierräume befanden sich im Garten einer alten Fabrikantenvilla, der „Villa Wiese“. Ein Jahr später zog sie mit Ihrem Atelier in die Bonner Südstadt und nahm das Masterstudium Kunsttherapie an der Alanus Hochschule auf. An einem Abend im Februar sprach ich mit Huda über ihre künstlerisch-therapeutische Arbeit mit Kindern, stellte ihr Fragen zum Studium, ihrem Zeitmanagement und erlebte eine Menge Kraft und Kreativität.

M: Du fährst unter der Woche fast jeden Morgen zur Alanus Hochschule. Wie würdest du die Atmosphäre dort beschreiben?

H: Jedes Mal wenn ich zur Uni fahre, fühlt es sich für mich sehr positiv an. Gerade in den warmen Monaten, wenn die Studenten draußen sitzen, ist es wie an einem Erholungsort.

M: Das klingt nicht nach einem besonders anstrengenden Studium?

H: Das Studium schon (lacht (noch)). Doch, gerade das Zusammenspiel Mutter, Selbständigkeit und Studium ist sehr anstrengend, weil es sehr zeitaufwändig ist. Ich muss versuchen alles unter einen Hut zu bekommen. Aber das Anstrengende wirkt noch nicht so negativ auf mich.

M: Wie organisierst du das Studium und die Selbständigkeit?

H: Ich gehe meinem Rhythmus nach, 2 Mal die Woche im Atelier zu sein, meine Kurse zu geben und zur Uni zu gehen.

M: Was hast du vor deinem Masterstudium Kunsttherapie gemacht?

H: Ich habe zuerst Sozialpädagogik studiert, war beim Jugendamt, im Kinderheim und im Jobcenter tätig. Dann habe ich an der freien Akademie der bildenden Künste in Essen berufsbegleitend Kunst studiert. Ja und dadurch, dass ich mich immer mehr mit der Kunst beschäftigte, nahm diese auch in meinem Leben einen immer größer werdenden Bestandteil ein. Irgendwann hatte ich die Idee mich selbständig zu machen, im Kunst-Bereich für Kinder und Jugendliche. Dann habe ich gekündigt und am 16. März 2013 die „Villa Wiese“ in Essen und später in Bonn eröffnet.

M: Wie kam es, dass du dann noch Kunsttherapie studieren wolltest?

H: Während des Kunststudiums und durch die Erfahrungen in der Malschule habe ich gemerkt, dass Kunst noch tiefer geht. Ich hab gedacht: Da passiert noch mehr, auch mit den Kindern!

M: Gab es eine auslösende Situation?

H: Ja, es gab Kinder in der Malschule, bei denen ich das Gefühl hatte, dass da etwas ist... Aber dadurch, dass ich nur die Pädagogin war, wusste ich nicht wie ich die Eltern ansprechen sollte. Hinterher habe ich wirklich erfahren, dass eines dieser Kinder in Behandlung gekommen ist.

M: Kanntest du die Alanus Hochschule schon?

H: Ich war beim Tag der offenen Tür schon Mal bei der Alanus Hochschule und als es im April 2014 hieß, wir ziehen nach Bonn und ich gebe alles in Essen auf, habe ich meinem Mann gesagt, ich würde gern den Studiengang Kunsttherapie anfangen und dann hab ich recherchiert und es passte alles.

M: Was interessiert dich momentan besonders im Studium?

H: Das Studium gibt im Moment so viel Input, aber das Thema Trauma interessiert mich zurzeit sehr… Ich merke, ich bin total neugierig und entdecke für mich auch viele neue Möglichkeiten. Ich weiß nicht ob ich ohne das Studium auf die Idee gekommen wäre mit Flüchtlingskindern zu arbeiten. Insofern regt das Studium schon an…

M: Wenn du überlegst, mit wem du später Therapie machst, werden das Kinder sein?

H: Ja, doch auf jeden Fall.

M: Was machst du mit den Kindern in deiner Malschule?

H: Ich hab angefangen mit Selbstportraits, wie du gesehen hast. Dies ist aber natürlich kein Zwang, wenn die Kinder dazu keine Lust haben, brauchen sie das nicht zu machen. Die Meisten haben eigene Ideen, malen gern an der Malwand oder an der Staffelei, andere wollen lieber rumschneiden und schnipseln, wieder andere mit Ton arbeiten oder mit Gips und Pappmaché. Das ist ganz offen.

M: Und siehst du das manchmal auch als Therapie an?

H: Insgeheim ja. Es weiß nur keiner. Ich hab einen Jungen, der macht ganz tolle Sachen und setzt seinen ganzen Körper ein. Der malt wirklich eine Stunde lang mit Pastellkreiden... Ich glaub schon. Aber ich behandle es nicht als Therapie. Ich lass es einfach zu.

M: Du machst auch Ferienprogramme für Kinder. Was war da das letzte Thema?

H: Das letzte Thema war in den Herbstferien „Steinzeit“.

M: Brauchen alle Kinder Kunst?

H: Alle Kinder? Alle? Ich denke mir, man kann die Kinder ansprechen, die wollen. Brauchen alle Kinder Sport...? Brauchen alle Kinder Musik...? Das ist schwer zu sagen, die erste Idee kommt meist von den Eltern. Wenn die Kinder hier waren zum Schnuppern, bleiben sie nach meiner Erfahrung auch hier. Es war noch keiner da, der dann gesagt hat: „Ich komm nicht wieder“. Das sind Entscheidungen, die erstmal Eltern treffen und bei denen das Kind hinterher sagt: „Ich fühl mich hier wohl und mir macht das Spaß“. Ob alle es wirklich brauchen... Eigentlich brauchen wir von jedem etwas. Kinder brauchen Spiel und Kommunikation, und das Malen macht Spaß, da entstehen schöne Sachen!

M: Beeinflussen dich die Kinder in deiner eigenen Kunst?

H: JA! Ich mein, bei den Kindern passiert es einfach, die denken nicht drüber nach und die Linie sitzt! Das ist meine Inspiration…

M: Fallen dir drei Worte ein, um deinen eigenen künstlerischen Stil zu beschreiben?

H: Ich mag Figuren und abstrakte Sachen und die Farbe Weiß ist momentan mein Thema. Die beschäftigt mich sehr. Und Kinder. Und ich mag schnelle Striche, schnelle Linien.

M: Hast du denn noch Zeit für deine Malerei?

H: Ich skizziere zwischendurch, wenn ich irgendwo im Café sitze. Aber richtig Zeit hab ich nicht, das funktioniert nicht. Ich hab noch ein Kind und eine Familie, das geht einfach nicht.

M: Findest du, dass man Künstler sein muss, um Kunsttherapie zu machen?

H: Mittlerweile denke ich schon, die Auseinandersetzung mit dem Material und so weiter, da fängt es ja schon an.

M: Du hast hier in dem Atelier, wo du die Malkurse gibst, auch eigene Bilder hängen. Hast du keine Angst, dass etwas passiert, wenn viele Kinder hier sind?

H: Nein. Ich hatte letztens einen Geburtstag von einer Freundin, deren Sohn ist 2 geworden, da waren hier 10 zweijährige Kinder. Die Eltern haben das auch gefragt. Ich habe vollkommen vertraut. Ich habe den Kindern eine Papierrolle an die Wand geklebt und die haben wirklich nur an der Wand gemalt. So funktioniert es auch wenn ich meine Kurse gebe.

M: An die Malschule schließen sich Studios von zwei anderen Künstlern an. Wie ist das?

H: Wir tauschen uns aus, das ist schön. Aber das ist alles noch frisch und muss sich weiter entwickeln. Wir haben auch überlegt eine Ausstellung im Frühjahr hier zu machen. Es soll ein Ausstellungsort werden...

M: Du klingst wie ein Vulkan an Ideen...

H: Ja... Ich hab so viele... Ich muss mich bremsen. Mein Mann sagt das auch – nicht dass ich mal irgendwann umkippe...

M: Was soll konkret in deinem Atelier demnächst passieren?

H: In Zukunft wünsche ich mir, dass hier noch mehr Leben reinkommt, also noch mehr Kinder, noch mehr Jugendliche und dass ich noch mehr Kollegen habe ... dass es noch lebendiger wird. Das nächste Projekt fängt in der kommenden Woche an, wir werden Arabisch-Kurse für Kinder ab 5 hier im Atelier anbieten. Außerdem möchte ich künftig gerne mit Flüchtlingskindern arbeiten.

M: Und wenn du deinen Masterabschluss hast?

H: Mein Ziel ist es im therapeutischen Bereich hier im Atelier mit den Kindern tätig zu sein und dass ich mir ein Netzwerk mit verschiedenen Einrichtungen aufbaue.

M: Wenn du dich als Linie beschreiben müsstest, was wärst du für eine?

H: ...ich wäre eine Linie, die auf jeden Fall nicht geradeaus gehen würde. Die wär nicht gerade, die wär schon sehr dynamisch.

M: Welche Farbe wärst du?

H: Weiß beschäftigt mich unheimlich viel. Die Farbe verfolgt mich schon seit Monaten, ein Jahr eigentlich schon. Aber jetzt hab ich irgendwie auch das Gelb für mich entdeckt.

M: Welcher Pinsel wärst du?

H: Ein großer und breiter…

M: Danke!

Weiter Informationen zum Atelier Villa Wiese und Huda Neugebauer finden sie hier.

Ateliergespräch mit Huda Neugebauer
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