Der Mensch im Mittelpunkt

Der Mensch im Mittelpunkt

Erfahrungsbericht zum Pädagogikstudium des Studenten Jürgen Peters

Jürgen Peters ist seit Herbst 2008 Student im Masterstudiengang Pädagogik und hat sich für den Schwerpunkt Praxisforschung entschieden. Er schildert Eindrücke aus seinen ersten Monaten an der Alanus Hochschule.

Noch einmal studieren? Nach fast zwanzig Jahren Tätigkeit als Waldorflehrer? Wie soll ich das denn neben meinem üblichen Arbeitspensum schaffen? 

Der Schwerpunkt Pädagogische Praxisforschung machte mich neugierig auf den Masterstudiengang Pädagogik und ich besuchte eine Veranstaltung von Professorin Charlotte Heinritz und Professor Dirk Randoll. Die Sachlichkeit und die Behutsamkeit der Urteilsbildung haben mich damals sehr beeindruckt. Sie standen so sehr im Gegensatz zu manchen Hauruck-Urteilen, an denen ich – Hand aufs Herz – in so mancher hitzigen Konferenz selbst beteiligt gewesen war. Also meldete ich mich an.

Meine Sorge, an den nun folgenden Seminarwochenenden mit wissenschaftlichen Theorien abgefüllt zu werden, erwies sich als unbegründet. Gruppenarbeit und konzeptionelle Eigenarbeit verhinderten dies. Ein Beispiel: Wie lernt man, die Qualität einer empirischen Studie zur 8-jährigen Klassenlehrerzeit an Waldorfschulen zu beurteilen? Bevor wir Allgemeines über Studiendesigns erfuhren, fanden wir uns in einer Gruppe von 4-5 Studierenden wieder – die Teilnehmer sind zwischen 25 und 50 Jahre alt und haben die unterschiedlichsten Bildungs- und Erfahrungshintergründe – mit der Aufgabe, ein eigenes Design zu einer Studie zu entwerfen: Wie würden wir selber vorgehen? Was wäre die Forschungsfrage? Spätestens jetzt setzte für mich ein sehr interessanter Prozess ein: ich hatte zwar keine Ahnung, wie man ein Forschungsdesign entwirft – aber ich kannte das Feld! Und das gab Energie – und Einfälle. 

Die nächste Arbeitseinheit bestand darin, dass uns zu dem gleichen Thema eine tatsächlich durchgeführte Studie vorgelegt wurde, die wir wiederum in den gleichen Gruppen an Hand eines Leitfadens analysieren sollten. Welche Überraschung: Viele der von uns heiß diskutierten Fragen haben die Forscher genauso beschäftigt – und auch andere, die uns völlig verborgen geblieben waren, jetzt aber sofort einleuchteten. Wir machten sogar Stellen ausfindig, an denen die Forscher selbst nicht ganz sauber vorgegangen waren. Anschließend wurden im Plenum alle diese Beobachtungen ausgetauscht. 

Zur Frage „Wie lehrt man das Lehren?“ hat mir das Studium bereits viele konkrete Anregungen gebracht - vor allem in methodischer Hinsicht. Wenn im ersten Schritt die Gruppen- und Einzelaufgaben so gestellt werden, dass sie das latente Wissen und die Erfahrungen der Teilnehmer ansprechen (ein deutlicher Vorteil eines berufsbegleitenden Studiengangs), dann kommt eine ganze Menge in Bewegung und man kommt zu einem positiven Ergebnis in der Gruppe. Der zweite Schritt ist ebenso wesentlich: Was haben andere Forscher und Experten dazu bereits gesagt? Genau auf diese Reihenfolge kommt es an. Der dritte Schritt ist dann ein persönlicher: Wir arbeiten allein zu Hause an unseren blinden Flecken: Warum habe ich diese Aspekte übersehen? Oder diesen überbewertet? Wie sind die Experten an die Sache herangegangen? Warum bin ich nicht darauf gekommen? Und dadurch tritt schließlich eine bleibende Veränderung in der eigenen Betrachtungsweise ein.

Der vollständige Bericht ist in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift Erziehungskunst erschienen.

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