Profil


Kunsttherapie


Im künstlerisch-therapeutischen Prozess, als Dialog zwischen innerer und äußerer Welt, übersetzt der kranke Mensch seine Lebensrealität, seine Erfahrungen und Beziehungen mittels der bildnerischen Gestaltung in einen ästhetischen Kontext.

Die Wirkungen der bildnerischen Prozesse sind sehr vielschichtig. Je nach Krankheit und Persönlichkeit des Patienten entfaltet sich das therapeutische Potential der Kunst in sehr individuellen Ausdrucksformen und bildnerischen Entwicklungswegen.

Kunsttherapeuten begleiten einfühlsam diese Gestaltungsprozesse und helfen, die dem jeweiligen Patienten angemessenen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten zu finden.


Master Kunsttherapie

Das Studium setzt eine bereits vorhandene künstlerische, kunsttherapeutische oder kunstpädagogische Grundqualifikation voraus und entwickelt die therapeutischen Kompetenzen auf der Basis der eigenen künstlerischen Erfahrung. Die für die Berufsausübung erforderlichen Theorie- und Methodenkenntnisse werden mit unmittelbar praktischem Bezug vermittelt.

Spezifisch für den Masterstudiengang an der Alanus Hochschule ist sein integrativer Ansatz. Insbesondere wird der Dialog zwischen den komplementärmedizinisch-anthroposophischen und den schulmedizinisch-psychotherapeutischen Arbeitsformen der Kunsttherapie geführt.


Lesen Sie hier Interviews mit Studierenden des Masters Kunsttherapie

Mitgliedschaft im DFKGT, Vorstellung des Studiengangs im 35. Mitgliederrundbrief des DFKGT, Dezember 2013

Masterstudiengang Kunsttherapie an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft Alfter

Sigrid Völker

Seit 2012 ist auch die Alanus Hochschule Alfter/Bonn mit ihrem Masterstudiengang institutionelles Mitglied im DFKGT. Die Verantwortlichen dieses Studiengangs Prof. Dr. Harald Gruber und Prof. Sigrid Völker sind allerdings schon sehr lange mit dem DFKGT verbunden, berufspolitisch aktiv und vielen auch persönlich bekannt. Alfter als Hochschulort zwischen Köln und Bonn hat sich erst in den vergangenen 5 Jahren so richtig etabliert und wird (wie die Bewerberzahlen zeigen) immer attraktiver. Die Alanus Hochschule ist eine junge Hochschule. Sie wurde 2001 staatlich anerkannt und hat seit dieser Zeit eine besondere Entwicklung vollzogen. Als Kunsthochschule beherbergt sie unter ihrem Dach einen breiten Fächerkanon von Studiengängen der Bildenden Kunst, der Darstellenden Kunst, der Architektur, der Pädagogik, der Therapie und der Betriebswirtschaft. Interdisziplinarität und die Begegnung zwischen Kunst und Wissenschaft werden großgeschrieben, was eine sehr lebendige Studienatmosphäre und oftmals auch die Herausforderung zur Klärung der eigenen Position mit sich bringt. Dieser Anspruch verkörpert sich auch im Namen der Alanus Hochschule, bezieht sie sich doch auf Alanus ab Insulis (ca. 1114 bis 1203), der bereits im Mittelalter die Gemeinschaft  der Sieben Freien Künste lehrte und dem Diskurs zwischen unterschiedlichen Denksystemen und Erkenntnisformen große Bedeutung für die fachliche und persönliche Entwicklung  beimaß.

Kunsttherapie kann man seit 2003 an der Alanus Hochschule studieren, zuerst als Studienschwerpunkt im Rahmen eines Kunststudiums und seit 2007 als eigenständigen Masterstudiengang. Der Gründungsimpuls ging dabei von Dr. Dagmar Wohler aus, die die Kunsttherapie als eine aus der Kunst kommende Therapieform an der Alanus Hochschule einführte und maßgeblich die Aufbauarbeit der ersten Jahre gestaltete. Das therapeutische Modell war zunächst durch die Tradition der anthroposophischen Kunsttherapie geprägt, öffnete sich aber von Beginn an auch anderen kunsttherapeutischen Richtungen. Dieser Dialog zwischen den kunsttherapeutischen Disziplinen wurde immer mehr erweitert und steht heute als Markenzeichen für den besonderen Ansatz der Alanus Hochschule.

Der Masterstudiengang Kunsttherapie ist ein Aufbaustudiengang. Er baut auf einem ersten Hochschulabschluss (z.B. Bachelor oder Diplom) auf, setzt eine fundierte künstlerische Ausbildung voraus und dauert 4 Semester (Vollzeit). Zugang erhält man über ein mehrstufiges Zulassungsverfahren, in dem die künstlerische und soziale Eignung für den Therapieberuf geprüft wird. Sofern die persönlichen Voraussetzungen vorliegen wird das Studium durch das BAföG-Amt gefördert; es beinhaltet aber auch eine monatliche Studiengebühr von 320 €. Pro Jahrgang werden max. 15 Studierende aufgenommen. Der Studiengang ist berufsqualifizierend für Kunsttherapie und endet mit dem akademischen Grad „Master of Arts“. Bisher haben 50 Absolventen den Masterabschluss erreicht.

Kennenlernen kann man die Kunsttherapie an der Alanus Hochschule bereits im 3-jährigen Bachelorstudiengang Kunst-Pädagogik-Therapie. Dieser Studiengang beinhaltet eine intensive und breite künstlerische Ausbildung, kunsttherapeutische „Einblicke“ und ein erstes Eintauchen in die therapeutischen Arbeitsfelder durch ein Praktikum. Er führt allerdings nicht zu einem eigenständigen Abschluss im Fachgebiet Kunsttherapie. Dazu ist noch das ergänzende Studium im Masterstudiengang Kunsttherapie erforderlich.

Wie alle Hochschulausbildungen unterliegen auch die Studiengänge der Alanus Hochschule einer regelmäßigen Evaluation durch die zuständigen Ministerien oder Akkreditierungsagenturen. Die letzte Akkreditierung des Masterprogramms an der Alanus war 2012. Dieser Check up mit Überprüfung des Studienkonzepts (und vor allem seiner tatsächlichen Umsetzung) ist für alle Beteiligten immer sehr aufwändig, gibt aber auch die Gewähr, dass Prozesse lebendig bleiben und Konzepte nicht nur auf dem Papier stehen. Da werden Curricula hinterfragt, die materiellen und personellen Rahmenbedingungen überprüft, Prüfungsordnungen aktualisiert, Studienprozesse vor Ort begutachtet, Lehrende und Studierende befragt usw. usw. In der Regel geschehen derartige Evaluationen aller 5 bis 7 Jahre und führen zu einer kontinuierlichen Anpassung des Studienangebots an aktuelle Entwicklungen. Die jeweiligen Stellungnahmen der Akkreditierungsagenturen werden in einer Kurzfassung öffentlich gemacht und sind in unserem Fall auf der Homepage der AHPGS (www.ahpgs.de) unter Programmakkreditierung, akkreditierte Studiengänge, Alfter, Kunsttherapie, Master of Arts nachzulesen. Diese externe Zertifizierung hat sich als Folge der Umstrukturierung der europäischen Bildungspolitik in den letzten Jahren an fast allen Hochschulen durchgesetzt und schafft durch ihren Bezug zum europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) auch sinnvolle Übergänge zur beruflichen Bildung.

Das Masterprogramm an der Alanus Hochschule legt großen Wert auf eine fundierte künstlerische Grundlegung der Kunsttherapie. Ein Schwerpunkt des Studiums ist deshalb, therapeutische Fragestellungen und die Vermittlung theoretischer Modelle immer wieder an eigene Gestaltungsprozesse anzubinden und theoretische Zusammenhänge aus einer zunehmend differenzierter werdenden Wahrnehmungsperspektive zu entwickeln. Die bereits benannte Diskursivität der jeweiligen theoretischen Modelle ist ein besonderes Anliegen des Studiengangs. Verschiedene Strömungen und Arbeitsformen der Kunsttherapie werden auf dem Hintergrund ihrer jeweiligen Menschenbilder und Entwicklungsmodelle betrachtet und in den Kontext indikationsspezifischer Fragestellungen gestellt. Eine fall- und problembezogene Didaktik ermöglicht, diagnostisches und therapeutisches Wissen patientenorientiert zu erarbeiten und mit Bezug zur eigenen Praxiserfahrung systematisch zu reflektieren. Dabei geht es nicht um die Anhäufung von Wissen über Kunsttherapie und deren Bezugswissenschaften, sondern um Wissensintegration in einem therapeutischen Rollenverständnis. Hier folgt der Studiengang einem Kompetenzmodell (Fachkompetenz, personale Kompetenz, Beziehungskompetenz) wie es für die Psychotherapie (siehe PsychThAppro) entwickelt wurde; inhaltlich angepasst an den Rechtsrahmen für Kunsttherapie und spezifiziert für künstlerisch-therapeutische Fragestellungen und entsprechende Bildprozesse.  

Insgesamt ist das Studium in fünf Studiengebiete gegliedert und schließt mit einer wissenschaftlichen Masterarbeit ab. Die Studienstruktur umfasst 19 Module, deren Inhalte im Modulhandbuch (www.alanus.edu) differenziert beschrieben sind. Folgende Übersicht gibt eine erste Orientierung[1]:

A Schwerpunkt: Kunst und Kunsttherapie (22 credits)

B Schwerpunkt: Medizin, Heilpädagogik und Psychologie (15 credits)

C Schwerpunkt: Theorie und Methodik der Kunsttherapie (29 credits)

D Schwerpunkt: Forschungskompetenz und Praxis der Kunsttherapie (33 credits)

E Schwerpunkt: Ethik, Berufsrecht und Interkulturelle Perspektiven (5 credits)

F Masterarbeit (16 credits)

Die Künstlerischen Therapien als eine noch vergleichsweise junge Fachdisziplin haben sich im letzten Jahrzehnt in verschiedenen psychosozialen Berufsfeldern weiter etabliert und an Bedeutung gewonnen. Gleichzeitig wächst der Bedarf an einer wissenschaftlichen Grundlegung des Fachs als Voraussetzung der berufspolitischen Etablierung. Als Masterprogramm steht der Studiengang dabei in einer besonderen Verantwortung. Ab dem ersten Semester finden deshalb Lehrveranstaltungen statt, die einen differenzierten Überblick über verschiedene Arbeitsformen aktueller kunsttherapeutischer Forschung geben. Die Studierenden werden angeregt, eigenständig Forschungsfragestellungen zu entwickeln und die kunsttherapeutische Praxis als Forschungsprozess systematisch zu erkunden. Insbesondere die Masterarbeiten vertiefen Forschungskompetenzen und fordern zu eigenständigen Forschungsvorhaben auf. Das Promotionsinteresse bei den Absolventen wächst und damit öffnet sich auch eine ganz neue Perspektive für die Kunsttherapie.


[1] 1 credit entspricht 30 Stunden

 
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