Tagung am 2. November 2016: "Unternehmensführung neu gestalten – auf dem Weg zum sozialorganischen Unternehmen"

Impuls der Veranstaltung 

Die Gesellschaft befindet sich in einer großen Transformation. Die Möglichkeiten der Digitalisierung und das immer bewusstere Einfordern von Gestaltungsmöglichkeiten des Einzelnen in Organisationen eröffnen die Möglichkeit für eine neue Sicht auf Unternehmen. An die Stelle einer tradierten Vorstellung von Unternehmen als gut organisierte Maschinen tritt das Bild eines lebendigen sozialen Organismus.

Die Einzelnen suchen miteinander praktische Lösungen auf kurzen Wegen. Es entsteht ein soziales Netz, das sich durch Initiative permanent verwandelt und spontan kundenorientierte Lösungen entwickeln kann.

Diese Form des sich selbst gestaltenden Unternehmens lebt von den Kompetenzen und Fähigkeiten seiner Mitarbeiter. Nur wenn die Einzelnen sich selbst qualifizieren und ein Miteinander entwickeln, gelingt die soziale Innovation: ein sich selbst steuernder Organismus durch gelungenes Zusammenwirken seiner einzelnen Organe.

Auf der Tagung möchten wir uns mit den wesentlichen Prinzipien sozialorganischer Unternehmen befassen und das Thema Selbstführung anhand verschiedener Praxisbeispiele in den Mittelpunkt rücken.

 

Tagungsprogramm

10.00 Uhr Begrüßung und Hinführung - Prof. Dr. Götz E. Rehn

10.15 Uhr Die sieben Prinzipien sich selbst führender Unternehmen - Prof. Dr. Götz E. Rehn

11.15 Uhr Das anständige Unternehmen – Führung und Selbstführung - Dr. Reinhard K. Sprenger

12.30 Uhr Mittagessen

13.30 Uhr OrgaScrabble - Kunsterfahrung mit Liven Quell und Till Stauffer

14.15 Uhr Parallele Workshops:

Ganzheitliche Menschen- und Weltsicht als Führungsaufgabe - Matthias Gasche

Sinn für Sinnhaftigkeit – Paradigmenwechsel in der Sinnfrage - Gerhard Heid & Oliver Groß

Herausforderung der (Selbst-)Führungskultur - Henning Wolf & Nadine Wolf

Gemeinsamkeit leben - Paul Habbel & Andreas Terhoeven

Sozialorganische Entwicklung am Beispiel eines Alnatura Super Natur Marktes - Prof. Dr. Götz E. Rehn & Nicole Tritschler

16.00 Uhr Workshop Essenzen finden und austauschen

17.15 Uhr Ende

 

Referenten

Matthias Gasche ist Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie / Sozialmedizin und begann seine medizinische Tätigkeit im Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Als Chefarzt der psychosomatischen Rehabilitation in Düsseldorf unterstützte er eine Vielzahl von Unternehmen der Region bei der Ausbildung und Entwicklung von Maßnahmen und Behandlungskonzepten zum betrieblichen Gesundheitsmanagement. In erster Linie geht es in allen diesen Konzepten um eine Reduktion psychischer Belastungen in der Arbeitswelt. Ab dem 04.10.2016 ist Herr Gasche als leitender Arzt in der Heiligenfeld GmbH beschäftigt.

Oliver Groß arbeitet seit 2015 für den ökologischen Wasch- und Reinigungsmittelhersteller Sonett und ist unter anderem für Personalthemen verantwortlich. Er studierte Sportwissenschaften mit Spezialisierung auf Psychologie, Teambuilding und kognitive Architektur von Bewegung in Deutschland, Frankreich und China. Als Geschäftsführer des Rotonda Business-Club in Köln war er insbesondere für die Organisation von Veranstaltungen zum Thema alternativen Wirtschaftens verantwortlich.

Paul Habbel ist Geschäftsführer der Gutmann Aluminium Draht GmbH und fördert seit 2009 die Selbstverantwortung, Ganzheit und Sinnhaftigkeit in seinem Unternehmen und der Region. Seit einem Jahr arbeitet das Unternehmen völlig hierarchiefrei und setzt damit seinen erfolgreichen und sinnerfüllten Weg weiter fort.

Gerhard Heid übernahm 1992, nach verschiedenen Tätigkeiten in der Pharmaindustrie und in anthroposophischen Einrichtungen für Heilpädagogik und Sozialtherapie, zusammen mit Beate Oberdorfer die Firma Sonett als geschäftsführender Gesellschafter. 2014 wurden die Geschäftsanteile von Sonett an die Freie Stiftung Sonett übertragen.

Prof. Dr. Götz E. Rehn gründete 1984 die Alnatura Produktions- und Handels GmbH, deren Geschäftsführer er bis heute ist. 2007 wurde er zum Honorarprofessor am Fachbereich Wirtschaft der Alanus Hochschule berufen. Dort leitet er das von ihm gegründete Institut für Sozialorganik.

Dr. Reinhard K. Sprenger ist Führungsexperte und Autor mehrerer Bestseller der modernen Managementliteratur. Seine Bücher Mythos Motivation, Das Prinzip Selbstverantwor­tung, Aufstand des Individuums und Vertrauen führt haben das Führungsver­ständnis vieler Manager nachhaltig verändert. Als einer der wichtigsten Vordenker der Wirtschaft berät er nahezu alle DAX-100-Unternehmen.

Andreas Terhoeven ist holistischer Organisationsberater und Coach für holistische Persönlichkeitsentwicklung für Verantwortungsträger und Krisensituationen. Seit 2004 begleitet er Menschen und Organisationen auf der Basis des Genuine Contact-Ansatzes in Veränderungsprozessen ihre Wahrheit zu finden. Herzschlag seiner Arbeit ist die Aktivierung des „ganzen“ Menschen - mental, emotional, energetisch und intuitiv (spirituell) - sowie Sinn und Visionsorientierte Prozesse und die Förderung der Selbsterantwortung der Beteiligten.

Nicole Tritschler war Filialleiterin des Alnatura Super Natur Marktes in Weil am Rhein, bis sie im Herbst 2015 damit begann, die Leitungsfunktion selbst abzuschaffen. Seitdem ist sie als ‚Beauftragte für sozialorganische Unternehmensentwicklung‘ bei Alnatura tätig. Sie studiert den Masterstudiengang ‚Wirtschaft neu denken‘ berufsbegleitend an der Alanus Hochschule und beschäftigt sich derzeit hauptsächlich mit sozialorganischen Ideen und deren Entwicklung im Filialvertriebsnetz von Alnatura.

Henning Wolf hat 2005 die it-agile GmbH zusammen mit 10 Kollegen gegründet. Er ist formal Geschäftsführer und  behauptet von sich, keine Entscheidungen als Geschäftsführer zu treffen. Er arbeitet als Trainer und Management-Berater für Scrum und Kanban.

Nadine Wolf arbeitet seit 2011 bei it-agile, zunächst als Moneypenny, heute im Marketing. Sie hat eine Friseurlehre, ein BWL-Studium und eine Ausbildung zum Systemischen Coach absolviert. Sie interessiert sich insbesondere für Verbesserungsprozesse in ihrem Arbeitsbereich, also für die Verwendung agiler Methoden in Verwaltung, Marketing und Organisation. 

Moderation

Dr. Christian Kemper, inbetweener.eu, arbeitet begeistert mit großen (oder kleinen) Gruppen und ist sensibler und klarer Begleiter, wenn es um das Einbinden des gesamten Systems und das Erkunden vielfältiger Potenziale geht. Als Facilitator öffnet und gestaltet er Räume, in denen Menschen genau zu dem kommen, was für sie selbst, ihre Organisation und ihre weitere Zukunft wesentlich ist.

 

Weitere Informationen und Anmeldung

Die Tagung findet am 2. November 2016 von 10 bis 17.15 Uhr im Foyer an Campus II der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn statt. Weitere Infos zur Anreise finden Sie hier.

Tagungsbeitrag

240 Euro

120 Euro für Förderer des Instituts für Sozialorganik

20 Euro für Mitarbeiter der Alanus Hochschule und Studierende

Bei Fragen rund um die Veranstaltung können Sie Herrn Daniel Pauw kontaktieren.

Sie können sich >>>hier<<< verbindlich zur Tagung und den Workshops anmelden (kostenpflichtig).

Nach Bearbeitung Ihrer Anmeldung erhalten Sie in Kürze eine Anmeldebestätigung und Rechnung. Geben Sie bitte an, wenn Sie eine vergünstigte Teilnahme wünschen (Studierende, Angehörige der Alanus Hochschule und Bausteinpartner des Instituts).

"Eigentum neu denken - sozialorganische Ideen für einen sinnvollen Umgang mit Eigentum und Kapital" - Rückblick auf die Tagung vom 27. Juni 2016

Rund 100 Interessierte aus Wirtschaft und Wissenschaft nahmen am 27. Juni 2016 an der Tagung „Eigentum neu denken – sozialorganische Ideen für einen sinnvollen Umgang mit Eigentum und Kapital“ des Instituts für Sozialorganik an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter teil. Neben der Entwicklung von Unternehmen hin zu mehr Eigenverantwortung und Selbstorganisation, gewinnt die Frage nach der sinnvollen Verteilung und Strukturierung von Eigentum und Kapital zunehmend an Bedeutung. Auf der Tagung haben sich die Referenten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gemeinsam mit der Frage beschäftigt, wie Eigentum und Kapital neu gedacht werden können, so dass ein sinnvolles Gestaltungspotenzial entfaltet werden kann und verantwortungsvolles Handeln des Einzelnen im Sinne der Gemeinschaft ermöglicht wird.

In seiner Begrüßung arbeitet Prof. Dr. Götz E. Rehn, Leiter des Instituts für Sozialorganik an der Alanus Hochschule und Gründer sowie Geschäftsführer von Alnatura, heraus, warum es wichtig ist, sich mit dem modernen Verständnis und dem heutigen Umgang mit Eigentum zu beschäftigen. Dazu blickt Herr Rehn auf die verschiedenen Möglichkeiten, mit Eigentum umzugehen und stellt die Relevanz und Tragweite einer sinnvollen Form der Nachfolge im Unternehmen heraus.

Armin Steuernagel, u.a. Gründer von Mogli, Universnatur und der Purpose-Stiftung, und Philipp Hummel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialorganik, blicken in ihrem Beitrag „Warum wir Eigentum neu denken müssen“ auf das moderne Eigentumsverständnis und die Herausforderungen und Probleme, die der heutige Umgang mit Eigentum mit sich bringt. Dazu charakterisiert Herr Steuernagel gemeinsam mit den Teilnehmern den Begriff des Eigentums und arbeitet anschließend verschiedene Problematiken heraus, die mit dem modernen Verständnis von Eigentum einhergehen. Darauf aufbauend skizziert Herr Hummel die gegensätzlichen Vorstellungen von Eigentum des Liberalismus und des Sozialismus und arbeitet Impulse heraus, wie Eigentum neu gedacht werden kann. Ziel dabei ist es, Verhältnisse zu schaffen, die sowohl freiheitsfähig, als auch gemeinschaftsverträglich sind. 

In dem Beitrag Eigentum neu gedacht stellen mehrere Unternehmer ihr Verständnis und ihren Umgang mit Eigentum und Kapital vor. Herr Rehn und Stella Eichhorst, Leiterin Recht und Nachhaltigkeit bei Alnatura, stellen das Doppelstiftungsmodell, eine Verbindung einer Familienstiftung und einer gemeinnützigen Stiftung, als Möglichkeit eines sozialorganischen Umgangs mit Eigentum vor. Dabei wird betont, dass auch dieses Modell nur eine Annäherung an ein neues Eigentumsverständnis darstellt. Thomas Bruch, Geschäftsführer von Globus, stellt die Eigentumsstrukturen und den Umgang mit Eigentum in dem Familienunternehmen vor. Im Anschluss stellt Bernd Oestereich, Experte, Trainer und Coach für kollegial geführte Organisationen bei next U, den Weg des Unternehmens Oose von einer hierarchischen Organisation bis hin zur Genossenschaft in Mitarbeiterhand vor. Herr Steuernagel erläutert das Modell der Purpose Stiftung, das Unternehmen dabei unterstützt, eine neue Eigentumsstruktur zu etablieren. Dabei geht er beispielshaft auf das Unternehmen Triaz ein, das gerade einen solchen Prozess zur Umwandlung des Eigentums in Purpose Ownership vornimmt. Herr Czesla, Geschäftsführer von s-inn Beteiligungen, betont, dass es bei all den Modellen und Strukturen von Eigentum letztlich darauf ankommt, mit welcher inneren Haltung und mit welchem Welt- und Menschenbild die Gemeinschaft im Unternehmen handelt.

Die aufgegriffenen Themen werden am Nachmittag in parallelen Workshops vertieft und diskutiert. In dem Workshop „Familienunternehmen 2.0 – wie das Unternehmen mit einem neuen Eigentumsverständnis geführt werden kann und was das für die Nachfolge bedeutet“ diskutieren Herr Bruch und Herr Rehn mit den Teilnehmern Umsetzungsmöglichkeiten, Hindernisse und Risiken des Doppelstiftungsmodells. 

In dem Workshop zu „Chancen und Risiken auf dem Weg zum kollegial-selbstgeführten Unternehmen“ vertieft Herr Oestereich seine Erlebnisse bei der Umwandlung des Unternehmens Oose in eine Genossenschaft in Mitarbeiterhand und berichtet von seinen Erfahrungen als Berater in solchen Prozessen. 

Herr Steuernagel geht in seinem Workshop „Pionierunternehmen umwandeln in Purpose Ownership. Von der Blutsverwandtschaft zur Fähigkeiten- und Werteverwanschaft. Einblicke in einen gerade lauzfenden Prozess“ genauer auf das Purpose Modell von Triaz ein.

Welche Haltung und welche Fähigkeiten brauchen Menschen, die Eigentum verwalten wollen?“ Diese Frage diskutiert Herr Czesla mit den Teilnehmern in seinem Workshop. Dabei arbeitet er die Rolle von Menschen in Organisationen heraus und zeigt auf, wie die Entwicklung des Menschen zur Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft gefördert werden kann.

In dem Beitrag „Eigentum als gesellschaftliche Bewegung“ arbeitet Herr Steuernagel anschließend Probleme und Hindernisse heraus, die durch ein tradiertes Verständnis von Eigentum gefördert werden.

In einem abschließenden Austausch werden die Ergebnisse der Workshops gemeinsam reflektiert und konkrete Handlungsfragen besprochen. Gerald Häfner, Politiker und Leiter der Sektion für Sozialwissenschaften am Goetheanum in Dornach, stellt die Frage nach einem sinnvollen Eigentumsverständnis als die zentrale Frage des 20. Jahrhunderts heraus, die in der Spannung zwischen Sozialismus und Liberalismus bisher jedoch ungelöst geblieben ist.

Die Jahrestagung des Instituts für Sozialorganik „Unternehmensführung neu gestalten – auf dem Weg zum sozialorganischen Unternehmen“ findet am 2. November 2016 wieder an der Alanus  Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn statt.

Die Videoaufzeichnungen ausgewählter Beiträge der Tagung finden Sie hier auf unserem youtube-Kanal.

 
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