Tagung am 8. November 2017: Selbst-Führung und sozialorganische Unternehmensgestaltung

 

Impuls der Veranstaltung 

Angetrieben durch Digitalisierung und wachsende Marktdynamiken stehen Unternehmen zunehmend vor der Herausforderung, sich neu dezentral zu organisieren, um schneller kreative Leistungen für Kunden zu entwickeln. Gleichzeitig fordern immer mehr Mitarbeiter eine Unternehmenskultur, die stärker auf Elemente der Selbstorganisation und Sinnstiftung setzt. Das frühere Idealbild einer gut geölten „Unternehmensmaschine“ weicht heute der Vorstellung von einem lebendigen sozialen Organismus, der von den Akteuren bewusst gestaltet wird.

Die Herausforderungen und Bedingungen haben sich in den vergangenen Jahren so sehr verändert, dass klassische Führungsmodelle zunehmend unwirksam werden und der Wunsch nach neuen Formen der Zusammenarbeit wächst. So entsteht aktuell ein „Vakuum der Organisationsführung“, das durch neue Ansätze gefüllt wird, die verstärkt auf die Selbstführung und -verantwortung der Arbeitsgemeinschaft durch die Mitarbeitenden setzen. 

Die Entwicklungen der Arbeitswelt verlangen daher nicht nur nach neuen Organisationsmodellen, sondern insbesondere auch nach neuen Haltungen und Kompetenzen des Einzelnen. Im Spannungsfeld zwischen individuellen Vorstellungen, neuer Handlungsfreiheit und den Zielen des Unternehmens gewinnt die Fähigkeit „sich selbst zu führen“ zunehmend an Bedeutung.

Gemeinsam möchten wir auf unserer Tagung mit Vordenkern aus Praxis, Bildung und Wissenschaft sowie Vertretern mutiger Pionierunternehmen diskutieren, wie die soziale Innovation gelingen kann. Hierzu laden wir Sie herzlich ein.

 

Tagungsprogramm

10.00 Uhr Begrüßung und Hinführung

10.15 Uhr Keynotes

Selbst-Entwicklung und Unternehmensevolution
Prof. Dr. Götz E. Rehn

Einführung kollegialer Führungsprinzipien
Bernd Oesereich

Corporate liberation: Its concepts, leaders, and massive movement
Prof. Dr. Isaac Getz

12.00 Uhr Mittagessen

13.00 Uhr Künstlerische Erfahrung mit Annemarie Ehrlich

13.45 Uhr Parallele Workshops

Agiles Management bei HEMA – Revolution auf Schwäbisch!
Marco Niebling

Wie man ein Unternehmen komplett zerlegt und als selbststeuernden Organismus neu erfindet
Markus Stelzmann

BI@OTTO – Versöhnung zwischen Lean und Agil
Conny Dethloff

Welche Aufgaben hat Führung im Rahmen der Selbstorganisation und wie kann dieses Führungsverständnis gelebt werden?
Caroline Treier

Sozialorganik bei Alnatura – Ein Blick in die Werkstatt
Götz E. Rehn, Joachim Schledt & Nicole Tritschler

15.45 Uhr Workshop-Essenzen: Vernetzung der Vielfalt und Kompetenz

17.15 Uhr Ende

Moderation der Veranstaltung: Sandra-Maria Breuer

 

Informationen zu Referenten und Workshops

Conny Dethloff ist Abteilungsleiter im Bereich Projekt- und Datenmanagement bei OTTO Business Intelligence. In seinem Workshop wird er berichten, wie der Bereich Business Intelligence sich umorganisiert hat, um schneller und nachhaltiger Mehrwerte zu generieren und dabei auf zwei oft vergessene Gedankengebäude eingehen: die Theory of Constraints (ToC) von Eliyahu Goldratt und das Viable System Model (VSM) von Stafford Beer. Welche Erfolge dabei gefeiert wurden, aber auch welche Fehler auf dieser Reise unterlaufen sind, erfahren Sie in „diesem“ Workshop.

Annemarie Ehrlich, geboren 1926 in der sozialen Arbeitsgemeinschaft in Berlin, gründete 1966 die Akademie für Eurythmie in Den Haag und 1986 das „Institut für Eurythmie im Arbeitsleben“. Die „Grand Dame“ der Betriebseurythmie ist seit knapp 40 Jahren im In- und Ausland in Betrieben und Seminaren tätig.

Prof. Dr. Isaac Getz ist Professor für „Leadership and Innovation“ an der ESCP Europe Business School in Paris und war als Gastdozent an den Universitäten in Standford, Massachusetts und Cornell tätig. Isaac Getz studierte in den letzten Jahren über 300 Organisationen in 30 Ländern und veröffentlichte unter anderem Forschungsarbeiten zu Themen der Innovation, Führung, Unternehmenstransformation, Mitarbeiterengagement sowie Freiheits- und Verantwortungskultur. Im Jahre 2009 erschien sein gemeinsam mit Brian Carney verfasstes Buch „Freedom, Inc.: How Corporate Liberation Unleashes Employee Potential and Business Performance” das über Jahre ein Topseller war und inzwischen auf mehrere Sprachen übersetzt wurde.

Marco Niebling arbeitet seit 2012 als Leiter für das Projektmanagement bei der Heermann Maschinenbau GmbH. Als ausgebildeter Industriemechaniker, Industriekaufmann, Dipl. Wirtschaftsingenieur und systemischer Coach war er maßgeblich daran beteiligt agiles Projektmanagement bei HEMA einzuführen und als Führungskraft Mitarbeiter zu befähigen, eigenverantwortlich und eigeninitiativ zu handeln. HEMA wurde für die erfolgreiche Umsetzung 2015 mit dem Xing New Work Award ausgezeichnet. Im Workshop wird Marco Niebling Einblicke geben, wie das 90 Jahre alte Familienunternehmen etablierte Strukturen über den Haufen geworfen und sich in kleinen, agilen Teams neu organisiert hat.

Bernd Oestereich ist Berater, Coach und Impulsgeber für kollegial geführte Organi­sationen mit über 20 Jahren Erfahrung als Unternehmer. Er ist Autor zahlreicher, teilweise inter­national verlegter Fachbücher. In seiner Keynote berichtet er von Herausforderungen und Einsichten aus der Praxis und geht auf die Frage ein, wie sich moderne Führungs- und Organisationsprinzipien in ganz durchschnittlichen Unternehmen mit ganz normalen Mitarbeitern praktizieren lassen.

Prof. Dr. Götz E. Rehn gründete 1984 die Alnatura Produktions- und Handels GmbH, deren Geschäftsführer er bis heute ist. 2007 wurde er zum Honorarprofessor am Fachbereich Wirtschaft der Alanus Hochschule berufen. Dort leitet er das von ihm gegründete Institut für Sozialorganik.

Joachim Schledt ist seit 2008 Personalleiter beim Biolebensmittelhändler Alnatura. Vorher war er knapp drei Jahre als Director Human Resources bei Valeant für die Personalarbeit in der DACH-Region sowie in 12 osteuropäischen Ländern verantwortlich. Sein Personalhandwerk erlernte Schledt in knapp acht Jahren in verschiedenen Funktionen beim Personaldienstleister DIS AG. Joachim Schledt ist als 1. Vorsitzender der Selbst-GmbH auch Vorstandsmitglied der Zukunftsallianz Arbeit und Gesellschaft.

Markus Stelzmann ist 2011 von Deutschland nach Wien zu TELE Haase Steuergeräte als Consultant für Change Management gegangen. Seit 2013 ist er operativer Regisseur bei TELE und federführender Co-Gestalter von Firmeneigentümer Christoph Haase bei der Entwicklung des „Unternehmens der Zukunft“ und des Simply Open Konzepts. Als „Smart Factory“ ist TELE ein Innovationslabor für verknüpfte Technologien und produziert Technologielösungen für Branchen wie Maschinen- und Anlagenbau, Erneuerbare Energien oder Water & Waste. Die TELE-Organisationskultur ist frei von klassischen Hierarchien, wodurch der nötige Freiraum für eigenverantwortliches Engagement und außergewöhnliche Ideen entsteht. Im Workshop erhalten die Teilnehmer Einblicke in den Entwicklungsprozess und erfahren, wie TELE ihr „Simply Open“ Konzept umsetzen.

Caroline Treier leitet seit August 2016 die Evangelischen Schule Berlin Zentrum (ESBZ) und hat die Entwicklung der Schule von Anfang an in unterschiedlichen Rollen und Funktionen mitgestaltet. Sie ist Hauptschullehrerin, Lerntherapeutin, Prozessbegleiterin für Bildungsinstitutionen und hat u.a. eine Weiterqualifizierung im Systemischen Führen sowie Gewaltfreier Kommunikation absolviert. In ihrem Workshop gibt sie Einblicke in die Grundprinzipien der Selbstorganisation und geht auf die Frage ein, welche Rolle Führung an einer Bildungs-Insitution, die von sich behauptet, sie wäre zukunftweisend hat. 

Nicole Tritschler war Filialleiterin des Alnatura Super Natur Marktes in Weil am Rhein, bis sie im Herbst 2015 damit begann, die Leitungsfunktion selbst abzuschaffen. Sie studiert derzeit den Masterstudiengang ‚Wirtschaft neu denken‘ berufsbegleitend an der Alanus Hochschule.

 

Weitere Informationen und Tagungsbeitrag

Die Tagung findet am 8. November 2017 von 10 bis 17.15 Uhr im Foyer an Campus II der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn statt. Weitere Infos zur Anreise finden Sie hier.

Der Tagungsbeitrag ist wie folgend gestaffelt:

190 Euro

95 Euro für Förderer des Instituts für Sozialorganik

20 Euro für Mitarbeiter der Alanus Hochschule und Studierende

Bei Fragen rund um die Veranstaltung können Sie sich gerne bei Herrn Daniel Pauw melden.

 

Anmeldung

>> Verbindlich zur Tagung anmelden können Sie sich hier. <<

Nach Bearbeitung Ihrer Anmeldung erhalten Sie in Kürze eine Anmeldebestätigung und Rechnung. Geben Sie bitte an, wenn Sie eine vergünstigte Teilnahme wünschen (Studierende/Angehörige der Alanus Hochschule und Bausteinpartner des Instituts).

„Unternehmensführung neu gestalten – auf dem Weg zum sozialorganischen Unternehmen“ - Rückblick auf die Tagung des Instituts für Sozialorganik vom 2.11.2016

Über 200 Interessierte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst nahmen am 02. November 2016 an der Tagung „Unternehmensführung neu gestalten – auf dem Weg zum sozialorganischen Unternehmen“ des Instituts für Sozialorganik an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn teil.

Nach der Begrüßung und einem sozialen Einstieg durch den Moderator Dr. Christian Kemper arbeitete Prof. Dr. Götz E. Rehn, Leiter des Instituts für Sozialorganik sowie Gründer und Geschäftsführer von Alnatura, in seinem Vortrag „Die sieben Prinzipien sich selbst führender Unternehmen“ die wesentlichen Prinzipien und die dazugehörigen Haltungen sozialorganischer Unternehmen heraus. Ausgehend von einem Veränderungsdruck, der von Außen und von Innen auf Unternehmen wirkt, argumentiert Herr Rehn, dass Wirtschaft und Zusammenarbeit neu gedacht werden müssen. Zentral ist für ihn dabei die Beziehung des sozialen Organismus zu einem konkreten Sinn und dem Interesse daran, in der Welt sinnvolles zu gestalten.  Weitere Prinzipien die er aufführt sind die Ich-Entwicklung und Übernahme von Verantwortung, ganzheitliches Denken, Kundenorientierung, das Agieren im Netzwerk, Struktur-formen sowie ein evolutionäres Verständnis von Entwicklung. Herr Rehn bezieht sich dabei auf Beispiele aus der Unternehmenspraxis von Alnatura, insbesondere von einer Filiale, in der die Prinzipien in weiten Teilen schon gelebt werden.

Im anschließenden Vortrag „Das anständige Unternehmen – Führung und Selbstführung“ geht Dr. Reinhard K. Sprenger, Führungsexperte und Management-Autor, auf die Chancen und Herausforderungen von Führung und Selbstführung ein. In einer philosophischen Betrachtung beleuchtet er den Konflikt zwischen Individuum und Institution und folgert, dass letztlich der Mensch der „harte Faktor“ sei, der über Erfolg und Misserfolg von Organisationen entscheide. Im Folgenden thematisiert er vor allem noch die Fähigkeit, mit Mehrdeutigkeit umzugehen und so von einem „entweder-oder“ zu einem „sowohl-als-auch“ bzw. zu einer „und“-Logik zu kommen. Als Beispiel führt er auf, dass es organisationale Praktiken gibt, die innerhalb einer Organisation sinnvoll erscheinen und gleichzeitig außerhalb als sinnlos erachtet werden. Bewertungen und Wahrheiten werden somit immer zur Frage der Perspektive. Demnach geht es dann darum, den Anderen in seiner Andersartigekiet anzuerkennen und sich über die gegenseitige, wechselseitige Beinflussung von Menschen bewusst zu werden.

In der gemeinsamen Kunsterfahrung „OrgaScrabble“ mit Liven Quell und Till Stauffer vom Institut für angewandte Zukunft, erleben die Teilnehmer/innen, wie sie als Gruppe selbstorganisiert nach dem „Scrabble-Prinzip“ verschiedene, kreative Wortschöpfungen bilden. Es wird deutlich, dass sich immer wieder neue Strukturen bilden, von denen sich einige nach dem „Try-and-Error-Prinzip“ verfestigen, während sich andere immer wieder aufs Neue weiterentwickeln oder auflösen. Fließende Kommunikation und der Wechsel zwischen einem Fokus auf Details („Welcher Buchstabe wird hier noch benötigt?“) und einem Fokus auf Übersicht („Welche Buchstaben haben wir insgesamt noch zur Verfügung?“) führen schließlich zu einer Vielzahl an Begriffen, die alle über einzelne Buchstaben miteinander verbunden sind.

Anschließend diskutieren die Teilnehmer in fünf parallel stattfindenden Workshops mit Vertretern verschiedener Pionierunternehmen. Neben it-agile (Henning und Nadine Wolf), den Heiligenfeld Kliniken (Matthias Gasche), Gutmann Aluminum Draht (Paul Habbel und Andreas Terhoeven) sind auch die Unternehmen Sonett (Gerhard Heid und Oliver Groß) und Alnatura (Götz E. Rehn und Nicole Tritschler) mit Referenten, die von Praxisbeispielen der Selbstorganisation berichten, vertreten. Zentrale Erkenntnisse der Workshopteilnehmer/innen finden sich in den Aufzeichnungen des von Amelie Vesper angefertigten „Graphic Recording“ wieder, die auch weiter unten in den Bildern der Tagung zu finden sind. Zum Abschluss tauschen sich jeweils Teilnehmende aus unterschiedlichen Workshops in einer moderierten Zusammenführung darüber aus, welche Quintessenzen sie von dem Tag für sich mitnehmen können. Exemplarisch werden einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Herrn Kemper interviewt, bevor Herr Rehn sich nochmal bei allen Mitwirkenden bedankt und die Tagungsgäste verabschiedet.


Die nächste Jahrestagung des Instituts für Sozialorganik findet am 8. November 2017 wieder an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn statt. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich diesen Termin vormerken.

Die Videoaufzeichnungen der Beiträge dieser und anderer Jahrestagungen finden Sie hier auf unserem youtube-Kanal.

"Eigentum neu denken - sozialorganische Ideen für einen sinnvollen Umgang mit Eigentum und Kapital" - Rückblick auf die Tagung vom 27. Juni 2016

Rund 100 Interessierte aus Wirtschaft und Wissenschaft nahmen am 27. Juni 2016 an der Tagung „Eigentum neu denken – sozialorganische Ideen für einen sinnvollen Umgang mit Eigentum und Kapital“ des Instituts für Sozialorganik an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter teil. Neben der Entwicklung von Unternehmen hin zu mehr Eigenverantwortung und Selbstorganisation, gewinnt die Frage nach der sinnvollen Verteilung und Strukturierung von Eigentum und Kapital zunehmend an Bedeutung. Auf der Tagung haben sich die Referenten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gemeinsam mit der Frage beschäftigt, wie Eigentum und Kapital neu gedacht werden können, so dass ein sinnvolles Gestaltungspotenzial entfaltet werden kann und verantwortungsvolles Handeln des Einzelnen im Sinne der Gemeinschaft ermöglicht wird.

In seiner Begrüßung arbeitet Prof. Dr. Götz E. Rehn, Leiter des Instituts für Sozialorganik an der Alanus Hochschule und Gründer sowie Geschäftsführer von Alnatura, heraus, warum es wichtig ist, sich mit dem modernen Verständnis und dem heutigen Umgang mit Eigentum zu beschäftigen. Dazu blickt Herr Rehn auf die verschiedenen Möglichkeiten, mit Eigentum umzugehen und stellt die Relevanz und Tragweite einer sinnvollen Form der Nachfolge im Unternehmen heraus.

Armin Steuernagel, u.a. Gründer von Mogli, Universnatur und der Purpose-Stiftung, und Philipp Hummel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialorganik, blicken in ihrem Beitrag „Warum wir Eigentum neu denken müssen“ auf das moderne Eigentumsverständnis und die Herausforderungen und Probleme, die der heutige Umgang mit Eigentum mit sich bringt. Dazu charakterisiert Herr Steuernagel gemeinsam mit den Teilnehmern den Begriff des Eigentums und arbeitet anschließend verschiedene Problematiken heraus, die mit dem modernen Verständnis von Eigentum einhergehen. Darauf aufbauend skizziert Herr Hummel die gegensätzlichen Vorstellungen von Eigentum des Liberalismus und des Sozialismus und arbeitet Impulse heraus, wie Eigentum neu gedacht werden kann. Ziel dabei ist es, Verhältnisse zu schaffen, die sowohl freiheitsfähig, als auch gemeinschaftsverträglich sind. 

In dem Beitrag Eigentum neu gedacht stellen mehrere Unternehmer ihr Verständnis und ihren Umgang mit Eigentum und Kapital vor. Herr Rehn und Stella Eichhorst, Leiterin Recht und Nachhaltigkeit bei Alnatura, stellen das Doppelstiftungsmodell, eine Verbindung einer Familienstiftung und einer gemeinnützigen Stiftung, als Möglichkeit eines sozialorganischen Umgangs mit Eigentum vor. Dabei wird betont, dass auch dieses Modell nur eine Annäherung an ein neues Eigentumsverständnis darstellt. Thomas Bruch, Geschäftsführer von Globus, stellt die Eigentumsstrukturen und den Umgang mit Eigentum in dem Familienunternehmen vor. Im Anschluss stellt Bernd Oestereich, Experte, Trainer und Coach für kollegial geführte Organisationen bei next U, den Weg des Unternehmens Oose von einer hierarchischen Organisation bis hin zur Genossenschaft in Mitarbeiterhand vor. Herr Steuernagel erläutert das Modell der Purpose Stiftung, das Unternehmen dabei unterstützt, eine neue Eigentumsstruktur zu etablieren. Dabei geht er beispielshaft auf das Unternehmen Triaz ein, das gerade einen solchen Prozess zur Umwandlung des Eigentums in Purpose Ownership vornimmt. Herr Czesla, Geschäftsführer von s-inn Beteiligungen, betont, dass es bei all den Modellen und Strukturen von Eigentum letztlich darauf ankommt, mit welcher inneren Haltung und mit welchem Welt- und Menschenbild die Gemeinschaft im Unternehmen handelt.

Die aufgegriffenen Themen werden am Nachmittag in parallelen Workshops vertieft und diskutiert. In dem Workshop „Familienunternehmen 2.0 – wie das Unternehmen mit einem neuen Eigentumsverständnis geführt werden kann und was das für die Nachfolge bedeutet“ diskutieren Herr Bruch und Herr Rehn mit den Teilnehmern Umsetzungsmöglichkeiten, Hindernisse und Risiken des Doppelstiftungsmodells. 

In dem Workshop zu „Chancen und Risiken auf dem Weg zum kollegial-selbstgeführten Unternehmen“ vertieft Herr Oestereich seine Erlebnisse bei der Umwandlung des Unternehmens Oose in eine Genossenschaft in Mitarbeiterhand und berichtet von seinen Erfahrungen als Berater in solchen Prozessen. 

Herr Steuernagel geht in seinem Workshop „Pionierunternehmen umwandeln in Purpose Ownership. Von der Blutsverwandtschaft zur Fähigkeiten- und Werteverwanschaft. Einblicke in einen gerade lauzfenden Prozess“ genauer auf das Purpose Modell von Triaz ein.

Welche Haltung und welche Fähigkeiten brauchen Menschen, die Eigentum verwalten wollen?“ Diese Frage diskutiert Herr Czesla mit den Teilnehmern in seinem Workshop. Dabei arbeitet er die Rolle von Menschen in Organisationen heraus und zeigt auf, wie die Entwicklung des Menschen zur Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft gefördert werden kann.

In dem Beitrag „Eigentum als gesellschaftliche Bewegung“ arbeitet Herr Steuernagel anschließend Probleme und Hindernisse heraus, die durch ein tradiertes Verständnis von Eigentum gefördert werden.

In einem abschließenden Austausch werden die Ergebnisse der Workshops gemeinsam reflektiert und konkrete Handlungsfragen besprochen. Gerald Häfner, Politiker und Leiter der Sektion für Sozialwissenschaften am Goetheanum in Dornach, stellt die Frage nach einem sinnvollen Eigentumsverständnis als die zentrale Frage des 20. Jahrhunderts heraus, die in der Spannung zwischen Sozialismus und Liberalismus bisher jedoch ungelöst geblieben ist.

Die Jahrestagung des Instituts für Sozialorganik „Unternehmensführung neu gestalten – auf dem Weg zum sozialorganischen Unternehmen“ findet am 2. November 2016 wieder an der Alanus  Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn statt.

Die Videoaufzeichnungen ausgewählter Beiträge der Tagung finden Sie hier auf unserem youtube-Kanal.

 
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