„Unternehmensführung neu gestalten – auf dem Weg zum sozialorganischen Unternehmen“ - Rückblick auf die Tagung des Instituts für Sozialorganik vom 2.11.2016

Über 200 Interessierte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst nahmen am 02. November 2016 an der Tagung „Unternehmensführung neu gestalten – auf dem Weg zum sozialorganischen Unternehmen“ des Instituts für Sozialorganik an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn teil.

Nach der Begrüßung und einem sozialen Einstieg durch den Moderator Dr. Christian Kemper arbeitete Prof. Dr. Götz E. Rehn, Leiter des Instituts für Sozialorganik sowie Gründer und Geschäftsführer von Alnatura, in seinem Vortrag „Die sieben Prinzipien sich selbst führender Unternehmen“ die wesentlichen Prinzipien und die dazugehörigen Haltungen sozialorganischer Unternehmen heraus. Ausgehend von einem Veränderungsdruck, der von Außen und von Innen auf Unternehmen wirkt, argumentiert Herr Rehn, dass Wirtschaft und Zusammenarbeit neu gedacht werden müssen. Zentral ist für ihn dabei die Beziehung des sozialen Organismus zu einem konkreten Sinn und dem Interesse daran, in der Welt sinnvolles zu gestalten.  Weitere Prinzipien die er aufführt sind die Ich-Entwicklung und Übernahme von Verantwortung, ganzheitliches Denken, Kundenorientierung, das Agieren im Netzwerk, Struktur-formen sowie ein evolutionäres Verständnis von Entwicklung. Herr Rehn bezieht sich dabei auf Beispiele aus der Unternehmenspraxis von Alnatura, insbesondere von einer Filiale, in der die Prinzipien in weiten Teilen schon gelebt werden.

Im anschließenden Vortrag „Das anständige Unternehmen – Führung und Selbstführung“ geht Dr. Reinhard K. Sprenger, Führungsexperte und Management-Autor, auf die Chancen und Herausforderungen von Führung und Selbstführung ein. In einer philosophischen Betrachtung beleuchtet er den Konflikt zwischen Individuum und Institution und folgert, dass letztlich der Mensch der „harte Faktor“ sei, der über Erfolg und Misserfolg von Organisationen entscheide. Im Folgenden thematisiert er vor allem noch die Fähigkeit, mit Mehrdeutigkeit umzugehen und so von einem „entweder-oder“ zu einem „sowohl-als-auch“ bzw. zu einer „und“-Logik zu kommen. Als Beispiel führt er auf, dass es organisationale Praktiken gibt, die innerhalb einer Organisation sinnvoll erscheinen und gleichzeitig außerhalb als sinnlos erachtet werden. Bewertungen und Wahrheiten werden somit immer zur Frage der Perspektive. Demnach geht es dann darum, den Anderen in seiner Andersartigekiet anzuerkennen und sich über die gegenseitige, wechselseitige Beinflussung von Menschen bewusst zu werden.

In der gemeinsamen Kunsterfahrung „OrgaScrabble“ mit Liven Quell und Till Stauffer vom Institut für angewandte Zukunft, erleben die Teilnehmer/innen, wie sie als Gruppe selbstorganisiert nach dem „Scrabble-Prinzip“ verschiedene, kreative Wortschöpfungen bilden. Es wird deutlich, dass sich immer wieder neue Strukturen bilden, von denen sich einige nach dem „Try-and-Error-Prinzip“ verfestigen, während sich andere immer wieder aufs Neue weiterentwickeln oder auflösen. Fließende Kommunikation und der Wechsel zwischen einem Fokus auf Details („Welcher Buchstabe wird hier noch benötigt?“) und einem Fokus auf Übersicht („Welche Buchstaben haben wir insgesamt noch zur Verfügung?“) führen schließlich zu einer Vielzahl an Begriffen, die alle über einzelne Buchstaben miteinander verbunden sind.

Anschließend diskutieren die Teilnehmer in fünf parallel stattfindenden Workshops mit Vertretern verschiedener Pionierunternehmen. Neben it-agile (Henning und Nadine Wolf), den Heiligenfeld Kliniken (Matthias Gasche), Gutmann Aluminum Draht (Paul Habbel und Andreas Terhoeven) sind auch die Unternehmen Sonett (Gerhard Heid und Oliver Groß) und Alnatura (Götz E. Rehn und Nicole Tritschler) mit Referenten, die von Praxisbeispielen der Selbstorganisation berichten, vertreten. Zentrale Erkenntnisse der Workshopteilnehmer/innen finden sich in den Aufzeichnungen des von Amelie Vesper angefertigten „Graphic Recording“ wieder, die auch weiter unten in den Bildern der Tagung zu finden sind. Zum Abschluss tauschen sich jeweils Teilnehmende aus unterschiedlichen Workshops in einer moderierten Zusammenführung darüber aus, welche Quintessenzen sie von dem Tag für sich mitnehmen können. Exemplarisch werden einzelne Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Herrn Kemper interviewt, bevor Herr Rehn sich nochmal bei allen Mitwirkenden bedankt und die Tagungsgäste verabschiedet.


Die nächste Jahrestagung des Instituts für Sozialorganik findet am 8. November 2017 wieder an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn statt. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich diesen Termin vormerken.

Die Videoaufzeichnungen der Beiträge dieser und anderer Jahrestagungen finden Sie hier auf unserem youtube-Kanal.

"Eigentum neu denken - sozialorganische Ideen für einen sinnvollen Umgang mit Eigentum und Kapital" - Rückblick auf die Tagung vom 27. Juni 2016

Rund 100 Interessierte aus Wirtschaft und Wissenschaft nahmen am 27. Juni 2016 an der Tagung „Eigentum neu denken – sozialorganische Ideen für einen sinnvollen Umgang mit Eigentum und Kapital“ des Instituts für Sozialorganik an der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter teil. Neben der Entwicklung von Unternehmen hin zu mehr Eigenverantwortung und Selbstorganisation, gewinnt die Frage nach der sinnvollen Verteilung und Strukturierung von Eigentum und Kapital zunehmend an Bedeutung. Auf der Tagung haben sich die Referenten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft gemeinsam mit der Frage beschäftigt, wie Eigentum und Kapital neu gedacht werden können, so dass ein sinnvolles Gestaltungspotenzial entfaltet werden kann und verantwortungsvolles Handeln des Einzelnen im Sinne der Gemeinschaft ermöglicht wird.

In seiner Begrüßung arbeitet Prof. Dr. Götz E. Rehn, Leiter des Instituts für Sozialorganik an der Alanus Hochschule und Gründer sowie Geschäftsführer von Alnatura, heraus, warum es wichtig ist, sich mit dem modernen Verständnis und dem heutigen Umgang mit Eigentum zu beschäftigen. Dazu blickt Herr Rehn auf die verschiedenen Möglichkeiten, mit Eigentum umzugehen und stellt die Relevanz und Tragweite einer sinnvollen Form der Nachfolge im Unternehmen heraus.

Armin Steuernagel, u.a. Gründer von Mogli, Universnatur und der Purpose-Stiftung, und Philipp Hummel, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialorganik, blicken in ihrem Beitrag „Warum wir Eigentum neu denken müssen“ auf das moderne Eigentumsverständnis und die Herausforderungen und Probleme, die der heutige Umgang mit Eigentum mit sich bringt. Dazu charakterisiert Herr Steuernagel gemeinsam mit den Teilnehmern den Begriff des Eigentums und arbeitet anschließend verschiedene Problematiken heraus, die mit dem modernen Verständnis von Eigentum einhergehen. Darauf aufbauend skizziert Herr Hummel die gegensätzlichen Vorstellungen von Eigentum des Liberalismus und des Sozialismus und arbeitet Impulse heraus, wie Eigentum neu gedacht werden kann. Ziel dabei ist es, Verhältnisse zu schaffen, die sowohl freiheitsfähig, als auch gemeinschaftsverträglich sind. 

In dem Beitrag Eigentum neu gedacht stellen mehrere Unternehmer ihr Verständnis und ihren Umgang mit Eigentum und Kapital vor. Herr Rehn und Stella Eichhorst, Leiterin Recht und Nachhaltigkeit bei Alnatura, stellen das Doppelstiftungsmodell, eine Verbindung einer Familienstiftung und einer gemeinnützigen Stiftung, als Möglichkeit eines sozialorganischen Umgangs mit Eigentum vor. Dabei wird betont, dass auch dieses Modell nur eine Annäherung an ein neues Eigentumsverständnis darstellt. Thomas Bruch, Geschäftsführer von Globus, stellt die Eigentumsstrukturen und den Umgang mit Eigentum in dem Familienunternehmen vor. Im Anschluss stellt Bernd Oestereich, Experte, Trainer und Coach für kollegial geführte Organisationen bei next U, den Weg des Unternehmens Oose von einer hierarchischen Organisation bis hin zur Genossenschaft in Mitarbeiterhand vor. Herr Steuernagel erläutert das Modell der Purpose Stiftung, das Unternehmen dabei unterstützt, eine neue Eigentumsstruktur zu etablieren. Dabei geht er beispielshaft auf das Unternehmen Triaz ein, das gerade einen solchen Prozess zur Umwandlung des Eigentums in Purpose Ownership vornimmt. Herr Czesla, Geschäftsführer von s-inn Beteiligungen, betont, dass es bei all den Modellen und Strukturen von Eigentum letztlich darauf ankommt, mit welcher inneren Haltung und mit welchem Welt- und Menschenbild die Gemeinschaft im Unternehmen handelt.

Die aufgegriffenen Themen werden am Nachmittag in parallelen Workshops vertieft und diskutiert. In dem Workshop „Familienunternehmen 2.0 – wie das Unternehmen mit einem neuen Eigentumsverständnis geführt werden kann und was das für die Nachfolge bedeutet“ diskutieren Herr Bruch und Herr Rehn mit den Teilnehmern Umsetzungsmöglichkeiten, Hindernisse und Risiken des Doppelstiftungsmodells. 

In dem Workshop zu „Chancen und Risiken auf dem Weg zum kollegial-selbstgeführten Unternehmen“ vertieft Herr Oestereich seine Erlebnisse bei der Umwandlung des Unternehmens Oose in eine Genossenschaft in Mitarbeiterhand und berichtet von seinen Erfahrungen als Berater in solchen Prozessen. 

Herr Steuernagel geht in seinem Workshop „Pionierunternehmen umwandeln in Purpose Ownership. Von der Blutsverwandtschaft zur Fähigkeiten- und Werteverwanschaft. Einblicke in einen gerade lauzfenden Prozess“ genauer auf das Purpose Modell von Triaz ein.

Welche Haltung und welche Fähigkeiten brauchen Menschen, die Eigentum verwalten wollen?“ Diese Frage diskutiert Herr Czesla mit den Teilnehmern in seinem Workshop. Dabei arbeitet er die Rolle von Menschen in Organisationen heraus und zeigt auf, wie die Entwicklung des Menschen zur Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft gefördert werden kann.

In dem Beitrag „Eigentum als gesellschaftliche Bewegung“ arbeitet Herr Steuernagel anschließend Probleme und Hindernisse heraus, die durch ein tradiertes Verständnis von Eigentum gefördert werden.

In einem abschließenden Austausch werden die Ergebnisse der Workshops gemeinsam reflektiert und konkrete Handlungsfragen besprochen. Gerald Häfner, Politiker und Leiter der Sektion für Sozialwissenschaften am Goetheanum in Dornach, stellt die Frage nach einem sinnvollen Eigentumsverständnis als die zentrale Frage des 20. Jahrhunderts heraus, die in der Spannung zwischen Sozialismus und Liberalismus bisher jedoch ungelöst geblieben ist.

Die Jahrestagung des Instituts für Sozialorganik „Unternehmensführung neu gestalten – auf dem Weg zum sozialorganischen Unternehmen“ findet am 2. November 2016 wieder an der Alanus  Hochschule für Kunst und Gesellschaft in Alfter bei Bonn statt.

Die Videoaufzeichnungen ausgewählter Beiträge der Tagung finden Sie hier auf unserem youtube-Kanal.

 
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