Fragen zur Einschulung an Stefanie Greubel

Stefanie Greubel, Juniorprofessorin für Kindheitspädagogik, beantwortet Fragen rundum das Thema Einschulung.

Welche Veränderungen bringt die Einschulung für das Kind mit?

Die Veränderungen beginnen im Grunde nicht mit dem ersten Schultag, sondern vielmehr noch im letzten Jahr vor der Einschulung. Die Kinder erhalten einen neuen Status als Vorschulkinder, der neue Rechte und Pflichten mit sich bringt und von den Kindern oft mit Stolz wahrgenommen wird. Viele Termine drehen sich um den bevorstehenden Schulstart, dazu zählen die formellen wie Schuluntersuchung oder Schulanmeldung aber auch die informellen wie Besuche der ehemaligen Kindergartenkinder, der Schulranzenkauf oder Kurzausflüge in die bald zu besuchende Schule. All diese großen und kleinen Ereignisse setzen beim Kind, so die These vieler Entwicklungspsychologen, im günstigen Fall bestimmte Entwicklungspotenziale frei, die sie für die Bewältigung des Überganges stärken. Die Kinder spüren in der Regel sehr genau, dass nun ein wichtiger Schritt bevorsteht, viele Gespräche der Erwachsenen drehen sich um das Thema und  auch ältere Kinder berichten gerne von den Qualen und den Freuden der Schule.

Der Tag der Einschulung wird meist feierlich begangen, den Kindern bekannte Rituale wie die Schultütenübergabe  vermitteln Sicherheit und Freude. Mit dem Beginn des Schulalltages lernen sie viele neue Regeln, auch der Alltag zuhause verändert sich und muss stärker strukturiert sein. Besucht das Kind nach der Schule eine Übermittagsbetreuung, muss auch dieses System neu kennengelernt werden. Die ersten Tage und Wochen sind daher für die Kinder sehr aufregend und anstrengend. Zu diesen kontextuellen Veränderungen treten die Veränderungen auf der interaktionalen und individuellen Ebene. Als Schulkind erhalten die Kinder erneut einen neuen Status, der bestimmte Erwartungen mit sich bringt. Laut einer australischen Studie erleben die Kinder aber oft einen Widerspruch zwischen der nun geforderten Eigenständigkeit und den starken strukturellen Vorgaben in der Schule. Hier ist also eine große Flexibilität gefragt.  Individuell setzen sich die Kinder mit ihren eigenen Fähigkeiten auseinander, welches zur weiteren Differenzierung des eigenen Selbstkonzeptes beiträgt. 

 

Was bedeutet es für die Eltern, wenn ihre Kinder in die Schule kommen?

Für die Eltern ist es ein entscheidender Schritt, der sie auf verschiedenen Ebenen tangiert.  Zunächst ist es die Sorge um das Kind, ob es kognitiv, emotional  und sozial bereit und fit für die Schule ist. Hier drehen sich die Gedanken um die richtige Förderung und Vorbereitung. Viele Eltern beginnen mit ihren Kindern gezielt zu üben oder haben konkrete Vorstellungen darüber, was im Kindergarten noch getan werden sollte. Häufig kreisen auch die Gespräche mit oder über das Kind rund um die Schule. Solche Prozesse können sowohl bei den Eltern als auch den Kindern Stress auslösen. Neben diesem direkten Bezug sind Eltern aber auch individuell betroffen. Mit dem Verlassen des Systems Kindergarten müssen sie im System Schule eine neue Position finden und sich im Rahmen der Möglichkeiten bekannt machen. Ähnlich wie die Kinder erleben auch die Eltern eine stärkere Strukturierung und weniger Entscheidungsmöglichkeiten.  Die Eltern müssen sich auch daran gewöhnen, dass sie nun einen kleineren Einblick in die Alltagswelt der Kinder erhalten als zuvor. Wenn kein jüngeres Geschwisterkind da ist, bedeutet der Übergang des Kindes in die Schule auch: Hilfe, ich werde alt! Das heißt,  dass auch für die Eltern ein neuer Lebensabschnitt beginnt.

 

Worauf können Eltern beim Übergang vom Kindergarten in die Schule achten?

Eltern sollten darauf achten, dass Kinder voller Selbstvertrauen und Freude der  kommenden Einschulung entgegen sehen. Dies gelingt, indem nicht voller Bange und Sorge von der Schule gesprochen wird, Bald ist die schöne Zeit vorbei, sondern mit Begeisterung Bildung auch Zuhause einen Stellenwert hat. Damit ist nicht das gezielte Üben von lesen, rechnen und schreiben gemeint sondern das gemeinsame Entdecken von Wissen in vielfältigen Freizeitkontexten. Wichtig ist zudem das Selbstkonzept zu stärken. Erleben die Eltern, dass ihr Kind negative Rückmeldungen zu seiner Person oder zu seinen Fähigkeiten erhält, dann können sie durch gezielte unterstützende Äußerungen Ich bin mir sicher, dass du das schaffst, diesen, oft von den Kindern als persönlichen Mangel verbuchten Input abmildern. Für die erste Schulzeit gilt: Interesse zeigen, nicht nur nach dem Gelernten sondern auch nach den sozialen Faktoren fragen! Die erste Zeit in der Schule ist für die Kinder sehr anstrengend. Sie freuen sich, wenn sie Zuhause nicht nur die Pflichten des Schulkindes erfüllen müssen sondern zwischendurch auch noch einmal verwöhnt werden. Rituale aus der Kindergartenzeit (z.B. die Kuschelstunde auf dem Sofa) können mit in den Schulalltag gerettet werden und vermitteln sowohl den Kindern als auch den Eltern noch ein vertrautes Gefühl, dass nicht alles anders sein muss als früher.

 
BG1