Bildungsdokumentation für Waldorfkindergärten in NRW

Institut für Kindheitspädagogik begleitet Entwicklung einer Bildungsdokumentation für Waldorfkindergärten in NRW

Ein aktuelles Forschungsprojekt am Institut für Kindheitspädagogik der Alanus Hochschule ist Anfang Juli zum erfolgreichen Abschluss gekommen. Prof. Dr. Stefanie Greubel und ihre Mitarbeiterin Cornelia Jachmann widmeten sich im Auftrag der Vereinigung der Waldorfkindergärten e.V. Region NRW einem spannenden frühpädagogischen Themenfeld: Bildungsdokumentationen in Kindertagesstätten. Im Vordergrund stand die Entwicklung eines waldorfspezifischen Beobachtungs- und Dokumentationsinstrumentes für Kinder von 0-7 Jahren in nordrhein-westfälischen Waldorfkindergärten.

Dieses Instrument, TRIALOG genannt, wurde nun durch Margarete Kaiser, Vertreterin der Expertengruppe Bildungsdokumentation der Vereinigung der Waldorfkindergärten e.V. Region NRW, entwickelt. Die Alanus Hochschule hat hierbei die wissenschaftliche Begleitung im Entwicklungsprozess sowie die Evaluation der Umsetzbarkeit des neuen Verfahrens übernommen.

Eine Präsentation mit anschließendem Festakt fand am 28. Juni 2017 im Rudolf-Steiner-Seminar Dortmund sowie am 6. Juli 2017 an der Alanus Hochschule in Alfter statt. MitarbeiterInnen der Piloteinrichtungen sowie ein interessiertes Fachpublikum wurden über Trialog informiert. In Nordrhein-Westphalen werden die Materialien von Trialog jedem Waldorfkindergärten für die derzeit angemeldeten Kinder kostenlos bereitgestellt.

Hintergrund

Beobachtung, Dokumentation und Reflexion kindlicher (Selbst-)Bildungsprozesse stellen in der Kindheitspädagogik zunehmend bedeutsame Themen und Aufgaben dar. Sie gehören zu den zentralen Tätigkeiten frühpädagogischer Fachkräfte und haben auch als Indikatoren für den Grad professionellen Handelns Relevanz (vgl. Kieselhorst, Brée & Neuß 2013).
In Nordrhein-Westfalen sind das Beobachten und Dokumentieren in Kindertageinrichtungen bzw. die Bildungsdokumentationen ein integraler Bestandteil des gesetzlichen Rahmens für Kindertageseinrichtungen. So sind im Zuge des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) seit Sommer 2014 alle Kindertageseinrichtungen in NRW verpflichtet, die Sprachentwicklung der ihnen anvertrauten Kinder mit Hilfe eines vorgegebenen Dokumentationsverfahrens (BaSiK, Liseb oder Seldak/Sismik) wahrzunehmen, zu dokumentieren und zu fördern. Darüber hinaus ist auch die regelmäßige Beobachtung und Dokumentation aller kindlichen Entwicklungs- und Bildungsbereiche in NRW vorgeschrieben. Hierfür sind jedoch, anders als im Bereich der Sprachentwicklung, (noch) keine konkreten Instrumente als Unterstützung bei der Wahrnehmung und Dokumentation kindlicher Bildungsprozesse festgelegt. Die Methode ist bisher frei wählbar.

Anliegen & Beginn

Vor diesem Hintergrund entstand der Impuls der Vereinigung der Waldorfkindergärten (NRW), ein eigenes, ganzheitliches, das heißt alle elementaren Bildungsbereiche umfassendes Instrument für Waldorfkindergärten in NRW im Lichte waldorfpädagogischer Anliegen zu entwickeln und die verpflichtende Sprachdokumentation „BaSiK“ zu integrieren. Die Anforderungen an ein solches Verfahren lagen vor allem in der Verknüpfung waldorfpädagogischer Ansprüche bzw. Konzepte zur Beobachtung und Dokumentation (z.B. „Kinderbesprechungen/-konferenzen“ im Sinne des achtsamen fachlichen Austausches und der möglichst wertfreien Wahrnehmung der Individualität des Kindes) mit den gesetzlichen Vorgaben.

Start der wissenschaftlichen Evaluation und Begleitung

Das Institut für Kindheitspädagogik der Alanus Hochschule hat durch Prof. Dr. Stefanie Greubel im Frühjahr 2015 den Part der wissenschaftlichen Evaluation und Begleitung übernommen. Anfang 2016 kam mit Cornelia Jachmann (Absolventin des Bachelorstudiengangs Kindheitspädagogik, derzeit im Masterstudium Pädagogische Praxisforschung/Kindheitspädagogik) eine wissenschaftliche Mitarbeiterin hinzu.
Die Beteiligung der Alanus Hochschule in diesem Projekt ermöglichte eine wissenschaftliche Begleitung des Prozesses im Dialog zwischen Forschung und Praxis. In diesem Sinne konnte ein Verfahren entwickelt werden, das auf wissenschaftliche Voruntersuchungen im Praxisfeld der Waldorfkindergärten NRW aufbaut und anschließend auf seine Umsetzbarkeit in diesem Praxisfeld überprüft wurde. So wurde ein stetiger Dialog zwischen Praxis und Forschung gewährleistet.

Erster Forschungsabschnitt

Prozessbegleitende Intervention und Beratung rundeten den wissenschaftlichen Beitrag der Alanus Hochschule ab.
Das Forschungsprojekt startete im ersten Forschungsabschnitt mit der Analyse der Dokumentationspraxis in Waldorfkindergärten in NRW. Mittels schriftlicher Befragung und Interviews wurden zunächst der vorherige Umgang mit Bildungsdokumentation in Waldorfkindergärten erfragt, bewährte Methoden gesammelt und entsprechende Bedarfe, Wünsche und Anliegen der ErzieherInnen, auch mit Blick auf ein neues Verfahren, eruiert. Die erhobenen Daten ergaben u. a. das vielfältige Bild einer eher individuell ausgerichteten Dokumentationspraxis, eine hohe Identifikation mit der besonderen waldorfspezifischen Haltung (wie sie z. B. in Kinderkonferenzen zum Tragen kommt) und den Wunsch nach einer einheitlichen, strukturierten Vorgehensweise.
Die Ergebnisse wurden der Vereinigung der Waldorfkindergärten NRW, vertreten durch Margarete Kaiser, übergeben und als Grundlage für die Entwicklung eines entsprechenden, praxisorientierten Instruments zur Bildungsdokumentation genutzt.

Zweiter Forschungsabschnitt

Daraufhin trat das Projekt in den zweiten Forschungsabschnitt ein und auch hier stand der Dialog zwischen Forschung und Praxis im Mittelpunkt. Es konnten 11 Waldorfkindergärten unterschiedlicher Größe (1-gruppig bis 6-gruppig) aus ganz NRW gewonnen werden an der Pilotphase teilzunehmen. Insgesamt waren damit auch etwa 60 Kinder beteiligt. Auch zwei ehemalige Studentinnen des Bachelor-Studiengangs Kindheitspädagogik der Alanus Hochschule nahmen mit ihren Einrichtungen, die sie leiten, an der Pilotphase teil.

Erprobungsphase

Bis zum Sommer 2016 wurde das Instrument im Alltag der Waldorfkindergärten erprobt. Vonseiten der Alanus Hochschule wurde die Umsetzbarkeit des Instruments wissenschaftlich evaluiert. Hierbei wurden die Leitungskräfte, die pädagogischen Fachkräfte, aber auch die Eltern als wichtige Erziehungspartner und Beteiligte an Dokumentationsprozessen, in die Evaluation einbezogen. Als Methoden kamen Interviews, Online-Befragungen und Expertenworkshops zum Einsatz.

Erfolgreiche Einführung in die Praxis

Nach Abschluss dieser Phase sind die Evaluationsergebnisse in die Überarbeitung und Anpassung des Instrumentes eingeflossen und das Instrument TRIALOG hat seinen Weg in die Praxis der Waldorfkindergärten in NRW angetreten.

 

Weitere Informationen:

Zum Forschungsprojekt

Abschlussbericht hier abrufen: "Beobachtung und Dokumentation in Waldorfkindergärten Nordrhein-Westfalens. Wissenschaftliche Begleitung der Konstruktion und Erprobung eines alltagintegrierten Beobachtungs- und Dokumentationsverfahrens (TRIALOG)"

Artikel in RoSE: "Beobachtung und Dokumentation in Kindertagesstätten Nordrhein-Westfalens. Ausgangs- und Bedarfslage für Waldorfkindergärten" - Stefanie Greubel

Aktueller Artikel in der Zeitschrift Universalis S. 26-27:
"Neues Verfahren: Mit TRIALOG kindliche Entwicklung dokumentieren"

 

Literatur:

Kieselhorst, M. , Brée, S. & Neuß, N. (2013). Beobachtung kindlicher Selbstbildungsprozesse. Deutungskompetenz frühpädagogischer Fachkräfte. Wiesbaden

 
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