Bildungsdokumentation für Waldorfkindergärten in NRW

Institut für Kindheitspädagogik begleitet Entwicklung einer Bildungsdokumentation für Waldorfkindergärten in NRW

Ein aktuelles Forschungsprojekt am Institut für Kindheitspädagogik der Alanus Hochschule widmet sich im Auftrag der Vereinigung der Waldorfkindergärten e.V. Region NRW einem spannenden frühpädagogischen Themenfeld: Bildungsdokumentationen in Kindertagesstätten. Im Vordergrund steht die Entwicklung eines waldorfspezifischen Beobachtungs- und Dokumentationsinstrumentes für Kinder von 0-7 Jahren in nordrhein-westfälischen Waldorfkindergärten. Die Alanus Hochschule hat hierbei die wissenschaftliche Begleitung im Entwicklungsprozess sowie die Evaluation der Umsetzbarkeit des neuen Verfahrens übernommen.

Beobachtung, Dokumentation und Reflexion kindlicher (Selbst-)Bildungsprozesse stellen in der Kindheitspädagogik zunehmend bedeutsame Themen und Aufgaben dar. Sie gehören zu den zentralen Tätigkeiten frühpädagogischer Fachkräfte und haben auch als Indikatoren für den Grad professionellen Handelns Relevanz (vgl. Kieselhorst, Brée & Neuß 2013).
In Nordrhein-Westfalen sind das Beobachten und Dokumentieren in Kindertageinrichtungen bzw. die Bildungsdokumentationen ein integraler Bestandteil des gesetzlichen Rahmens für Kindertageseinrichtungen. So sind im Zuge des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) seit Sommer 2014 alle Kindertageseinrichtungen in NRW verpflichtet, die Sprachentwicklung der ihnen anvertrauten Kinder mit Hilfe eines vorgegebenen Dokumentationsverfahrens (BaSiK, Liseb oder Seldak/Sismik) wahrzunehmen, zu dokumentieren und zu fördern. Darüber hinaus ist auch die regelmäßige Beobachtung und Dokumentation aller kindlichen Entwicklungs- und Bildungsbereiche in NRW vorgeschrieben. Hierfür sind jedoch, anders als im Bereich der Sprachentwicklung, (noch) keine konkreten Instrumente als Unterstützung bei der Wahrnehmung und Dokumentation kindlicher Bildungsprozesse festgelegt. Die Methode ist bisher frei wählbar.

Vor diesem Hintergrund entstand der Impuls der Vereinigung der Waldorfkindergärten (NRW), ein eigenes, ganzheitliches, das heißt alle elementaren Bildungsbereiche umfassendes Instrument für Waldorfkindergärten in NRW im Lichte waldorfpädagogischer Anliegen zu entwickeln und die verpflichtende Sprachdokumentation „BaSiK“ zu integrieren. Die Anforderungen an ein solches Verfahren liegen vor allem in der Verknüpfung waldorfpädagogischer Ansprüche bzw. Konzepte zur Beobachtung und Dokumentation (z.B. „Kinderbesprechungen/-konferenzen“ im Sinne des achtsamen fachlichen Austausches und der möglichst wertfreien Wahrnehmung der Individualität des Kindes) mit den gesetzlichen Vorgaben.

Das Institut für Kindheitspädagogik der Alanus Hochschule hat durch Prof. Dr. Stefanie Greubel im Frühjahr 2015 den Part der wissenschaftlichen Evaluation und Begleitung übernommen. Anfang 2016 kam mit Cornelia Jachmann (Absolventin des Bachelorstudiengangs Kindheitspädagogik, derzeit im Masterstudium Pädagogische Praxisforschung/Kindheitspädagogik) eine wissenschaftliche Mitarbeiterin hinzu.
Die Beteiligung der Alanus Hochschule in diesem Projekt ermöglicht eine wissenschaftliche Begleitung des Prozesses im Dialog zwischen Forschung und Praxis. In diesem Sinne konnte ein Verfahren entwickelt werden, das auf wissenschaftliche Voruntersuchungen im Praxisfeld der Waldorfkindergärten NRW aufbaut und anschließend auf seine Umsetzbarkeit in diesem Praxisfeld überprüft wird. So wurde ein stetiger Dialog zwischen Praxis und Forschung gewährleistet.

Prozessbegleitende Intervention und Beratung runden den wissenschaftlichen Beitrag der Alanus Hochschule ab.
Das Forschungsprojekt startete im ersten Forschungsabschnitt mit der Analyse der Dokumentationspraxis in Waldorfkindergärten in NRW. Mittels schriftlicher Befragung und Interviews wurden der bisherige Umgang mit Bildungsdokumentation in Waldorfkindergärten erfragt, bewährte Methoden gesammelt und entsprechende Bedarfe, Wünsche und Anliegen der ErzieherInnen, auch mit Blick auf ein neues Verfahren, eruiert. Die erhobenen Daten ergaben u. a. das vielfältige Bild einer eher individuell ausgerichteten Dokumentationspraxis, eine hohe Identifikation mit der besonderen waldorfspezifischen Haltung (wie sie z. B. in Kinderkonferenzen zum Tragen kommt) und den Wunsch nach einer einheitlichen, strukturierten Vorgehensweise.
Die Ergebnisse wurden der Vereinigung der Waldorfkindergärten NRW, vertreten durch Margarete Kaiser, übergeben und als Grundlage für die Entwicklung eines entsprechenden, praxisorientierten Instruments zur Bildungsdokumentation genutzt.

Aktuell tritt das Projekt in den zweiten Forschungsabschnitt ein und auch hier steht der Dialog zwischen Forschung und Praxis im Mittelpunkt. Es konnten 11 Waldorfkindergärten unterschiedlicher Größe (1-gruppig bis 6-gruppig) aus ganz NRW gewonnen werden an der Pilotphase teilzunehmen. Insgesamt werden damit auch etwa 60 Kinder beteiligt sein. Auch zwei ehemalige Studentinnen des Bachelor-Studiengangs Kindheitspädagogik der Alanus Hochschule nehmen mit ihren Einrichtungen, die sie leiten, an der Pilotphase teil.

Bis zum Sommer 2016 wird das Instrument im Alltag der Waldorfkindergärten erprobt. Vonseiten der Alanus Hochschule wird die Umsetzbarkeit des Instruments wissenschaftlich evaluiert. Hierbei werden die Leitungskräfte, die pädagogischen Fachkräfte, aber auch die Eltern als wichtige Erziehungspartner und Beteiligte an Dokumentations-prozessen, in die Evaluation einbezogen. Als Methoden kommen Interviews, Online-Befragungen und Expertenworkshops zum Einsatz. Nach Abschluss dieser Phase werden die Evaluationsergebnisse in die Überarbeitung und Anpassung des Instrumentes einfließen und das Instrument seinen Weg in die Praxis der Waldorfkindergärten in NRW antreten.

 

Literatur:

Kieselhorst, M. , Brée, S. & Neuß, N. (2013). Beobachtung kindlicher Selbstbildungsprozesse. Deutungskompetenz frühpädagogischer Fachkräfte. Wiesbaden

 
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