Lehrer, Eltern und Studenten diskutierten an der Alanus Hochschule
Alfter, 11. Mai 2007
Zentrale Abschlussprüfungen und nachgewiesene Schwächen in einzelnen
Fächern sorgen dafür, dass die Frage nach der Qualität von
Waldorfschulen zunehmend öffentlich diskutiert wird und dass an
Waldorfschulen die Themen Unterrichtsqualität und
Unterrichtsentwicklung auf der Tagesordnung stehen. Dieser aktuellen
Thematik widmete sich auch ein Symposium, das am 4. und 5. Mai an der
Alanus Hochschule in Alfter stattgefunden hat.
„Waldorfschulen müssen die Standards staatlicher Schulen erfüllen, dürfen dabei aber ihre spezifischen Qualitäten nicht vernachlässigen, sondern sollten diese in ihrem eigenen Interesse weiterentwickeln“, so lautete das einstimmige Fazit der rund 80 Teilnehmer.
Es sei heute wichtiger denn je, praxisorientierte Qualitätsentwicklung im Unterricht anzugehen, betonte Klaus-Peter Freitag von der Arbeitsgemeinschaft Waldorfpädagogik NRW. Einerseits müssten Problemfelder erkannt und reformiert werden, andererseits gäbe es zahlreiche Positionen der Waldorfpädagogik, die in der erziehungswissenschaftlichen und neurowissenschaftlichen Forschung aktuell seien.
Stärken und Schwächen des Waldorfschul-Unterrichts aus der Sicht ehemaliger Schüler stellte Dirk Randoll vor, Professor am Institut für empirische Sozialforschung der Alanus Hochschule. Gemeinsam mit seinem Kollegen Heiner Barz von der Universität Düsseldorf hat er eine umfassende Absolventenstudie durchgeführt. „Die Mehrheit ehemaliger Waldorfschüler hat sich in ihrer Schule wohl gefühlt. Ein großer Anteil berichtete von Geborgenheit und positivem Einfluss der Schule auf zahlreiche Fähigkeiten wie etwa selbständiges Arbeiten“, fasste Randoll zusammen. Die Befragten hätten jedoch auch Schwächen im Fremdsprachenunterricht und in Naturwissenschaften kritisiert.
Diese Schwächen gelte es zu beheben und die Potenziale für einen schülerorientierten Unterricht, die in der Waldorfpädagogik steckten, fruchtbar zu machen, unterstrich Peter Schneider, Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Paderborn. Die Waldorfschule fordere durchaus Leistung, und gerade in der Oberstufe auf hohem Niveau, auch wenn sie die individuelle Leistung nicht zum Kriterium für Selektion mache. „Vielmehr geht es darum, die kognitiven, künstlerischen und sozialen Fähigkeiten des einzelnen Schülers zu entwickeln, ohne das oberste Prinzip des Grundgesetzes – die Würde des mündigen Individuums – zu verletzen“, so Schneider.