Mit Kunst die Welt verändern!? – Zum Selbstverständnis künstlerischen Handelns

Bericht über das Symposium vom 14. bis 16. Oktober

Ist die Bildende Kunst in der Lage, „die Welt zu verändern“, wie Joseph Beuys und andere postulierten? Dieser Frage widmeten sich Gäste aus Kunst, Wissenschaft, Kirche und Politik in einem öffentlichen Symposium an der Alanus Hochschule. Vom 14. bis 16. Oktober diskutierten sie das heutige Selbstverständnis künstlerischen Handelns. Gabriele Oberreuter, Professorin für Kunstgeschichte im Fachbereich Bildungswissenschaft und Leiterin des Symposiums, berichtet:

Das bis auf den letzten Platz besetzte Symposium ließ die künstlerische Kraft, den Menschen individuell erreichen und berühren zu können, intensiv erleben. Darin bereits drückte sich eine Spur der Veränderbarkeit von Leben durch die Kunst aus. Die Mischung aus gedankenreichem Vortrag und künstlerischem Ausdruck bildete gleichsam das Grundmodul: Performatives und Eigenarbeit in kleinen Gruppen, die Vermittlung von Erfahrung aus Projekten mit neuen Lebensformen oder alten Lebensfragen, mit denen eine 'spirituelle Arbeiterin' umgeht – der Bogen von Freitag- bis Sonntagnachmittag war umfassend. Es erwies sich wieder einmal als Gewinn, dass die Referenten über drei Tage zusammenblieben: Eine große gegenseitige Anteilnahme aller Gastredner war in den Diskussionen zu erleben. Petra von der Lohe etwa entfaltete eine reich bestückte Kette von Gedichten, die sie tief, in authentischem Zugang auszuloten verstand – die Rezitation der Beispiele übernahm Suzanne Ziellenbach, was die ausgewählte Dichtung zum Erlebnis werden ließ.Täglich präsentierte Christiane ten Hoevel eine kurze, dichte Inszenierung von eigenen Zeichnungen, denen Fragen oder Texte, auch Musik zugesellt wurden, die den Kern menschlicher Existenz suchten. Grundlegende Fragen an heutige Künstler, eine gesellschaftliche Verantwortlichkeit betreffend erörterten Enne Haehnle und Jochen Breme – ihre Impulse mündeten unter anderem in plastischen Ausdrucksformen des gesamten Auditoriums. Gerald Häfner machte in seinem politischen Abendvortrag eindrucksvoll verständlich, wie und warum die Welt in die aktuelle Krisenlage geraten ist und welche Wege aus europäischer Sicht eine vorsichtige Wendung ermöglichen könnten.

Erstaunlich war eine Performance besonderer Art: Zwei Künstler, Kerstin Polzin und Stefan Krüskemper, untersuchen seit geraumer Zeit Fragestellungen zu Kunst und Öffentlichem Raum in Form diskursiver Aufstellungen. Abstrakte Fragen werden anhand von Raumpositionen und Körperwahrnehmungen erlebbar. Hier stand an der Tafel der Glaubenssatz: „Die Alanus Hochschule hat das Potential die Welt zu verändern". Aus dem Plenum konnten sich Teilnehmer melden, die Kunst, Lehre, Vision, Weisheit sowie Studierende und Lehrende repräsentierten. Auch die Positionierung übernahm eine Zuhörerin. Differenzen im Körperempfinden wurden abgefragt, während Bewegungsimpulse immer wieder die ursprüngliche Aufstellung veränderten. Bildhaft wurden Entwicklung und Formierung der Potentiale unserer Hochschule deutlich. Fruchtbar konnten sie nur werden, wenn sie die eigentlichen Kraftquellen der Hochschule nicht verdeckten. Eine von allen Repräsentanten als stimmig empfundene Konstellation beendete die Performance.

Einen singulären Einblick in den Sektor Schule und Kunst bot Christa Lösel als engagierte und allem Desinteresse ihrer Behörden trotzende Lehrerin, die ihre künstlerische Identität achtsam und nachhaltig in den Unterricht integriert. Wissenschaftlich begleitet wurde sie dabei von dem Kunstpädagogen Tobias Loemke. Eine künstlerische Darbietung beendete schließlich die Tagung: Schauspielstudenten der Alanus Hochschule boten einen 'ins Mark gehenden', ergreifenden Chor aus Euripides' Medea, den Suzanne Ziellenbach, Professorin für Sprecherziehung und Schauspiel an der Alanus Hochschule, mit ihnen einstudiert hatte.

Wenn jeder etwas vom Glauben an das Menschsein, das die Kunst immer wieder wachzurufen versteht, in seinen Alltag hineinnimmt, so verändern wir unsere Welt – so lautet mein Fazit!

 
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